Ohne den zweitbesten Feldtorschützen der Bundesliga muss der TSV Dormagen die restlichen Spiele im Kampf um den Klassenerhalt bestreiten: Christoph Schindler teilte dem Klub sechs Stunden vor Ende der Wechselfrist mit, dass er mit sofortiger Wirkung nach Gummersbach geht.
Dormagen Am Freitagabend, beim Dormagener 28:23-Sieg über den TuS N-Lübbecke, warf Christoph Schindler vier Tore. Heute Abend trifft er schon wieder auf die Ostwestfalen - allerdings im Trikot des VfL Gummersbach. Denn am Montag, genau sechs Stunden vor Ablauf der Wechselfrist in der Handball-Bundesliga, teilte der 26 Jahre alte Rückraumspieler dem TSV Dormagen mit, dass er mit sofortiger Wirkung zum Tabellensechsten aus dem Oberbergischen wechselt.
Und hinterließ damit Schockstarre und Ratlosigkeit nicht nur bei den Dormagener Handballern. "Schade, dass so ein guter Spieler und Mitarbeiter weggeht – schade für die RheinLand-Versicherungen und schade für den TSV Dormagen", sagt Christoph Buchbender, Vorstandsmitglied der RheinLand-Versicherungen, bei denen Schindler eine Ausbildung zum Versicherungskaufmann absolvierte.
Das Arbeitsverhältnis endete gestern: "Er hat mir gesagt, dass er seine Ausbildung in Gummersbach fortsetzen will", sagt Buchbender, der für die sportlichen Beweggründe seines Angestellten Verständnis aufbringt: "Ihn reizt, dass er dauerhaft in der Ersten Liga und im Europapokal spielen kann."
Den TSV Dormagen hätte der mit 109 Treffern zweitbeste Feldtorschütze der Liga zum Klassenerhalt führen sollen. Dieses Unterfangen dürfte ohne ihn kaum zu bewältigen sein: "Wir haben jetzt überhaupt nichts mehr zu verlieren", sagt Kai Wandschneider. Einen Plan, wie es ohne Schindler weitergehen soll, hat der Trainer noch nicht. "In den nächsten beiden Spielen können wir einiges ausprobieren, da haben wir eh keine Chance", sagt Wandschneider mit Blick auf die Partie heute (20.15 Uhr) beim Deutschen Meister THW Kiel und eine Woche später (24., 20.15 Uhr) gegen Tabellenführer HSV Hamburg. Personell nachlegen kann der TSV nicht, da seit Montag 24 Uhr die Wechselbörse geschlossen ist. So werden sich Spyros Balomenos in der Abwehr sowie Nils Meyer und Florian Wisotzki im Angriff die Aufgaben von Christoph Schindler im linken Rückraum und in der Mitte teilen müssen.
Wie sich das Ganze auf die Motivation seiner Spieler heute Abend in der Ostseehalle auswirkt, weiß Wandschneider nicht: "Das trifft sie bis ins Mark. Das sind Menschen, keine Maschinen. Aber wir haben schon so viel weggesteckt, vielleicht gelingt es uns auch diesmal."
Besonders dumm: Schindler geht zu einem Zeitpunkt, an dem "der Etat für die Erste Liga gesichert ist", sagt Heinz Lieven, Geschäftsführer des TSV-Rechtsnachfolgers Dormagener HC Rheinland. Er hofft auf eine "Trotzreaktion" der verbliebenen Spieler. Der Unterstützung ihres Trikotsponsors RheinLand ("Credit Life") können sich die Dormagener trotz Schindlers Abgang sicher sein: "Das ändert nichts an unserem Engagement, denn das ist nicht personenorientiert", sagt Buchbender, "uns ist zwar eine Gallionsfigur abhanden gekommen,. Aber jetzt müssen wir uns bemühen, eine andere zu finden."
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