Im Auftaktspiel der Handball-Bundesliga gegen die HSG Wetzlar muss der TSV Dormagen am Freitag Abend auf seine beiden besten Feldspieler Christoph Schindler und Florian Wisotzki verzichten.
Als sich der TSV Dormagen und die HSG Wetzlar zuletzt um Punkte gegenüberstanden, war viel Platz auf den Ersatzbänken: Die Gäste konnten nur acht, die Hausherren zehn halbwegs gesunde Feldspieler aufbieten. Das war nicht weiter schlimm – am 22. Mai stand längst fest, dass beide Kontrahenten ihr Saisonziel Klassenerhalt erfolgreich abhaken durften.
Heute, zur neuen Anwurfzeit um 19.45 Uhr, sieht das im TSV-Sportcenter ganz anders aus. Die Gäste treten bis auf ihren langzeitverletzten Rechtsaußen Avishay Smoler in kompletter, gegenüber der vergangenen Saison um Linkshänder Daniel Valo (Melsungen) verstärkten Formation an. Die Hausherren hingegen müssen auf ihre auffälligsten Akteure der vergangenen Spielzeit verzichten: Christoph Schindler (124) und Florian Wisotzki (92) waren zusammen für 216 Treffer, mithin mehr als ein Viertel der 736 Feldtore, gut. Und nicht nur das: Beide standen auch in der Deckung ihren Mann. Doch Schindler hat wegen anhaltender Schulterbeschwerden seit drei Wochen keinen Ball mehr Richtung Tor geworfen, Wisotzki kann nach überstandener Knieoperation überhaupt noch nicht trainieren. Der weitere Unterschied zum Mai: Eine Heimniederlage gegen einen vermeintlich direkten Konkurrenten würde die Dormagener gleich zu Beginn des Abstiegskampfs an ihrer empfindlichsten Stelle treffen – denn punkten müssen, besser gesagt können sie in erster Linie nur zu Hause.
Michael Roth
Erstmals seit fünf Monaten sitzt Wetzlars Trainer Michael Roth heute Abend wieder bei einem Pflichtspiel auf der Bank. Am 16. April, damals noch in Diensten des TV Großwallstadt, erfuhr der Ex-Nationalspieler, dass er ebenso wie sein Zwillingsbruder Uli – Manager der Popgruppe Pur – an Prostatakrebs erkrankt ist. Beide ließen sich operieren, und beiden "geht es gut", wie Michael Roth der dpa erklärte.
Glück im Unglück: Nils Meyer hat trotz Muskelfaserriss in der Wade das Training wieder aufgenommen. Doch auch mit dem Routinier auf der Regieposition werden es heute Abend wohl die Youngster richten müssen. Denn dem neuen Mann im Rückraum, gekauft, um Schindler und vor allem den verletzungs- und krankheitsanfälligen Wisotzki zu entlasten, traut Kai Wandschneider nicht so recht über den Weg: "Spyros Balomenos gibt uns Rätsel auf", sagt der Trainer über den aus Balingen gekommenen, 120-fachen griechischen Nationalspieler, der mit seinem Gardemaß von 195 Zentimetern und 90 Kilogramm eigentlich die klassischen Dormagener Defizite in Sachen körperliche Präsenz beheben sollte. In der Deckung gelingt dem 30-Jährigen das durchaus zufriedenstellend. Doch in der Vorwärtsbewegung hat zumindest sein Trainer "technische Defizite" bei dem Zopfträger ausgemacht, die angesichts seinen Lebenslauf – mehrere Jahre erste schwedische Liga, zwei Jahre Bundesliga in Melsungen, eines in Balingen – überraschen. Außerdem, findet Wandschneider, hat Balomenos "unsere Spielweise noch nicht verinnerlicht."
Kurzum: Wären Wisotzki und Schindler fit, säße der Grieche heute wohl auf der Tribüne. So aber darf er spielen – und hat die Chance, seinen Trainer davon zu überzeugen, dass er dort nicht hingehört. Die Alternative wäre, den früheren Balinger nur in der Defensive einzusetzen. Doch weil dort schon Maciej Dmytruszynski seinen Mann steht, der nach seiner Kreuzbandoperation im Januar noch nicht wieder angriffstauglich ist, würde das zwei Positionswechsel bedeuten – und die "zweite Welle" nach vorne zum Erliegen bringen. Die Krux: Kentin Mahé, der trotz seiner Jugend in der Offensive durchaus die Qualitäten mitbringt, Wisotzki zu ersetzen, ist für den Part in der Abwehr (noch) zu schmächtig gebaut.
Es "riecht" also nach einem Fehlstart. Eine Sorge, die auch Wandschneider umtreibt: "Ich habe Angst, dass die Jungs den Kopf hängen lassen, wenn sie mal zurück liegen." Angst, die durch die Unterstützung der Fans – 1900 Karten waren bis gestern verkauft – genommen werden soll. "Die Jungs sind heiß und körperlich top fit. Die wollen alle", sagt Wandschneider.
Das wollen die Wetzlarer auch: "Wir sind heiß auf Dormagen, schließlich ist es eine Mannschaft auf Augenhöhe", sagt Nationalspieler Sven-Sören Christophersen, im Mai bei der 32:34-Niederlage nur Zuschauer, "wir wollen beim TSV unbedingt gewinnen, um mit einem Ausrufezeichen in die Saison zu starten."
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