Dass der Widersacher am Sonntag BV 04 Düsseldorf heißt, interessiert Edgar Hagedorn, Trainer des weiter akut vom Abstieg bedrohten Fußball-Landesligisten VfR 06 Neuss, nur am Rande. "Über den BV mache ich mir nicht so viele Gedanken, unser Hauptgegner ist der Kunstrasen", stellt er klar.
Als warnendes Beispiel dient ihm der TuS Grevenbroich, der der Truppe von Coach Peter Vogel erst am vergangenen Wochenende auf dem Kunstrasen in Elfgen satt mit 0:4 unterlag. "Da hat man gesehen, in welche Schwierigkeiten man auf diesem Belag kommen kann." Um seine Mannen wenigstens ein bisschen auf das ungewohnte Geläuf einzustellen, hat er für Freitag Abend eine Trainingseinheit auf dem Kunstrasenplatz in Unterbach angesetzt.
Auflaufen wird wohl die gleiche Formation, die zuletzt beim 1:1 gegen den VfL Tönisberg nur haarscharf an einer faustdicken Überraschung vorbeigeschrammt war. Hagedorn selbst rückt im Sturmzentrum wieder an die Seite von Nazibi Ejupi, versucht so die Zeit zu überbrücken, bis Stephan Reiter (Rote Karte) und Thomas Hennessen (wurde am Mittwoch an der gebrochenen Nase operiert) wieder dabei sein können.
"Zum Glück spielen wir nicht auf Rasen, sonst wäre ich wahrscheinlich schon nach einer Stunde völlig platt", schmunzelt der 39-Jährige, der sich nach seinem 90-minütigen Einsatz gegen Tönisberg "noch in der Regenerationsphase befindet". Als "Running Gag" nimmt er mittlerweile auch die Unzuverlässigkeiten des mal wieder verschollenen brasilianischen Spielmachers Rosinaldo: "Er hat jetzt ein neues Abo von der Rheinbahn, ich weiß nur nicht, wo er damit hinfährt."
Für den TuS Grevenbroich geht es schon Freitag Abend (19 Uhr) auf dem Kunstrasen von Orken gegen Aufsteiger VfL Benrath darum, endlich die Form von vor der Winterpause wieder zu finden. Still und heimlich hatte sich die Truppe von Trainer Gerd Zewe da nämlich bis auf sechs Punkte an Tabellenführer TuRu Düsseldorf heran gearbeitet, doch nach den ersten beiden Spielen im neuen Jahr ist der Rückstand auf satte zwölf Punkte angewachsen. Besonders gewurmt hat Zewe die deftige 0:4-Niederlage am Sonntag gegen den BV 04. Denn der Hauptgrund für die Pleite war nicht auf dem Platz zu suchen, sondern in irgendeiner Gaststätte.
"Die Mannschaft hat im Vorfeld die Kameradschaft übertrieben", versuchte Zewe zu verklausulieren, wieso ein Großteil seiner Spieler nicht in körperlich bester Verfassung aufgelaufen war. "Natürlich war ich enttäuscht, als ich das erfahren habe. Aber ich hoffe, dass das ein einmaliger Ausrutscher war." Personelle Konsequenzen kann Zewe kaum ziehen, wegen einiger angeschlagener Spieler stellt sich die Mannschaft fast von selbst auf. Hinter dem Einsatz von Ralf Criens und Matthew Williams steht noch ein dickes Fragezeichen.
Tobias Willkomm fährt Freitag Abend in Skiurlaub, der Trainer hofft, dass er vorher noch in Orken auflaufen kann. Wichtig wäre es für die Schloss-Städter, schließlich haben sich die Gäste in der Tabelle schon an ihnen vorbei geschoben. Zewe: "Das zeigt uns, dass wir nicht zufrieden sein dürfen. Meine Mannschaft muss zeigen, was in ihr steckt." Die äußeren Bedingungen sind jedenfalls gut, schließlich haben technisch gute Teams auf Kunstrasen normalerweise einen Vorteil.
Bernd Meuter, Trainer des nach zwei Niederlagen in Folge wieder auf einen Abstiegsplatz abgerutschten Neulings VdS Nievenheim spricht vor dem Gastspiel des Linner SV Klartext: "Das Spiel müssen wir gewinnen, denn danach kommt's knüppelhart. Gegen Turu Düsseldorf, 1. FC Mönchengladbach, Kapellen und Tönisberg dürfte es im Normalfall nicht viel zu holen geben. Gar nicht in den Kram passt ihm, dass sich die restlos verunsicherte Sturmspitze Norman Beeck (vorerst) in die zweite Mannschaft verabschiedet hat. "Aber vielleicht tankt er da ja neues Selbstvertrauen", hofft der Coach.
Gegen Linn rückt der wiedergenesene Andreas d'Heur neben Thomas Tröster ins Angriffszentrum. Eine feste Größe könnte bald auch der A-Jugendliche Daniel Hagenau werden (traf beim 1:2 in Wersten), an dem Meuter richtig Spaß hat. "Er ist rotzfrech, dazu schnell und wendig. Einfach Klasse."
Schützenhilfe im Abstiegskampf könnte Nievenheim vom SC Kapellen erhalten, der im Erftstadion den Tabellenvorletzten Düsseldorfer SV 04 erwartet. Leichter gesagt, als getan, denn die Gäste verfügen in Lubo Chovanek über "einen Topspieler dieser Liga", schwärmt SC-Trainer Michael Habermann. Eingeschlagen hat auch Neuzugang Musa Laledere (kam in der Winterpause von Turu Düsseldorf). Nichtsdestotrotz sieht Habermann nach Wochen der Tristesse wieder Land. "Die Umstellungen haben voll gegriffen."
So sorgt der vom Manndecker zum Spielmacher umfunktionierte Wolfgang Giesen in der Schaltzentrale für Ruhe, hat sogar den talentierten Maurice Simmons aus seiner Lethargie befreit. Ein Pluspunkt ist auch der reaktivierte Dirk Hirnstein, nach prüfungsbedingter Auszeit zwar noch nicht hundertprozentig fit, "aber es reicht, um Musik in unser Spiel zu bringen", lacht Habermann. -ben/-sit
Die neuesten Nachrichten und Berichte aus Politik, Wirtschaft, Panorama, Sport, Kultur, Gesellschaft, Wissenschaft, Multimedia, Auto,
Reise und Beruf - im Archiv auch gratis recherchierbar. Dazu die besten Bilder, Live-Ticker, Kolumnen und Hintergrundberichte.