Heute hat sie alle Schwergewichte der Ringerszene fest im Griff - egal ob auf nationaler oder internationaler Ebene: Sonja Kamke. Die 29 Jahre alte Kampfrichterin ist eine der wenigen Frauen in Deutschland, die bei Meisterschaften und regelmäßig in der Bundesliga eingesetzt werden. „Da sind wir momentan fünf Frauen“, erzählt die Blondine, „aber ich bin die einzige, die in der ersten Liga pfeift.“ Seit diesem Jahr ist sie außerdem auch international tätig.
Leicht war es für sie anfangs allerdings nicht. „Als zierliche Frau mit blonden Haaren wurde ich von den 120 Kilogramm schweren Männern gerne belächelt und musste mir einige dumme Sprüche anhören“, erinnert sich Sonja Kamke, die als Zwölfjährige durch ihren Bruder zum Ringen kam. „Dann habe ich direkt die Landesmeisterschaft gewonnen und wurde ein Jahr später Dritte bei den Deutschen Meisterschaften.“
Es folgten weitere Erfolge bei nationalen und internationalen Wettkämpfen in der Frauenklasse bis 46 Kilogramm, parallel dazu machte die 29-Jährige ihren Kampfrichterschein. Sonja Kamke: „Der AC Ückerath suchte damals Kampfrichter und ich konnte mir das vorstellen und habe 1992 die Bezirkslizenz gemacht.“
Seitdem hat sich im Ringersport einiges getan: Beispielsweise werden die Sportler nicht mehr nackt, sondern im Trikot gewogen. „Gott sei Dank“, findet die Dormagenerin, die von Anfang an sowohl im Frauen-, als auch im Männerbereich eingesetzt wurde. Denn: „Es gibt gar nicht genug Mädchen- oder Frauenwettkämpfe, dass man sagen könnte, man möchte nicht bei den Männern pfeifen.“
Das Wiegen hatte sie vor der Regeländerung aber anderen überlassen, schließlich sei es auch immer eine Frage der Religion und der Einstellung, wie man mit Nacktheit umgeht. „Ich habe das bei den Männern immer die Mannschaftsführer der Gegner machen lassen und draußen gewartet“, erklärt die heute national bekannte und anerkannte Kampfrichterin.
Selber kämpft die Versicherungskauffrau aber schon lange nicht mehr - Ausbildung und Studium waren ihr nach der Schule wichtiger. „Außerdem hat mir das Pfeifen mehr Spaß gemacht als das Ringen“, so die 29-Jährige. „Und dann kamen auch die Jüngeren nach und wurden immer stärker.“ Ihrer Liebe zum Sport hat der vollständige Wechsel vom aktiven Sportler zum Kampfrichter aber keinen Abbruch getan. Ringen ist für Sonja Kamke nach wie vor eine „wunderschöne Sportart“, Angst vor den sogenannten Blumenkohlohren oder Ringerrohren hatte sie übrigens nie. „Ich habe aber glücklicherweise auch keine bekommen“, sagt die Blondine lachend.
Die Ziele für ihre Kampfrichterlaufbahn hat sie bereits definiert: Neben weiteren internationalen Einsätzen wäre es „ein Traum“, einmal bei Olympia zu pfeifen. „Ich war zuletzt mit der Kadetten-Nationalmannschaft für mehrere Tage in Serbien und das war schon ein tolles Erlebnis“, erzählt Sonja Kamke, die fast jedes Wochenende in ihrer Funktion als Kampfrichterin unterwegs ist. Beeindruckend finden das vor allem ihre Arbeitskollegen, die anfangs allerdings genauso skeptisch waren wie die Ringer selbst.
„Mittlerweile sind sie begeistert, wie ich das alles schaffe.“ Denn nebenbei ist die 29-Jährige auch noch Bezirksreferentin in der Kampfrichterausbildung, hilft sowohl bei der praktischen Schulung auf der Matte mit, als auch bei den Theorieeinheiten. „Da bin ich immer für die Tests zuständig“, erklärt die Dormagenerin, „das heißt vorbereiten, organisieren und auswerten.“
Bis sich ihr Olympia-Traum verwirklichen könnte, wird es aber vermutlich noch etwas dauern. Denn auch wenn sie momentan die einzige deutsche Frau ist, die im internationalen Bereich eingesetzt wird, gibt es genug Konkurrenz aus den anderen Länder. „Ich denke, 2012 oder 2016 könnte ich das erste Mal dabei sein“, hofft Sonja Kamke und verweist auf die Kampfrichter-Altersgrenze von 60 Jahren. „Aber ich bin ja noch jung.“
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