Weil bis Donnerstag nur für vier Rennen überhaupt Pferde gemeldet waren, sagte der Galopper-Dachverband am Donnerstag den Neusser Silvesterrenntag ab. Die traditionelle Ehrung der Champions wird nun bereits am Sonntag auf der Bahn in Dortmund-Wambel vorgenommen.
Zu diesem Artikel erscheint in der NGZ vom Freitag ein Zur Sache: Tödliches Signal.
Zum ersten Mal seit der Blitzeis-Absage aus dem Jahre 1995 wird es am Montag keinen Silvester-Renntag auf der Neusser Galopprennbahn geben. Diesmal sind es aber nicht die Wetterverhältnisse, sondern zu wenige Pferde, die am Donnerstag Morgen offiziell zur Absage des Traditionstermins mit der Championatsehrung als Dessert des Programms führten.
Die endgültige Entscheidung traf letztlich der Dachverband in Köln. Die nackten Fakten sprachen allzu deutlich gegen Neuss: Es waren nur Pferde für vier Rennen angegeben, in Dortmund immerhin für sechs Rennen.
Und so wird nun die Championatsehrung mit einem Programm von insgesamt mühevoll zusammengestellten sieben Rennen am Sonntag ab 13.30 Uhr in Dortmund-Wambel über die Bühne gehen, in Neuss finden am 31.Dezember 2007 keine Pferderennen statt.
Erste Anzeichen dafür waren schon am Ende des Weihnachtsrenntages in Neuss erkennbar, als sich der bei der Besitzervereinigung dafür zuständige Berater Andreas Tiedtke aus Münster nicht nur in Neuss aufhielt, um den Start seiner Stute Kypria zu verfolgen, die knapp geschlagen Zweite wurde.
Tiedtke sondierte auch die allgemeine Lage und die war für Neuss nicht sonderlich prickelnd. Die nasskalte Witterung und vereiste Straßen im Vorfeld sorgten für einen überschaubaren Besuch, der Wettumsatz von 102 068,90 Euro als Neusser Minusrekord brachte den Risikoträgern der Veranstaltung einen Verlust von mindestens 25 000 Euro ein.
Die finanzielle Verantwortung der Winterrennen tragen gemeinsam die Besitzervereinigung und die Betriebsgesellschaft der führenden Galopprennvereine mit dem in Urlaub weilenden Neusser Präsidenten Jan Antony Vogel an der Spitze.
Im Klartext: Die Renngewinne der großen und erfolgreichen Besitzer finanzieren diese Rennen und die dafür infrage kommende Zielgruppe der kleinen und eher finanzschwachen Trainer und Besitzer nimmt sie nicht an. Eine ganz besondere Variante des Sägens von Ästen, auf denen man selbst sitzt.
Entsprechend kommentierte Tiedtke die Absage in Neuss und das Votum für Dortmund auch: „Bei mir ist blankes Entsetzen entstanden über das Nennungsverhalten der Trainer und Besitzer. Wir bieten ihnen Verdienstmöglichkeiten in jeder Form und sie werden nicht angenommen.“
Tatsächlich hat sich der Westfale Tiedtke in der jüngeren Vergangenheit in Dortmund stark engagiert und die Bahn dort hat sehr wohl aufgeholt in der Gunst der Trainer und Besitzer. Vor allem die Ost-Trainer scheuen die Fahrten nach Neuss, und so mussten Manager Bernd Koenemann und das enttäuschte Neusser Team am Donnerstag die Kröte der Absage schlucken.
Koenemann: „Ich bedaure, dass hier ein falsches Zeichen gesetzt worden ist vor dem Hintergrund der vorgesehenen, tiefgreifenden Strukturreform des deutschen Galopprennsports.“
Die Ursachen für die Absage sind vielschichtig. Die Zahl der Startpferde sinkt ständig, die Rennpreise sind gering, der Komfort für die Besucher in Neuss mit bescheiden noch harmlos beschrieben (in Dortmund wird auf diesem Sektor deutlich mehr geboten) und schon bei der Terminplanung mit Rennen am 23.Dezember in Dortmund, 26. Dezember in Neuss, am 30. Dezember in Dortmund und am 31. Dezember in Neuss waren die Probleme programmiert.
Auch der Neusser Buchmacher Michael Sieberts reagierte entsetzt auf die Absage: „Ich zahle schließlich keine kleinen Beträge, damit in Neuss auch Rennen stattfinden. Solche Absagen richten in Neuss nur Schaden an.“
Für den 31.Dezember 2008 sollten die Neusser auf jeden Fall schon jetzt anders planen, denn angeblich sollen an diesem Tag Galopprennen in Bremen stattfinden. Die Strukturreform macht es möglich.
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