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Steguweit arbeitet nach Schlaganfall weiter als Galopp-Trainer: Stehaufmännchen im deutschen Turf

zuletzt aktualisiert: 20.02.2003 - 21:10

Das ewige Stehaufmännchen im deutschen Turf Hartmut Steguweit, einst der Trainer von Galopper-Größen wie Derbysieger Philipo und Gruppe I-Sieger A Magicman, hat eine schwere Zeit hinter sich. Vor etwas mehr als einem Jahr erlitt der 54-jährige, auf der Neusser Galopprennbahn tätige Trainer, einen Schlaganfall, hat seine Arbeit aber nie aufgegeben. Er macht das, was er in seinem Leben immer gemacht hat: kämpfen.

NGZ-Mitarbeiter Patrick Bücheler hat sich mit dem "ewigen Stehaufmännchen des deutschen Turfs" unterhalten, erreichte ihn in Windhagen in der Nähe von Bad Honnef.

Was verschlägt Sie nach Windhagen?

Steguweit: Hier wohnt mein Bruder, im Haus unserer Mutter. Es ist so etwas wie meine Zweitwohnung geworden. Meine Neusser Wohnung gebe ich nicht auf, aber hier stehe ich ein bisschen mehr unter Aufsicht. Das ist mir schon ganz recht so.

Wie ist denn die Situation im Moment?

Steguweit: Tendenz steigend. Nach dem Schlaganfall war ein Arm und ein Bein gelähmt, ein wenig spürt man die Auswirkungen natürlich schon noch. So etwas geht nicht von heute auf morgen und man sagt: Alles wieder beim alten. Man muss die Besserung aber auch wollen. Und Sie können sich vorstellen, dass ich die will. Ich habe in der Reha gelernt, mit der Krankheit umzugehen. Wenn man sieht, es geht immer ein wenig besser, dann ist das so schlecht ja nicht. Ich bin ja gerade in diesem Winter auch sehr oft auf den Rennbahnen gewesen. Da sieht man ja, dass es mir wieder ganz gut geht.

Der Schlaganfall ist vor 15 Monaten passiert?

Steguweit: Ja. Das kam alles sehr plötzlich, wie immer in solchen Fällen. Stress war bei mir wohl der letztliche Auslöser. In dieser Zeit ist meine Mutter gestorben, hinzu kam der Weggang von Besitzer Klaus Laakmann und von Hans-Jürgen Buldt vom Stall Directa. Ich war in dieser Zeit wohl ein wenig überfordert. Es passierte dann über Nacht. Als ich aufgewacht bin, gehorchten mir ein Arm und ein Bein nicht mehr, wie ich das wollte. Und mein Sohn hat dann am Telefon gemerkt, dass auch die Sprache etwas anders war. Er hat sofort meine Ex-Frau in München angerufen und die hat sofort den Notarzt hierhin geschickt. Ich alleine hätte wahrscheinlich noch etwas gewartet, aber es war sehr wichtig, dass ich direkt ins Krankenhaus gefahren wurde.

Wenn Sie das jetzt Revue passieren lassen: Behindert Sie die Krankheit im täglichen Ablauf?

Steguweit: Schon. Aber nicht vom Trainieren selber her gesehen. Ich merke es an den Dingen, die ich früher immer noch nebenbei gemacht habe. Ich kann mich jetzt nicht mal eben in den Sattel schwingen und den Reitern in der Arbeit vormachen, wie ich mir das vorstelle. Das habe ich früher immer so gemacht. Was ich von den Reitern verlangt habe, habe ich immer auch selbst gezeigt. Da hat immer die Erfahrung aus Röttgen geholfen. Was waren das nicht für tolle Pferde, die wir da früher im Training geritten sind. Ich kann die Erfahrung zwar auch heute weitergeben, aber eben nicht mehr direkt auf dem Pferd. Es ist auch wirtschaftlich natürlich anders als früher: Da konnte ich mal einen Mitarbeiter ersetzen, indem ich einfach mehr gemacht habe. Das geht jetzt auch nicht. Aber man weiß ja: Unkraut vergeht nicht, Kämpfen heisst die Devise.

Haben Sie irgendwann die Gefahr gesehen, nicht mehr weitermachen zu können?

Steguweit: Auch, da gab es schon diese Gedanken. Aber ich konnte mich auf meine Leute immer verlassen. Katja Gernreich hat das alles prima gemacht. Ich habe sie seinerzeit ja ausgebildet, sie war schon an meinem früheren Trainingsort in Loxten bei mir. Es gibt ja nicht so viele, denen man sein volles Vertrauen entgegenbringen würde. Ich glaube, wir haben die Zeit gut gemeistert.

Wie haben die Besitzer reagiert?

Steguweit: Sie haben alle voll hinter mir gestanden. Und geholfen, wo es ging, auch beim Satteln der Pferde auf der Rennbahn, als ein Beispiel. In der Zeit, in der ich krank war, ist nicht ein Einziger gegangen. Das ist schön, das baut einen auch wieder auf. Im Moment habe ich 23 Pferde, in dieser Größenordnung wird sich das auch einpendeln. Das ist eigentlich nichts zum Leben und nichts zum Sterben. Aber aufgeben darf man nicht, auch wenn das Material im Moment sicherlich nicht so gut ist, wie ich es mir wünschen würde. Dafür läuft es mit zwei Siegen schon in diesem Jahr aber recht gut, die Pferde laufen fast immer ins Geld.

Sie blicken mit dem Ihnen eigenen Stehaufmännchen-Denken in die Zukunft?

Steguweit: Ja, ich baue auf meine Kraft. Ich war früher ein solches Stehaufmännchen und ich werde das sicherlich bleiben. Es ist das ein oder andere Pferd im Stall, mit dem ich mir etwas ausrechne. Ich will zeigen: "Wenn er die richtigen Pferde hat, dann kann er es auch." Ich denke, Ingold und Rotteck sind bessere Pferde.

Rotteck?

Steguweit: Ja, das Pferd heisst wirklich so. Das ist mein Spitzname aus alten Zeiten, der Kollege Heinzi Ludewig hat mir den seinerzeit verpasst. Meine Ex-Frau hatte schon früh gesagt: "Wenn Rofania einen Hengst bringt, dann nennen wir den Rotteck." Ist doch eine lustige Sache. Es ist ein Law Society-Sohn, der ist jetzt drei, läuft für den Stall Dagobert. Ich hoffe auch, dass wir All Pride noch ein wenig weiter nach vorne bekommen. Aus den Pferden von Erhard Vogt haben wir ja, seit sie hier stehen, noch etwas herausgeholt.

Wissen Sie, was aus A Magicman, einem Ihrer besten Galopper, nach dem Verkauf geworden ist?

Steguweit: Leider Gottes weiß ich nicht mehr viel über ihn. Die letzte Info ist die, dass er Deckhengst in Japan ist. Ich bin schon ein wenig traurig, dass man da nie mehr viel gehört hat. Man musste den im Training ganz anders reiten als im Rennen. Das hat man wohl nicht mehr gemacht nach dem Verkauf, große Erfolge hat er ja leider nicht mehr erreicht. Im Training, das hörte ich mal, war er ein Star nach dem Verkauf, im Rennen hat er das nicht mehr umgesetzt.

Haben Sie den Wechsel von Loxten in Westfalen nach Neuss irgendwann einmal bereut?

Steguweit: Nein, an und für sich nicht. Ich habe ja beweisen können, dass ich mit der Sandbahn auch zurechtkomme. Wir können hier jeden Tag galoppieren, das ist schon prima. Das ist schon ein Vorteil gegenüber anderen Rennbahnen, vielleicht macht sich das vor allem am Anfang der Saison bemerkbar, in den Dreijährigen-Rennen zum Beispiel.

Quelle: NGZ


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