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Lokalsport: Nein zur Ringerhalle ist "grob fahrlässig"

zuletzt aktualisiert: 16.03.2010 - 11:25

Jürgen Steinmetz ist erbost. So erbost, dass der Sportdezernent des Rhein-Kreises zu scharfer Wortwahl greift: "Was da entschieden wurde, kann ich nur als grob fahrlässig bezeichnen." Was ihn so in Rage bringt, ist das Votum des Hauptausschusses der Stadt Dormagen, der sich am Freitag mit den Stimmen der "Jamaika-Koalition" (CDU, FDP, Grüne) gegen den Bau einer Ringerhalle auf dem Gelände der Bertha-von-Suttner-Gesamtschule in Nievenheim aussprach, weil, so CDU-Fraktionschef Wiljo Wimmer, "wir ernst machen müssen mit dem Sparen und an die Folgekosten denken."

Hatten auf eine neue Halle gehofft: die Ringertalente des AC Ückerath.  Foto:  ACÜ
Hatten auf eine neue Halle gehofft: die Ringertalente des AC Ückerath. Foto: ACÜ

Der Neubau sollte sicherstellen, dass der dort beheimatete AC Ückerath seinen Status als Bundesstützpunkt für Frauenringen über 2012 hinaus behält. Das sieht Detlev Zenk jetzt akut gefährdet: "Die vorhandene Halle ist zu klein, Umkleiden und die eine Toilette sind den Athletinnen auf Dauer nicht zuzumuten", sagt der ACÜ-Vorsitzende.

Vor allem dann nicht, wenn sie auf internationalem Niveau ringen wollen. Denn die dafür erforderliche Mattengröße passt nicht in die vorhandene Halle. Doch das ist die Voraussetzung, um Anerkennung im neuen Landeskonzept "Leistungssport 2020" zu finden. Dort heißt es: "Gerade die Sportstätten an den Bundes- und Landesleistungsstützpunkten müssen den internationalen Anforderungen entsprechen." Ein Grund, warum neben dem Deutschen Ringer-Bund auch das Land NRW das Projekt befürwortete. So sehr, dass es vergangene Woche eine Übernahme der Baukosten in Höhe von 80 Prozent signalisierte – "zehn Prozent mehr als in den Förderrichtlinien vorgesehen", weiß Steinmetz. "Vollkommen ungewöhnlich", sagt Michael Scharf, Leiter des Olympiastützpunktes Rheinland und kann deshalb das Dormagener "Nein" nicht nachvollziehen: "Das ist schädlich für unser gesamtes Sportkonzept."

Vollbesetzte Ränge, Stars zum Anfassen – so sollte das Image einer "Sportstadt" aussehen. In Dormagen ist das immer seltener der Fall. Foto: Hans Jazyk

600 000 Euro, sagt Zenk, sollen die Gesamtkosten betragen. Weil der ACÜ "oder ein anderer privater Träger" zehn Prozent übernehmen würde, blieben für die Stadt, hat Steinmetz ausgerechnet, 60 000 Euro übrig, "die man auf mehrere Jahre verteilt in den Haushalt einstellen" könnte. Zahlen, die die Dormagener FDP bezweifelt: "Sie haben mehr mit Wunschdenken als mit der Realität zu tun", sagt Fraktionschefin Beate Brebeck.

Steinmetz leitet aus der Debatte – formal hat der Stadtrat das letzte Wort – eine politische Schlussfolgerung ab: "Wir müssen darüber nachdenken, ob der Kreis nicht wieder als Zuschussgeber bei überregional bedeutsamen Sportstätten auftritt." Das hatte er "in Abstimmung mit Städten und Gemeinden" vor Jahren aufgegeben. Ein Ansatz, mit dem sich Dieter Welsink anfreunden kann. Der CDU-Fraktionschef im Kreistag kann die Entscheidung seiner Dormagener Parteikollegen nicht nachvollziehen: "Damit gefährden wir unsere gesamte sportpolitische Zielsetzung."

Quelle: NGZ


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