Das Internet hat manches im Leben einfacher gemacht. Vor allem, Informationen über bisher gänzlich oder teilweise Unbekanntes abzurufen. Die Ungewissheit der Ringer-Bundesligisten vor dem nächsten Kampf konnte aber auch das „world wide web“ nicht beheben. Zwar verfügt (fast) jeder Klub mittlerweile über eine mehr oder weniger gut gestaltete Homepage, auf der fein säuberlich die Erfolge der jeweiligen Protagonisten aufgelistet sind.
Nur: Wer von ihnen tatsächlich auf die Matte geht, das erfährt der Gegner immer noch erst beim Ausfüllen des Kampfprotokolls vor dem Wiegen.
Zumindest dann, wenn der gegnerische Kader mehr als doppelt so viele Namen aufweist wie letztlich benötigt werden. Beim SC Anger, der sich morgen ab 19.30 Uhr zum Achtelfinal-Hinkampf um die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft in der Neusser Stadionhalle vorstellt, ist das der Fall.
„Wenn die in Bestbesetzung kommen, sind wir ganz klar Außenseiter“, sagt Hermann J. Kahlenberg, Präsident des gastgebenden KSK Konkordia, mit Blick auf die Meriten, die die Ringer aus dem Viereinhalb-Tausend-Seelendorf in den bayrischen Alpen angehäuft haben.
Da ist zum Beispiel Nikolai Paslar, bulgarischer Klassemann im freien Stil der Klasse bis 74 Kilogramm. Der WM-Dritte und Europameister von 2005 wäre für Hamberd Durdischew eine Nummer zu groß. Ob ihn die Gäste morgen tatsächlich mit auf die 800 Kilometer lange Busreise nehmen, weiß Kahlenberg hingegen nicht.
Gegen seinen Vertreter Stefan Koch, einen von gleich vier SC-Akteuren dieses Nachnamens, hätte der Neu-Neusser hingegen eine Chance. Ähnlich sieht es im Superschwergewicht bis 120 Kilogramm aus: Gegen den Esten Nabi Heiki, vor zwei Jahren Weltmeister, im vergangenen Jahr EM-Fünfter, stünde Björn Holk schon allein aufgrund des Gewichtsunterschiedes auf verlorenem Posten. Gegen den Polen Marcin Olejnizak sähe das schon wieder anders aus.
Und in 74 Kilogramm griechisch-römisch wissen selbst die Gäste nicht so recht, wen sie aufbieten sollen: Der Ungar Tamas Lörincz, Olympiaachter von Peking und WM-Fünfter des vergangenen Jahres, zog sich im letzten Kampf der Gruppenphase in Hallbergmoos einen Abriss der Bizepsmuskulatur zu und fällt damit sechs Monate aus. Sein Landsmann Levente Füeredy, so schreibt es die Homepage des SC Anger etwas kryptisch, wird gleichfalls „vom Verletzungspech verfolgt“.
Die Gäste sehen sich laut eigener Aussage mit ähnlichen Unwägbarkeiten konfrontiert: „Wir haben keine Kampferfahrung gegen die Neusser. Die sind für uns schwer auszurechnen“, meint der Sportliche Leiter Helmut Pöschl. Dabei setzt der KSK morgen Abend auf seine Standardformation: „Wir haben ja eh keine großen Variationsmöglichkeiten“, sagt Kahlenberg.
Mit einer Ausnahme: Mimoun Touba macht Gewicht für die Klasse bis 55 Kilogramm, da ihn Trainer Ayhan Aytemiz trotz wenig überzeugender Vorstellungen eine Kategorie höher dort für stärker hält als den in der Hinrunde eingesetzten Süleiman Karahan.
Gegen den EM-Siebten von 2007 Krasimir Krastanov, einen Bulgaren mit britischem Pass, „werden beide wohl den Kürzeren ziehen“, meint Kahlenberg.
Der kann ansonsten mit der Einschätzung seines Kollegen Pösch, der die Chancen seiner Mannen aufs Vordringen ins Viertelfinale mit 60:40 angibt, gut leben. „Wenn wir genug Unterstützung von den Rängen haben, können wir zumindest den Hinkampf gewinnen“, meint der KSK-Chef. Wenn . . .
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