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Lokalsport: Neuss kämpft gegen Doping

VON DAVID BEINEKE - zuletzt aktualisiert: 03.01.2008 - 21:30

Dr. Hans Geyer weiß, wovon er spricht, wenn er feststellt, dass Neuss als Etappenort der Deutschlandtour in Sachen Anti-Dopingkampf nicht die Welt verändern wird. „Aber die Stadt kann die Chance beim Schopf packen, als Erste die vorhandenen Ressourcen zu nutzen, die auch durch die jüngsten Doping-Skandalen geschaffen wurden.

Zu ähnlichen Bildern wie vor der Etappe von Singen nach Offenburg im Vorjahr könnte es kommen, wenn der Tross der Deutschland Tour im September in Neuss Station macht. Dann soll auch der Kampf gegen Doping ein wichtige Rolle spielen.  Foto: NGZ
Zu ähnlichen Bildern wie vor der Etappe von Singen nach Offenburg im Vorjahr könnte es kommen, wenn der Tross der Deutschland Tour im September in Neuss Station macht. Dann soll auch der Kampf gegen Doping ein wichtige Rolle spielen. Foto: NGZ

Das wäre ein Impuls, der auch der Glaubwürdigkeit des Radsports dient.“ Als Stellvertretender Leiter des Instituts für Biochemie an der Sporthochschule Köln, eines der weltweit führenden Laboratorien in Sachen Dopinganalytik, und als Geschäftsführer des Zentrums für präventive Dopingforschung (ZePräDo) war der Neusser bei den vorbereitenden Gesprächen dabei, in denen die Ideen für das so genannte „Neusser Modell“ entwickelt wurden.

Unter Leitung von Dr. Sascha Severin arbeitet das Amt für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit als flankierende Maßnahme zu den rein sportlichen Aspekten der Deutschland Tour an einem ganzheitlichen Anti-Dopingmodell, das neun Monate vor der Etappenankunft in Neuss am 4. September schon ziemlich konkrete Züge angenommen hat. Beteiligt an der Ausarbeitung ist auch der Sportjournalist und Dopingexperte Ralf Meutgens, der bis 1996 in Neuss lebte. „Es müssen aber noch einige Gespräche geführt werden“, erklärt Severin mit Blick auf die Nationale Anti Doping Agentur (NADA) und das neue Doping-Präventivzentrum in Heidelberg, die mit ins Boot geholt werden sollen.

Info

Diskussion über Doping 

Heftig mit der Dopingproblematik konfrontiert wurde die Stadt Neuss im vergangenen Jahr im Vorfeld der Tour de Neuss. Daraus resultierte Mitte Oktober der Diskussionsabend mit dem Thema „Doping im Amateur- und Freizeitsport“. Schon damals als Referenten mit von der Partie: Dr. Hans Geyer, Dr. Sascha Severin und Ralf Meutgens.

Auch mit den Veranstaltern der Deutschland Tour muss noch abgestimmt werden, welche dauerhaften Maßnahmen im Kampf gegen Doping für den gesamten Tour-Verlauf von Neuss ausgehen sollen. Das „Neusser Model“ sieht nämlich singuläre und permanente Aktionen vor. Singulär bedeutet auf Neuss beschränkt, permanent für die ganze Rundfahrt.

„Ich könnte mir vorstellen, dass wir dafür sorgen, dass die Tour ständig von Experten begleitet wird, dass immer ein Info-Mobil vor Ort ist und dass ein entsprechender Internetauftritt zur Verfügung steht“, erklärt Dr. Sascha Severin. Vorstellbar wäre sogar, dass während der Deutschland Tour Doping-Analyseverfahren angewendet werden, die noch bei keiner anderen Veranstaltung zum Einsatz gekommen sind, weil bei der Welt Anti Doping Agentur (WADA) noch langwierige Anerkennungsverfahren laufen.

„Die Dopingproben könnten eingefroren werden und noch mal überprüft werden, wenn die Verfahren anerkannt sind. Jedenfalls hätte die Deutschland Tour dann noch bessere Möglichkeiten als die Tour de France“, erklärt Dr. Hans Geyer, der auch schon eine Idee hat, wie Neuss zu einer Realisierung beitragen kann. Die Stadt könne sich um Sponsoren bemühen, die die Analyseverfahren ermöglichen. Geyer: „Das hätte sicher auch positive Effekte auf die anderen Etappenorte.“

Solche Effekte erhofft sich Dr. Sascha Severin natürlich auch von den Aktivitäten, die speziell in Neuss begleitend laufen sollen. So soll es Veranstaltungen geben, die mit Hilfe von sportwissenschaftlicher Begleitung und Experten aufklären und präventiv wirken sollen. Außerdem sind Schulungen von Nachwuchsathleten geplant, und das Thema leistungssteigernde Mittel soll in einen gesamtgesellschaftlichen Kontext gestellt werden.

Gerade der gesellschaftliche Aspekt liegt Severin, früher selbst Bahnrad-Nationalfahrer, besonders am Herzen. „Leistungsfördernde Mittel sind in vielen Bereichen des Alltags vorhanden“, erklärt Severin, „da bringt es nichts, eine Sportart kaputt zu machen. Ich sehe die Chance, den Radsport als Medium zur Kommunikation in andere Sportarten und die Gesellschaft zu nutzen.“

Quelle: NGZ


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