Die NGZ-Leser wählten sie ebenso zur "Mannschaft des Jahres" wie die Jury der Stadt Neuss. Am Wochenende, bei der Endrunde der Deutschen Hallenhockey-Meisterschaft in der Bonner Hardtberghalle, will der HTC Schwarz-Weiß Neuss dieser Einschätzung gerecht werden. Gegner im Halbfinale ist am Samstag um 16.30 Uhr der Münchner SC. Montag statteten Mannschaftskapitän Thomas Draguhn (25) und Abwehrchef Max Klink (24) der NGZ-Redaktion einen Besuch ab und sprachen mit Sportredakteur Volker Koch über die Aussichten für die Endrunde und des Hockeysports in Neuss an sich. Zu Gast im NGZ-Interview: Thomas Draguhn und Max Klink (v.li.).
Im Feld hat der HTC Schwarz-Weiß erst über die Relegation den Klassenerhalt geschafft, in der Halle steht er jetzt in der Endrunde der besten Vier: Wie erklären Sie sich diese Diskrepanz?
Draguhn: Wir sind halt eine gute Hallenmannschaft, wir haben ein paar richtig gute Hockeyspieler. Im Feld braucht man dafür zwölf bis 16 gleichwertige Leute, und die hatten wir zumindest in der vergangenen Saison durch Verletzungspech und andere Gründe nicht. Andere Mannschaften sind da ausgeglichener und verfügen über mehr Erfahrung.
Klink: In der Halle zu spielen macht einfach mehr Spaß als auf dem Feld, zumindest, was mich persönlich betrifft. Aber ich glaube, das geht auch anderen Spielern so. Besonders hier in Neuss, wo in der Halle eine tolle Atmosphäre herrscht. Ich bin der Meinung, man sollte Hallenhockey viel stärker vermarkten als Feldhockey, der Eventcharakter, um den sich so viele Sportarten bemühen, kommt doch in der Halle viel besser 'rüber als draußen.
Wo sehen Sie denn unter all diesen Vorzeichen die Perspektive des HTC: Kann er sich auf Dauer in der Spitze etablieren, oder bleibt es auf ewig bei einer Zitterpartie?
Draguhn: Schwer zu sagen, das hängt von vielen Faktoren ab. Das beginnt bei uns im Umfeld, und so einen Mann wie Horst Busse oder wie Hermann Kahlenberg bei den Ringern, die kann man sich nicht von den Bäumen pflücken. In unserer Mannschaft steckt noch einiges Potenzial: Erst einmal haben wir ein niedriges Durchschnittsalter, und außerdem wächst im Jugendbereich einiges nach, das hat ja jetzt auch die NGZ-Sportlerwahl gezeigt. Neben Steffen Geyer haben wir da auch noch andere Spieler, die Perspektive für die Bundesliga besitzen.
Klink: Ich sehe eine sehr gute Perspektive, nur durch die Umstrukturierung hin zur eingleisigen Liga ist die Entwicklung schwer einzuschätzen. Wir haben im Westen nur noch drei Erstligisten, und im Gegensatz zum Beispiel zum Gladbacher HTC kaufen wir keine Verstärkungen weltweit ein. Egal, wer zu uns kommt, er muss zu uns passen, denn unsere Stärke ist die mannschaftliche Geschlossenheit. Mit Christoph Garbotz und Matthias Gräber hatten wir für die Hallensaison zwei Super-Zugänge - wir schauen uns schon genau an, wer zu uns kommt, und wir sagen auch schon mal Nein.
Draguhn: Es muss alles passen in der Mannschaft, schließlich haben wir eh schon ein paar Dickköpfe dabei. Und wir sind ja auch keine Profi-Sportart, wo der Trainer sagen kann: Wenn du das und das nicht machst, fliegst du 'raus oder kriegst kein Geld. Bei uns läuft das anders, deshalb ist Carsten Fischbach auch der richtige Trainer für uns.
Ein bisschen mehr Professionalität würde aber auch dem HTC nicht schaden, nicht nur, was das Umfeld anbelangt. Wie wäre es auf Dauer mit einer Trainingseinheit mehr in der Woche?
Klink: Da ist 'was dran. Mehr Training könnte sicher nicht schaden, aber das ist auch eine Sache der Zeit. Und wenn wie jetzt in der Hallensaison gleich mehrere Spieler im Examen stehen, wird's schwierig. Die Spielpläne des Deutschen Hockey-Bundes nehmen leider nun mal keine Rücksicht auf Semester oder vorlesungsfreie Zeiten, obwohl ein Großteil der Hockeyspieler Studenten sind. Man darf dabei aber auch nicht vergessen, dass wir Athletik oder Laufen sehr viel in Eigenregie trainieren, was bei anderen Vereinen gemeinsam gemacht wird.
Werfen wir mal einen Blick auf die Endrunde. Wie schätzen Sie denn da Ihre Chancen ein?
Klink: Ich bin nach wie vor der Meinung, dass wir das leichtere Halbfinale erwischt haben. Dürkheim (im anderen Halbfinale Gegner des Gladbacher HTC, Anm. d. Red.) ist die etwas schwerere Aufgabe. München hat eine ähnlich junge Mannschaft wie wir, allerdings in der Mitte mit Christoph Eimer einen der weltbesten Hockeyspieler, der über ein sehr gutes Auge für seine Mitspieler verfügt.
Draguhn: In dieser Endrunde kann Jeder Jeden schlagen. Trotzdem gehen wir als Außenseiter an die Sache heran, und das ist vielleicht auch ganz gut so, dass uns die anderen nicht für so stark halten.
Klink: Selbst in der Deutschen Hockey-Zeitung, die uns vor Saisonbeginn sogar als Abstiegskandidat handelte, stand ja, dass wir als erste das Viertelfinale erreicht hätten, sei eine große Überraschung. Ich kann das nicht so recht verstehen, schließlich waren wir schon im vergangenen Jahr Westdeutscher Meister und sind im Viertelfinale nur knapp gescheitert.
Draguhn: Ich glaube, viele sehen nicht, was wir für eine gute Mannschaft haben.
Klink: Uns muss man erst mal schlagen. Unsere erste Fünf braucht sich vor keinem Gegner zu verstecken.
Draguhn: Allerdings darf man auch nicht vergessen, dass wir die Mannschaft mit der geringsten Endrundenerfahrung sind.
Klink: Marc Brüse und ich sind die einzigen, die schon mal eine Endrunde gespielt haben. Da haben wir im Halbfinale mit Krefeld gegen den Münchner SC verloren, ich hoffe nicht, dass das ein schlechtes Omen ist. Für einen Hockeyspieler ist so eine Endrunde jedenfalls ein einmaliges Erlebnis.
Lässt sich trotz allem ein Titelfavorit ausmachen?
Klink: Wenn, dann Dürkheim. Allerdings haben wir die in der Vorbereitung beim Turnier in Leverkusen mit 6:4 geschlagen.
Draguhn: Ich denke, die Tagesform entscheidet. Und da hoffen wir natürlich auf Unterstützung durch unsere Fans. Dürkheim und Gladbach werden bestimmt jede Menge Leute mitbringen, hoffentlich lassen uns unsere Fans da nicht im Stich.
Deutschland ist am Sonntag Hallenweltmeister geworden, der HTC gehört zu den besten vier Hallenteams in Deutschland. Warum war trotzdem kein Neusser Spieler dabei?
Draguhn: Das fragen Sie bei der Endrunde am besten den Bundestrainer. Volker Koch
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