Beim HSV Hamburg kassierte der TSV Dormagen in der vergangenen Spielzeit mit 17:33 seine höchste Saisonniederlage. Eine Wiederholung will der Handball-Bundesligist im Nachholspiel heute Abend unbedingt vermeiden.
An Karnevalsamstag hat Kai Wandschneider keine guten Erinnerungen. Nicht, dass der Wahl-Kölner da rund um seine Wohnung in Ehrenfeld irgendwo versackt wäre – schließlich trinkt der Handball-Lehrer während der Saison gar keinen Alkohol. Doch während der Rheinländer an sich feierte, kassierte der TSV Dormagen mit dem 17:33 beim HSV Hamburg seine höchste Niederlage der vergangenen Saison.
Für Wandschneider, seit Januar 2001 auf der Bank des TSV, war es sogar die höchste Niederlage seiner Trainerlaufbahn in Dormagen. Dem Nachholspiel heute Abend – Anwurf um 20 Uhr durch die Unparteiischen Pawel Fratczak und Paulo Ribeiro (Kamp-Lintfort/Diepholz) – in der Color-Line-Arena blickt der 50-Jährige deshalb mit durchaus unterschiedlichen Erwartungen entgegen. "Auf der einen Seite", sagt Wandschneider, "freue ich mich auf die Partie in einer der schönsten Hallen gegen einen der besten Klubs in Europa."
Mann der Woche
Wenn das mal keine Auszeichnung ist: Nach seiner starken Leistung in Minden kürte das Fachblatt "Handballwoche" TSV-Torhüter Vitali Feshchanka zum "Mann der Woche": "Wer so viel Ruhe in diesen schwierigen Zeiten ausstrahlt, der hat eine Nominierung zum Mann der Woche verdient", heißt es in der Begründung über den 35-Jährigen, dessen "Aktiv-Puls setlen über 100 Schläge pro Minute" geht.
Auf der anderen Seite fürchtet er sich vor einem Déjà-vu-Erlebnis: "Eine deftige Niederlage wäre nicht nur schlecht für die Moral, sondern auch fürs Torverhältnis. Und das kann am Ende im Abstiegskampf entscheidend sein." Und was die Tordifferenz angeht (-43) steht nur der TSV Hannover-Burgdorf (-47) schlechter da als die Dormagener, doch der Aufsteiger hat schon ein Spiel mehr absolviert.
Freilich stand die Partie im Februar unter ganz besonderen Vorzeichen, und das nicht nur wegen des Karnevals: Die Hamburger hatten das Hinspiel überraschend mit 27:28 verloren und sich danach von allen Titelträumen verabschiedet. Entsprechend "heiß" waren sie im Rückspiel, kannten bis zur letzten Minute keine Gnade mit den Gästen. "Jetzt werden die natürlich auch gewinnen wollen, aber angesichts ihres stressigen Programms vielleicht nicht ganz so gnadenlos zur Sache gehen", hofft Wandschneider. Schließlich mussten die Hamburger noch am Sonntagnachmittag in der Champions League beim spanischen Titelverteidiger Ciudad Real antreten. Trotz der 28:30-Niederlage (Halbzeit 12:14) überzeugte der HSV, der nach 26 Minuten noch 12:9 geführt hatte. "Wir haben eine sehr, sehr gute Leistung gezeigt. Es gibt keinen Grund, den Kopf hängen zu lassen", zeigte sich selbst der sonst so kritische Vereinschef und Mäzen Andreas Rudolph zufrieden. Und Trainer Martin Schwalb bilanzierte: "So macht Handball Spaß."
Wandschneider, der das Spiel im Fernsehen verfolgte, sieht's ähnlich: "Das war schon eine Klassevorstellung." Er sieht den HSV "nicht stärker, aber ganz bestimmt auf Augenhöhe" mit dem THW Kiel, hält den heutigen Gegner vor allem aufgrund seiner flexiblen Deckungssysteme – "die spielen nicht nur stur 6:0, die decken auch 3-2-1 oder sogar 3:3" – für "variabler" als den allein noch ungeschlagenen Tabellenführer von der Kieler Förde. Eins steht für ihn fest: "Beide sind Extraklasse und dem Rest der Liga überlegen. Für uns wird das eine Reise in eine andere Handball-Welt." Die der TSV bereits gestern in Bestbesetzung antrat. Schwalb muss weiterhin auf Bertrand Gille (Achillessehnen-Teilabriss) und Oleg Velyky (Krebs-Nachbehandlung) verzichten. "Wir freuen uns, nach drei Auswärtsspielen in Folge wieder vor den eigenen Fans 'ran zu dürfen. Dementsprechend werden wir von Beginn an zeigen, wer Herr im Haus ist", kündigt der HSV-Trainer an. Nicht nur deswegen hoffen die Hanseaten auf eine gut gefüllte Halle: Vom Eintrittspreis jeder Einzelkarte geht ein Euro an die Deutsche Krebshilfe.
Info Live-Ticker zum Spiel unter www.hsvhandball.com
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