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Lokalsport: Tempobolzer mit Gefühl

VON DIRK SITTERLE - zuletzt aktualisiert: 02.12.2008 - 21:30

Rope Skipping ist am Sonntag in der Sporthalle Allerheiligen angesagt. Es geht um die Tickets für die Landesmeisterschaften in Oelde. Zum Seil greifen auch vier Mädels des gastgebenden SV 1930 Rosellen.

Info

Rope Skipping ist viel mehr als Seilchenspringen

Seilspringen ist bereits seit Jahrhunderten als Kinderspiel bekannt. Aber erst Ende des 20. Jahrhunderts entstand daraus in den USA die Wettkampfsportart Rope Skipping (rope - Seil; skipping - hüpfen, springen).

Nach Deutschland kam der Sport Anfang der 1980er Jahre im Zuge eines deutsch-amerikanischen Schüleraustauschs. Mittlerweile ist er über den Deutschen Turnerbund organisiert (www.ropeskipping-dtb.de).

Im Prinzip gibt es zwei Varianten: Beim „Speed“ sind in einer festen Zeit möglichst viele Sprünge zu schaffen. Beim „Freestyle“ sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Beide Disziplinen können sowohl im Einzel- als auch im Mannschaftswettbewerb gesprungen werden.

Rope Skipping? Nie gehört. Double Dutch? Langsam klingelt’s. Gab es da nicht dieses Lied von Malcolm McLaren Anfang der 1980er Jahre? Das mit dem irren Video, in dem die amerikanischen Mädels wahnsinnig gut Seilchen springen. Na klar! „Hey, watch your feet - to win the double dutch.“ Eine tolle Show.

Auch Irene Klaudat kennt den Clip genau. Doch nur Zuschauen mag sie schon lange nicht mehr. Bereits seit 2000, damals gerade zurückgekehrt von einem Workshop in Bielefeld, bietet sie beim SV Rosellen Rope-Skipping-Kurse an, ist sozusagen die Frau der ersten Stunde.

Und sie hat gut zu tun. 50 Mädchen im Alter von acht bis 17 Jahren, aufgeteilt in zwei Gruppen, springen und hüpfen inzwischen, was das Zeug hält. Dazu kommen noch 20 Knirpse an der St.- Peter-Grundschule in Rosellen.

Jungs spielen lieber Fußball

Kein Boom, aber immerhin. Irene Klaudat ist ganz zufrieden, eigentlich, wenn es da nicht dieses eine kleine Problem gäbe. Die Jungs zeigen dem Seil immer noch die kalte Schulter.

„Wir hatten mal einen in der Gruppe, aber der war schnell wieder weg“, sagt die Trainerin. „Sie trauen sich nicht. Fußball ist wohl angesagter.“ Verstehen kann sie die Zurückhaltung freilich nicht. „Denn wenn die Jungs dabei sind, sind sie super.“

Im Rhein-Kreis Neuss ist der SV Rosellen so etwas wie das Aushängeschild der Seilchengilde. „Seit 2007 nehmen wir an Wettkämpfen teil“, sagt Irene Klaudat, „als einziger Verein im Kreis“. Mittlerweile sind die besten ihrer Schützlinge so gut, dass für Anne Heiligers (Foto), Lara Wollny, Denise Pütz (alle 15 Jahre) und Jessica Peerenboom (14) die Qualifikation für die Landesmeisterschaften am 31. Januar im westfälischen Oelde ausgemachte Sache ist.

Am Sonntag, ab 10 Uhr, werden in der Sporthalle Allerheiligen die Tickets vergeben. Ein Wettkampf auf heimischem Terrain, was kann da noch schief gehen? Auf dem Programm steht in Rosellen allerdings nur das Einzelspringen (engl. „single rope“).

Dabei ist jeder Sportler mit einem Schnellseil („speed rope“), das im Gegensatz zu den traditionellen Hanfseilen aus Kunststoff gefertigt ist, bestückt. Damit sind außer den normalen, beidbeinigen Sprüngen, den „easy jumps“, und Mehrfachdurchschlägen eine Vielzahl von ganz unterschiedlichen Tricksprüngen möglich.

Eine weitere Variante ist das Rad („Wheel“), bei dem mehrere Springer eine Kette bilden. Dabei hält jeder Sportler zwei Seilgriffe, einen in der linken und einen in der rechten Hand, wodurch der Ketteneffekt entsteht. Dritte und wohl bekannteste Disziplin ist der doppelte Holländer („Double Dutch“).

Bei dem stehen sich zwei Seilschläger gegenüber, die zwei Seile in die entgegengesetzte Richtung wirbeln. Zwischen diesen beiden können ein oder mehrere Athleten springen - oder aber die Schläger selbst zeigen ihre Tricks. Die werden in Level von 0 bis 4 eingeteilt.

Etwas für Tempobolzer ist das „Speed-Roping“ - das bedeutet 30 Sekunden Vollgas. Richtig gute Skipper wie die amtierende Landesmeisterin Kira Hölscheid vom VSTV Wuppertal bringen es in dieser halben Minute auf satte 85 Sprünge.

Etwas langsamer, aber kaum weniger anstrengend ist die Disziplin Freistil. Während Aktiven und Zuschauern die Musik mit 130 bis 140 „Beats per Minute“ (Schläge pro Minute) um die Ohren haut - alles andere wäre kalter Kaffee -, gilt es für die Sportler, in einer mindestens 45, höchstens aber 75 Sekunden langen Kür, das gestrenge Kampfgericht von ihren einmaligen Qualitäten zu überzeugen.

„Dabei“, belehrt Irene Klaudat, „sollte möglichst kein Sprung doppelt sein“. Kein Wunder, dass die Mädels des SV Rosellen oft wochenlang an ihrem Vortrag feilen. Ehrensache, dass die Choreographie in Eigenregie entsteht.

Zwar schiebt die Wettkampfgruppe Extraschichten, doch gegenüber den Rivalen sind die SV-Mädchen trotzdem hoffnungslos im Rückstand. „Unsere Konkurrenten trainieren drei, vier Mal in der Woche, wir dagegen nur zwei Mal je eine Stunde“, klärt Irene Klaudat auf. Ein Nachteil, der durch besonderen Esprit und Kreativität ausgeglichen werden muss.

Der Einstieg fällt leicht

Das Gute am Rope Skipping ist, dass der Einstieg relativ leicht fällt. Schließlich ist fast jeder schon einmal mit Seilspringen in Berührung gekommen. „Es ist an jeder Schule fester Bestandteil des Sportunterrichts“, weiß Irene Klaudat.

Doch Sprünge wie der „Triple Under Cross“, bei dem das Seil drei Mal unter dem Springer, dessen Arme überkreuzt sind, hindurch geschlagen wird, sind allerdings nur etwas für absolute Könner.

In Rosellen wird daran verstärkt gearbeitet - und auch wenn die Gruppen längst aus allen Nähten platzen, sind Neueinsteiger immer willkommen. „Gerne auch Frauen über 20“, sagt Klaudat und ergänzt schmunzelnd: „Am liebsten wären uns natürlich Jungs …“

Übrigens: Erfunden haben soll das Rope Skipping angeblich der Footballprofi Richard Cendali, als er Mitte der 70er Jahre nach einem neuen Weg suchte, seine Kondition zu verbessern.

Info Wer Lust am Tanz mit dem Seil hat, kann donnerstags von 16 bis 17 Uhr einfach mal in der Turnhalle der St.-Peter-Grundschule in Rosellen vorbeischauen. Irene Klaudat ist unter der Rufnummer 0 21 37 / 7 02 56 zu erreichen.

Quelle: NGZ


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