Vor zwei Jahren war’s, am bitterkalten Vorabend des 24. Dezember in der Sporthalle am Viadukt in Bietigheim. Die Handballer des TSV Bayer Dormagen, als haushoher Favorit angereist, lagen zur Pause mit 12:19 gegen die gastgebende SG Bietigheim-Metterzimmern im Hintertreffen, als ihr Trainer zum allerletzten Hilfsmittel griff: „Ich habe den Jungs gedroht: Wenn Ihr verliert, gibt’s an Weihnachten Training.“ Die Dormagener gewannen die Partie schließlich noch mit 28:26 . . .
Jetzt hofft Kai Wandschneider, dass er nicht wieder Zuflucht zu solcher Drohgebärde nehmen muss, wenn seine Schützlinge am Samstag (22. Dezember, 20 Uhr) erneut in der Sporthalle am Viadukt auflaufen. Und das nicht nur, „weil sich solche Sachen nicht beliebig wiederholen lassen“, wie der gewiefte Psychologie-Kenner weiß. Sondern auch, weil seine Spieler über Weihnachten ohnehin trainieren müssen . . .
Der Spielplan meint es nicht gut mit den Erst- und Zweitliga-Handballern in diesem Jahr. Weil mit den Europameisterschaften im Januar und den Olympischen Spielen im August gleich zwei Großereignisse für 2008 im Kalender stehen, sind die Weihnachtsfeiertage gestrichen. „Es gibt Schöneres als diese Konstellation“, sagt Khalid Khan, Neu-Trainer des Zweitligisten TV Korschenbroich. Der erwartet am Freitag (21. Dezember, 20 Uhr) mit der HSG Gensungen/Felsberg und am zweiten Weihnachtstag (26. Dezember, 18 Uhr) mit der TSG Münster zwei direkten Abstiegskonkurrenten in der heimischen Waldsporthalle. „Wir haben ja noch Glück, dass wir zwei Heimspiele haben“, meint Khan mit Blick auf den Nachbarn aus Dormagen, der auch am Zweiten Weihnachtstag auswärts, beim TV Hüttenberg (Anwurf um 17 Uhr), antreten muss.
Beide Trainer sind sich einig: „Zwei englische Wochen im Februar oder März wären mir lieber gewesen.“ Stattdessen müssen ihre Akteure am 29. (TV Korschenbroich beim Bergischen HC) und 30. Dezember (TSV Dormagen gegen SG Wallau-Massenheim) noch einmal ’ran, ehe es in die viereinhalbwöchige EM-Pause bis zum 2./3. Februar geht. Weil „wir daran aber nichts ändern können“, sagt Wandschneider, haben sie aus der Not eine Tugend gemacht und einen ausgeklügelten Trainingsplan ausgetüftelt. Der sieht beim TV Korschenbroich so aus: 21. Dezember Spiel, 22. Dezember Vormittags Training, 23. und 24. Dezember frei, 25. Dezember Nachmittags Training, 26. Dezember Vormittags Training, Abends Spiel, 27. und 28. Dezember Training, 29. Dezember Spiel. „Dabei“, gibt Khalid Khan zu bedenken, „sind das alles keine Vollprofis.“ Dass unter der Feiertagsstimmung Konzentration und vielleicht die nötige Aggressivität leiden könnten, befürchten Khan und Wandschneider nicht: „Die Voraussetzungen sind ja für alle Mannschaften die gleichen.“
Viel Weihnachtsstimmung wird auch bei den Ringern nicht aufkommen: Für sie steht am Samstag (22. Dezember) der letzte Kampf der Normalrunde im Kalender, eine Woche später (29.) starten sie in die Play-offs. „Für die, die Gewicht machen müssen, wird das natürlich hart“, weiß Hermann J. Kahlenberg, Präsident des Bundesligisten KSK Neuss, der froh ist, dass das Trainingszentrum auch über die Feiertage zur Verfügung steht.
Andere, wie Hockey- und Eishockeyspieler, dürfen zumindest über die Festtage entspannen: Ihnen beschert der Terminplan die letzten Punktspiele im alten Jahr am kommenden Wochenende - dann geht es für sie erst 2008 weiter. Doch auch hier gehen die Spielplangestalter bis an die Grenzen: Die Hockey-Bundesliga legt noch mal ein Doppel-Wochenende mit etlichen Spielen am Tag vor Heiligabend ein. Und der Neusser EV bittet seine - zuletzt nicht gerade zahlreichen - Fans am 23. Dezember um 20 Uhr in die Eissporthalle. Nur die, die mit ihrem sportlichen Tun Millionen verdienen, dürfen sich so richtig auf Weihnachten freuen: Die Fußball-Bundesliga befindet sich bereits seit Sonntag in der Winterpause.
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