Mit dem 28:23-Sieg über den TuS N-Lübbecke hat der TSV Dormagen den Anschluss ans Mittelfeld der Handball-Bundesliga hergestellt. Auf Seiten der Gastgeber war es vor allem die junge Garde um Torhüter Jens Vortmann und Linksaußen Max Holst, die dem Spiel ihren Stempel aufdrückte.
Die Karnevalsparty hatte offiziell noch gar nicht begonnen am Freitagabend, da sangen 2300 Zuschauer in der HRC-Arena schon die einschlägigen Lieder, vor allem das mit dem anspruchsvollen "Humba, Humba"-Refrain. Die halbe Hundertschaft trotz dichtem Schneetreiben angereister Fans des TuS N-Lübbecke hatte da schon längst die Trommeln eingepackt und ihre Fahnen eingerollt.
Denn spätestens, als der TSV Dormagen den kurzen Zwischenspurt der Gäste, die sich vom 9:13-Pausenrückstand auf 14:15 (38.) herangekämpft hatten, konterte und seinerseits binnen zehn Minuten auf 23:16 davonzog, war ihnen klar, dass es wieder nichts werden würde mit dem ersten Auswärtssieg seit dem Wiederaufstieg in die Handball-Bundesliga.
Am Ende drohte den Ostwestfalen sogar die höchste Saisonniederlage (bisher 27:33 in Wetzlar und 23:29 bei den Rhein-Neckar Löwen). Denn fünf Minuten vor dem Schlusspfiff hatten die Dormagener ihren Vorsprung auf 27:19 ausgebaut, 120 Sekunden später führten sie immer noch mit 28:21, ehe ihnen im Überschwang der Siegesgefühle das abhanden kam, was sie bis dahin in eindrucksvoller Weise ausgezeichnet hatte: die allerhöchste Konzentration.
"Kompliment an die Mannschaft, wie sie sich an die taktische Marschroute gehalten hat", freute sich Trainer Kai Wandschneider über die ungeheure Disziplin, die seine Schützlinge allen karnevalistischen Umtrieben zum Trotz an den Tag gelegt hatten.
Allein die Chancenverwertung aus den Gegenstößen heraus und das Ausnutzen der Kreisanspiele ließ zu Wünschen übrig im ersten Durchgang. Und Möglichkeiten zu Gegenstößen hatten die Hausherren mehr als genug an diesem Abend. Das lag an einer hervorragenden Deckungsarbeit vor einem glänzend aufgelegten Jens Vortmann, dem die Bürde, wegen einer Rückenverletzung von Vitali Feshchanka die Verantwortung zwischen den Torpfosten ganz alleine tragen zu müssen, offensichtlich Flügel verlieh.
21 Paraden standen am Ende zugunsten des früheren Junioren-Vizeweltmeisters auf dem Spielbericht verzeichnet – seine mit Abstand beste Leistung, seit er im Sommer vergangenen Jahres von den Füchsen Berlin nach Dormagen wechselte, um nicht nur auf der Bank zu versauern. "So eine Torhüterleistung in jedem Spiel und wir steigen nicht ab", ist Wandschneider überzeugt. Vortmann wollte Lob und Gratulationen jedoch nicht allein auf sich beziehen: "Die Abwehr hat es mir auch leicht gemacht."
Im Angriff waren es ein Duo , das nach der Pause die Weichen zum fünften Saisonsieg stellte: Max Holst löste den erneut unerklärlich schwachen Michiel Lochtenbergh ab und steuerte von Linksaußen vier Treffer bei. Noch einer mehr gelang Sebastian Linder. Dabei stand der Kreisläufer nach etlichen vergebenen Möglichkeiten schon kurz vor der Auswechslung: "Gut, dass ich ihn dringelassen habe", sagte Wandschneider, bevor auch er sich, in seinem Rahmen natürlich, dem Feiern hingab.
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