Aus dem Spiel eins nach dem Abgang von Christoph Schindler kamen die Handballer des TSV Dormagen trotz einer 20:32-Niederlage beim THW Kiel ohne körperlichen und seelischen Schaden heraus. Jetzt wollen sie so schnell wie möglich zur Normalität zurückkehren.
Kiel/Dormagen Vergnügungssteuerpflichtig ist es derzeit nicht, Handballer beim TSV Dormagen zu sein. Nicht einmal der eher ungewöhnliche Besuch eines halben Dutzend Spielerfrauen – ein Geburtstagsgeschenk für Nils Meyers Freundin Eva – in der Ostseehalle vermochte die Mienen aufzuhellen am Mittwochabend. Das lag weniger an der 20:32-Niederlage (Halbzeit 10:16), die der Tabellendrittletzte beim Deutschen Meister THW Kiel kassierte (die NGZ berichtete).
Die hatten Spieler wie Verantwortliche schnell abgehakt. "Andere Mannschaften haben sich hier schon ganz andere Klatschen abgeholt", meinte Trainer Kai Wandschneider, verschloss aber nicht die Augen davor, dass "unsere Angriffsleistung nicht unbedingt erstliga-würdig" war. Das lag noch nicht einmal am Kieler Weltklassegespann Thierry Omeyer und (ab der 38. Minute) Peter Gentzel zwischen den Torpfosten, die beide im Schatten des erneut stark haltenden Jens Vortmann standen. Der Olympiasieger und der Altmeister hatten nicht viel Gelegenheit, sich auszuzeichnen, weil der Großteil der Dormagener Wurfversuche gleich in der Kieler Deckung hängenblieb. "Wir waren zu statisch, besonders in der Anfangsphase haben wir Standhandball gespielt", legte der Trainer den Finger in die Wunde.
Keine Verstärkungen
Der Spielermarkt scheint wirklich leergefegt gewesen zu sein, denn auch Dormagens Abstiegskonkurrenten haben vor Ende der Wechselfrist keine Verstärkungen mehr an Land gezogen. Die HSG Düsseldorf muss den verpflichteten Ognjen Kajganic wieder ziehen lassen, weil die Spielberechtigung nicht rechtzeitig eintraf. Zudem strich sie den 21 Jahre alten Nikola Kedzo "aus disziplinarischen Gründen" aus dem Kader.
Eine Wunde, die der Weggang von Christoph Schindler zum VfL Gummersbach gerissen hat. Es fehlen nicht nur seine Tore – durchschnittlich 5,7 pro Spiel – es fehlt auch derjenige, der die Angriffsmaschine antreibt. Florian Wisotzki kann das nicht aus der Mittelposition heraus, sondern nur von Halblinks. "Wir werden künftig mit Nils Meyer oder Kentin Mahé in der Mitte spielen", hat Wandschneider die Lehren aus dem Gastspiel in Kiel gezogen. Es sei denn, Thomas Dröge wird bei seiner Suche nach einer Ersatzlösung doch noch fündig: "Wir wälzen im Moment jede Menge Namen hin und her", sagt der Teammanager.
Das Problem: Weil die Wechselfrist verstrichen ist, kann der TSV nur noch einen Akteur verpflichten, der in dieser Saison weder im In- noch im Ausland einen Spielervertrag hatte. "Das Geld für eine Neuverpflichtung war ja da", sagt Dröge, "wir haben nur nicht für Christophs Position gesucht, weil wir da gut besetzt waren." Der Zeitpunkt des Wechsels ist es denn auch, der die größte Wut und Enttäuschung bei ihm und bei Kai Wandschneider auslöst: "Was Gummersbach da gemacht hat, gehört sich einfach nicht unter Nachbarn", sagt Thomas Dröge und ärgert sich vor allem über Schindlers Aussage gegenüber den "Kieler Nachrichten": "Keiner weiß wirklich, wie es mit Dormagen weitergehen wird." Die Spieler wollen den unrühmlichen Abgang ihres Ex-Kollegen nicht weiter kommentieren: "Die Sache ist passiert. Nachkarten bringt da nichts", sagt Tobias Plaz. Ähnlich wie der Rechtsaußen empfindet auch Kreisläufer Sebastian Linder: "Der größte Fehler wäre jetzt, uns aufzugeben. Wir haben schon so viel weggesteckt . . ."
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