Die Handballerinnen des Neusser HV kriegen in der Regionalliga partout nicht die Kurve, stecken nach der frustrierenden 20:26-Heimniederlage (Halbzeit 12:11) gegen die VT Kempen weiter in bedrückender Abstiegsnot. Und eines machte der Sonntagabend erneut schmerzlich klar: In dieser personellen Besetzung dürfte der Klassenerhalt kaum zu schaffen sein.
Dass die Gastgeberinnen bis zur 45. Minute ihre Hände am so immens wichtigen Sieg hatten, war überhaupt nur ihrer aufopferungsvollen Abwehrarbeit zu verdanken. Wenngleich der alleine schon jobbedingt der Sparte der Berufsoptimisten angehörende NHV-Trainer Jörg Hermes vor der Pause eine „ganz starke Leistung“ seiner Truppe gesehen hatte, „es gab wenig auszusetzen“, offenbarten die Neusserinnen schon da große Defizite im Angriff.
Genau die Hälfte der zwölf Tore gingen aufs Konto von Barbara Ritzenhoff (6/2). Mit vier Toren sorgte sie aus dem Rückraum zu Beginn fast im Alleingang für einen 5:3-Vorsprung (7.). Und die 29-Jährige war auch zur Stelle, als der NHV gegen Ende der ersten Hälfte auf die Erfolgsspur zurückzukehren schien. Sie traf zum 9:11 (25.) - zuvor war Neuss seit Alexandra Wehlings 8:7 (14.) fast neun Minuten (!) ohne Torerfolg geblieben -, glich nach Eva Günthers 10:11 (27.) nach einem von ihr vergebenen Strafwurf im Nachsetzen zum 11:11 (28.) aus und bediente dann auch noch Melanie Rückert, die mit der den ersten Spielabschnitt beendenden Sirene das 12:11 markierte.
Knackpunkt der Partie war die bereits erwähnte 45. Minute. Da knickte Sandra Höfig (4), die neben Ritzenhoff einzige Waffe aus dem Rückraum, bei ihrem Treffer zum 18:18 derartig böse um, dass sie zur Erholung erstmal auf der Bank Platz nehmen musste. Ohne die 26-Jährige verlor Neuss entscheidend an Boden. Während Ritzenhoffs Fehlerquote unangenehm anstieg - weil Anna Hermens seit Monaten ausfällt und Sandra Möller nur eingeschränkt trainieren kann, gibt es aus der zweiten Reihe kaum Entlastung für sie -, zog die VT, die sich beim Torewerfen auf ihre Routiniers Silvia Verhaag und Katrin Stark sowie auf Kreisläuferin Britta Funken (alle 5) verlassen konnte, bis zur 51. Minute auf 22:18 davon. Danach kehrte Höfig zwar zurück und Ritzenhoff beendete mit dem 19:22 (56.) eine knapp zwölfminütige Torflaute des NHV, doch das Match war verloren.
Dass seine beste Torschützin in der Schlussphase jede Menge Fahrkarten schoss, hatte zwar auch Hermes registriert, focht ihn aber nicht an, „schließlich musste sie die vollen 60 Minuten auf der Platte stehen.“ Der Mut verließ ihn weiterhin nicht, „ich habe ja von Anfang an gesagt, dass es sehr schwer werden würde“.
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