Lokalsport: Ungleiches Kräftemessen
Lokalsport (NGZO) Noch ist es ein Witz, der in den Handballhallen von Dormagen und Korschenbroich grassiert. Doch er könnte am 12. und 19. Juni Realität werden. Dann stehen nämlich die Entscheidungsspiele zwischen dem besten Zweitliga-Vizemeister und dem Bundesliga-Drittletzten um Aufstieg oder Liga-Verbleib auf dem Plan. Und ein Aufeinandertreffen der beiden Klubs aus dem Rhein-Kreis ist durchaus denkbar.
Schließlich steht der TSV Dormagen nach dem 27:21-Sieg in Minden auf eben jenem drittletzten Tabellenplatz – und den TV Korschenbroich trennen momentan nur zwei Punkte von Rang zwei. Doch Scherz beiseite – TSV und TVK trennt zur Zeit mindestens eine Handballwelt. Denn der Abstand zwischen Liga eins, die sich selbst so gerne die "stärkste der Welt" nennt, und der Zweiten Liga scheint in dieser Spielzeit größer denn je. Nicht unbedingt, was das spielerische Niveau anbelangt – da gibt es in der Süd-Liga mit ihrem ausgeprägten Hang zum Tempo-Handball mitunter größere Schmankerl zu sehen.
Wohl aber in der Athletik. Kein Wunder, denn die Top-Teams der Bundesliga investieren nur noch in Kraftprotze mit Gardemaß. Die weniger betuchten müssen das nehmen, was auf dem Tranfermarkt übrig bleibt – und stehen dementsprechend im Keller. Wie groß die Kluft zwischen Erster und Zweiter Liga ist, zeigt ein Blick auf die Aufsteiger: Von den elf Neulingen der Spielzeiten 04/05 bis 08/09 sind nur noch sieben in der Bundesliga vertreten – wobei die HSG Düsseldorf (Aufstieg 04/05, Abstieg 06/07, Aufstieg 08/09) und der TuS N-Lübbecke (Aufstieg 04/05, Abstieg 07/08, Aufstieg 08/09) zwischenzeitlich wieder Zweitligist waren. Vom restlichen Quintett – MT Melsungen (Aufstieg 05/06), Rhein-Neckar Löwen (Aufstieg 05/06 als SG Kronau/Östringen), HBW Balingen/Weilstetten, Füchse Berlin (Aufstieg 06/07) und TSV Dormagen (Aufstieg 07/08) – haben sich nur Melsungen und die Löwen dank finanzstarker Mäzene sowie der "Hauptstadtklub" in der Liga etabliert.
Wie schwer sich Aufsteiger tun, zeigt das Beispiel TuS N-Lübbecke: Mit einem 3,5 Millionen-Etat und viel Vorschusslorbeeren in die aktuelle Saison gestartet, sind die Ostwestfalen nach zuletzt 2:8 Punkten in Folge mit 8:14 Zählern nicht allzu weit von der Abstiegszone entfernt – die beginnt bei Melsungen (13. mit 6:16), auch einem Team mit ganz anderem Anspruch. Für die anderen aktuellen Aufsteiger HSG Düsseldorf (14. mit 5:15) und TSV Hannover-Burgdorf (17. mit 4:18) geht es nur ums Überleben. Darum kämpfen in Dormagen und Balingen zwei weitere Klubs mit noch nicht allzu langer Erstliga-Zugehörigkeit – alles andere als Zufall.
Die Lage wird dadurch nicht besser, dass in der Zweiten Liga Süd keine Mannschaft souverän zu sein scheint. Die Plätze drei und 14 trennen gerade mal sechs Zähler. Düsseldorf wurde im Vorjahr mit 58:10 Punkten Meister, davor Dormagen mit 60:8. Jetzt, nach einem Drittel der Saison, hat selbst der Tabellenzweite TSG Friesenheim schon sieben Minuspunkte auf dem Konto. Außer Spitzenreiter Hüttenberg (21:5), den "Eulen" (17:7) und dem TV Korschenbroich (15:9) haben alle schon Minuszähler im zweistelligen Bereich. Die Fans können sich allerdings freuen: In beiden Ligen ist es spannend wie selten. Und wer weiß: Vielleicht treffen sich Korschenbroicher und Dormagener ja tatsächlich am 12. und 19. Juni.



















