Punkt 23 Uhr am Freitag Abend war es perfekt: das erste Unentschieden in der Tennisgeschichte des TC Blau-Weiss Neuss. „Wir haben damit das Rennen um die Deutsche Meisterschaft wieder offen gemacht“, freute sich Team-Manager Marc Raffel nach dem 3:3 beim weiterhin ungeschlagenen Tabellenführer Blau-Weiss Halle.
Der hat nun vor den abschließenden beiden Spielen am Sonntag in Aachen und am 20. August gegen den 1. FC Nürnberg 12:2 Punkte und damit zwei Zähler Vorsprung vor dem Düsseldorfer Rochusclub, der noch gegen Krefeld und in Erfurt antreten muss. Mit 9:5 Punkten besitzt auch Neuss noch eine theoretische Titelchance, muss dafür am Sonntag in Erfurt und zum Finale gegen Aachen gewinnen und auf zwei Niederlagen von Halle hoffen.
Wettermäßig war der siebte Spieltag nicht gerade vom Glück verfolgt. Sowohl in Aachen, wo der deutsche Vizemeister den Aufsteiger Erfurter TC Rot-Weiß empfing, als auch in Halle unterbrachen immer wieder heftige Regenschauer die Ballwechsel. Erst spät wechselten die Teams an beiden Schauplätzen in die Halle, so dass beide Partien erst nach 21.30 Uhr in die Doppel gingen.
Während Kurhaus Lambertz Aachen nach den Einzeln sogar überraschend 1:3 zurück lag und sich somit am Ende sensationell mit 1:5 gegen den ersten Bundesligisten aus den neuen Bundesländern geschlagen geben musste, rettete Tobias Summerer dem TC Blau-Weiss Neuss den 2:2-Zwischenstand.
„Es war ein typisches Summerer-Spiel“, meinte Team-Manager Marc Raffel angesichts des Verlaufs. Denn den ersten Satz hatte der Neusser mit 5:7 gegen den Österreicher Werner Eschauer verloren, erkämpfte sich dann aber mit einem 6:4 im zweiten den Championchip-Tiebreak. „Und in dem hat er nicht nur klasse gekämpft, sondern auch hervorragend gespielt“, lobte Raffel den Einsatz des 23-Jährigen, der schließlich mit 10:7 triumphierte.
Für den ersten Neusser Punkt hatte vor 1400 Zuschauern Edgardo Massa gesorgt. Am Vortag erst aus seiner argentinischen Heimat zurückgekehrt, bezwang er Jiri Novak mit 6:3, 2:6 und 11:9. „Ich habe ja immer gesagt, dass Edgardo in der Bundesliga jeden schlagen kann“, meinte BW-Trainer Jochen Hierl. „Erstaunlich“, fand Raffel das Resultat, „schließlich hat Massa kaum Erfahrung in der Halle.“
Und schließlich stand Jiri Novak zu Beginn der Bundesliga-Saison noch auf Position 49 der Weltrangliste. Mittlerweile ist der Tscheche zwar auf Platz 159 abgerutscht, rangiert damit aber immer noch 127 Plätze vor dem Neusser. „Edgardo hat super gefightet, er ist enorm wichtig für die Mannschaft“, lobt Raffel seinen immer wieder durch Verletzungen zurückgeworfenen Spitzenspieler. Schade, dass Massa am vergangenen Sonntag bei der 1:5-Schlappe gegen Reutlingen nicht zur Verfügung stand, sonst hätten die Neusser immer noch eine Titelchance.
Die anderen beiden Einzel gingen in jeweils zwei umkämpften Sätzen an die Gastgeber: Daviscup-Doppelspezialist Alexander Waske, auf der aktuellen Weltrangliste auf Platz 100 geführt, schlug den 166 Plätze schlechter eingestuften Dieter Kindlmann erwartungsgemäß mit 6:4, 7:6. Christopher Kas bezwang Philipp Petzschner, mit dem zusammen er jahrelang ein Doppel gebildet und in der vergangenen Saison noch gemeinsam beim TC Piding gespielt hatte, mit 7:6, 6:2.
Damit hieß es 2:2 nach den Einzeln. Im ersten Doppel waren die Neusser dann chancenlos: Dieter Kindlmann und Edgardo Massa gaben den ersten Satz gegen Jiri Novak und Alexander Waske mit 0:6 ab, steigerten sich dann zwar im zweiten Durchgang, mussten den Hausherren aber mit 4:6 den dritten Punkt gestatten.
In der zweiten Partie zeigte dann erneut Philipp Petzschner seine Doppelstärke: An der Seite von Tobias Summerer gewann er den ersten Satz gegen Jean-Francois Bachelot und Daniel Kas mit 6:4. Den zweiten Satz entschieden sie dann mit 6:3 für sich und schrieben so ein Stück Neusser Tennisgeschichte.
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