Interview Kai Wandschneider
Die Mannschaft des TSV Dormagen war gestern am späten Nachmittag gerade im Maritim-Hotel in Kiel angekommen, als die NGZ Trainer Kai Wandschneider am Telefon erreichte. Die gute Nachricht: Die 507 Kilometer lange Anreise war problemlos verlaufen. Die schlechte Nachricht hatten der Handball-Lehrer und seine Spieler am Abend zuvor zu Beginn des Trainings erfahren. Die NGZ sprach mit Kai Wandschneider über die Folgen, die der Weggang von Christoph Schindler für den Handball-Bundesligisten hat.
Herr Wandschneider, wie ist die Stimmung nach sieben Stunden Busfahrt, der ersten seit mehr als drei Jahren ohne Christoph Schindler?
Kai Wandschneider Wir sind seit Montagabend alle wie vor den Kopf geschlagen. Das, was hier im letzten halben Jahr über uns hereingebrochen ist, hat für mich absolut surrealistische Züge. Und ausgerechnet jetzt, wo wir gedacht haben, wir sind einigermaßen über den Berg, kommt der nächste Nackenschlag.
Ist der noch wegzustecken?
Wandschneider Ich bin ein Kämpfertyp und werde jetzt ganz bestimmt nicht aufgeben. Aber wird dürfen eins nicht vergessen: Nach Kjell Landsberg haben wir den zweiten Stammspieler verloren, noch dazu einen unersetzbaren. Christoph Schindler war unser mit Abstand bester Torschütze und stand auch in der Abwehr sehr gut. Wer diesen Part jetzt ausfüllen soll, weiß ich nicht, zumal er uns mit seinem kurzfristigen Entschluss ja auch keine Chance gelassen hat, noch auf dem Spielermarkt zu reagieren.
Bedeutet das, der TSV ist jetzt chancenlos im Kampf um den Klassenerhalt?
Wandschneider Realistisch betrachtet muss man das so sehen. Aber vielleicht liegt genau darin unsere Chance – wir sind doch jetzt endgültig vogelfrei, der Druck, den wir uns durch unsere jüngsten Erfolge selbst gemacht haben, ist doch jetzt weg. So langsam muss man sich aber auch fragen, ob man überhaupt noch in einer Liga spielen will, in der solche Dinge möglich sind. Das Verhalten von Christoph enttäuscht mich zwar, weil ich selbst auch sehr viel in ihn investiert habe, seit er vor dreieinhalb Jahren als ein Spieler zu uns kam, der es nicht geschafft hat, in der Ersten Liga Fuß zu fassen. Aber seine sportlichen Beweggründe kann ich noch irgendwie nachvollziehen. Was mich hingegen maßlos aufregt, ist das Verhalten des VfL Gummersbach. Das ist skrupellos,.
Welche Auswirkungen hat das Ganze auf das Spiel heute in Kiel?
Wandschneider Schwer zu sagen. Die Spieler trifft so was bis ins Mark, das sind Menschen, keine Maschinen.
Die neuesten Nachrichten und Berichte aus Politik, Wirtschaft, Panorama, Sport, Kultur, Gesellschaft, Wissenschaft, Multimedia, Auto,
Reise und Beruf - im Archiv auch gratis recherchierbar. Dazu die besten Bilder, Live-Ticker, Kolumnen und Hintergrundberichte.