Als Peter Wynhoff einige Minuten nach dem Abpfiff der Auswärtspartie beim 1. FC Viersen aus der Kabine kam, hatte er große Mühe, seine Unzufriedenheit zu verbergen. Der Trainer des Fußball-Verbandsligisten SC Kapellen war überhaupt nicht zufrieden mit dem, was seine Spieler in den vorausgegangenen 90 Minuten abgeliefert hatten. Verständlich, denn nach der Auftaktniederlage gegen Fortuna Düsseldorf II und dem 2:3 (Halbzeit 2:2) am Sonntag wartet seine Mannschaft weiter auf den ersten Saisonsieg.
Und fast noch schlimmer: Auch auf ein Zeichen, dass es spielerisch bergauf geht. Denn wie zum Saisonauftakt präsentierten sich die Erftstädter im Offensivspiel einfallslos, hinzu kamen eklatanten Fehler in der Defensive. Eine Mixtur, die Wynhoffs Erregung in der Aussage gipfeln ließ: „Das gucke ich mir nicht mehr an.
Da muss etwas passieren.“ Gar nicht auszudenken, was losgewesen wäre, wenn die Hausherren so weitergespielt hätten, wie in der ersten halben Stunde. Da degradierten sie die Kapellener nämlich mit Einsatzbereitschaft und schnellen Ballstaffetten zu Statisten.
Dabei spielte ihnen ein früher Schnitzer der Gäste in die Karten. Als es nämlich in der dritten Minute an der Mittellinie einen Freistoß gab, den Christoph Kempers in Richtung SCK-Strafraum schlug, verlängert Mathias Labusga den Ball unfreiwillig mit dem Kopf vor die Füße von Florian Meier. Der bedankte sich freistehend mit dem frühen 1:0 für sein Team. Danach gab es für Viersen kaum ein Halten mehr.
Sie störten Kapellen früh in der eigenen Hälfte, machten so einen Spielaufbau sehr schwer und erzwangen Ballverluste. Nach vorne ging es dann meist sehr schnell, mit nur wenigen Stationen. Da sah der SCK oft ganz schlecht aus: Besonders in der elften Minute, als Malte Orlikowksi per Doppelpass mit Martin Bannasch die linke Abwehrseite mit Sven Raddatz düpierte und anschließend eine scharfe Flanke vors SCK-Tor schlug. Dass dann der nicht gerade große gewachsene Florian Meier ungestört per Kopf zum 2:0 einnicken konnte, sprach nicht gerade für Kapellens Innenverteidigung.
Doch mit der sicheren Führung im Rücken, stellte der 1. FC plötzlich das Fußballspielen ein, ließ dem SCK mehr Räume. Der verstand aber zunächst nichts damit anzufangen, brauchte die Mithilfe von Boris Guzijan. Der Schiedsrichter entschied nämlich nach einem eher harmlosen Rempler von Björn Feldberg gegen Sven Schuchardt im Strafraum auf Elfmeter.
Dennis Zellmann verwandelte in der 40. Minute sicher zum 1:2 und weckte die Lebensgeister bei seinen Kameraden. Die brillierten zwar weiterhin nicht, zeigten aber wenigstens mehr Bemühen. Das führte kurz vor der Pause zu vier Ecken in Folge und einem Druck, dem Viersen nicht Standhalten konnte. Nach einer schönen Flanke von Thomas Hoersen erzielte Zellmann per Kopf den Ausgleich.
Der psychologische Vorteil lag also eigentlich auf Seiten der Gäste. Und zunächst sah es auch so aus, als hätten sie die Partie nach der Pause im Griff. Bis zur 53. Minute, als Michael Enache eine harmlose Flanke in der Strafraum schlug und Kapellens Matthew Williams und Gordon Weniger glaubten, dass der jeweils andere klärt.
Christoph Kempers spritzte dazwischen und köpfte zum 3:2 ein. Ein Schock, von dem sich der SCK nicht mehr erholte. Viersen spielte zwar auch nicht mehr groß auf, störte aber wieder früh und ließ keine Chancen mehr zu. SCK-Coach Peter Wynhoff: „Das war wirklich gar nichts mehr von uns.“
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