Leichtathletik (NGZ). Als erster Deutscher hat Stabhochspringer Karsten Dilla (TSV Bayer Dormagen) die Norm für die Hallen-Weltmeisterschaften in Istanbul erfüllt. Der Satz auf 5,72 Meter hatte selbst den 22-Jährigen überrascht.
Wer rastet, der rostet, sagt das alte Sprichwort. Und darum griff Karsten Dilla schon gestern wieder zum Stab. Im Kopf die 5,72 Meter, die ihm am Samstag bei den in Leverkusen ausgetragenen Nordrheinmeisterschaften an die Spitze der deutschen Bestenliste im Stabhochsprung katapultiert hatten. Die Norm für die Hallen-WM in Istanbul (9. bis 11. März) hat der 22-Jährige damit bereits in der Tasche.
Erreicht hat der Dormagener freilich noch nichts. "Die anderen werden schon noch kommen", weiß er, "abgerechnet wird erst nach den Deutschen Meisterschaften. Wenn du da nur Fünfter wirst, bist du raus." Zudem bringen die prächtige Frühform ein Problem mit: "Dass ich gleich im ersten Anlauf so einen Sprung rausgehauen habe, ist mir noch nie passiert. Jetzt bin ich der Gejagte – das hatte ich so auch noch nicht." Wenn ihn auch die Höhe unvorbereitet getroffen hatte, dass er in dieser Saison zu großen Taten fähig sein könnte, war ihm schon in der Vorbereitung bewusst gewesen.
Dillas Fahrplan
Nächster Start 10. Internationales Springermeeting in Cottbus am 25. Januar
International Eventuell Hallen-Länderkampf in Glasgow (Schottland) am 28. Januar
Nicht verrückt machen lassen
"Ich habe gut trainiert, unter anderem auf Lanzarote, und bin gesund geblieben. Das ist der Knackpunkt." In Leverkusen hatte er sich sogar an der Höhe von 5,80 Meter versucht und war mit einem härten Stab nur ganz knapp gescheitert. "Die Höhe stimmte schon", schätzt er, will sich jetzt aber nicht verrückt machen lassen. "Denn mein ursprüngliches Ziel war es ja, meine Leistung aus dem Vorjahr zu bestätigen. Klar, der Druck ist durch die erfüllte Norm nun von meinen Schulter, aber ich kann ja jetzt nicht einfach aufhören. Die 5,80 Meter will ich in dieser Saison schon noch angreifen." Seine Freiluft-Bestmarke steht bei 5,72 Meter.
Gestern Nachmittag gönnte sich der Sportsoldat allerdings das komplette Kontrastprogramm. Kopfarbeit war angesagt, denn auch im Olympia-Jahr will der TSV-Athlet seine universitäre Ausbildung nicht ganz aus den Augen verlieren. Im Bachelor-Studiengang "Internationales Management für Spitzensportler" an der Hochschule Ansbach warten auf den Fernstudenten wichtige Klausuren.
"Ist ganz gut für den Kopf, um mal auf andere Gedanken zu kommen", findet er. Am Montag geht's in den Fächern Marketing und betriebliche Mathematik ans Eingemachte. Und weil der Sport im Moment natürlich im Vordergrund steht, schleppt Dilla einige kleinere Defizite mit sich herum. "Ich habe ein bisschen Lernrückstand", räumt er ein.
Von Vorteil ist, dass die Arbeiten nicht im fränkischen Ansbach, sondern quasi vor der Haustüre in Bonn geschrieben werden dürfen. Dilla: "Schau'n wir mal, ist ja der erste Versuch – drei habe ich ..."
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