kalaydo.de Anzeigen stellen auto immobilien kleinanzeigen tiere ferienwohnungen inserieren
Kommentare ()

Lokalsport: Wenn sie pfeift, spuren die Männer

VON MARION DREISCHER - zuletzt aktualisiert: 04.12.2007 - 21:30

Heute hat sie alle Schwergewichte der Ringerszene fest im Griff - egal ob auf nationaler oder internationaler Ebene: Sonja Kamke. Die 29 Jahre alte Kampfrichterin ist eine der wenigen Frauen in Deutschland, die bei Meisterschaften und regelmäßig in der Bundesliga eingesetzt werden. „Da sind wir momentan fünf Frauen“, erzählt die Blondine, „aber ich bin die einzige, die in der ersten Liga pfeift.“ Seit diesem Jahr ist sie außerdem auch international tätig.

In Stommeln begann Sonja Kamke als Ringerin, ging dann nach Ückerath und machte 1992 ihren Kampfrichterschein. Mittlerweile hat sie die internationale Lizenz.  Foto: NGZ
In Stommeln begann Sonja Kamke als Ringerin, ging dann nach Ückerath und machte 1992 ihren Kampfrichterschein. Mittlerweile hat sie die internationale Lizenz. Foto: NGZ

Leicht war es für sie anfangs allerdings nicht. „Als zierliche Frau mit blonden Haaren wurde ich von den 120 Kilogramm schweren Männern gerne belächelt und musste mir einige dumme Sprüche anhören“, erinnert sich Sonja Kamke, die als Zwölfjährige durch ihren Bruder zum Ringen kam. „Dann habe ich direkt die Landesmeisterschaft gewonnen und wurde ein Jahr später Dritte bei den Deutschen Meisterschaften.“

Es folgten weitere Erfolge bei nationalen und internationalen Wettkämpfen in der Frauenklasse bis 46 Kilogramm, parallel dazu machte die 29-Jährige ihren Kampfrichterschein. Sonja Kamke: „Der AC Ückerath suchte damals Kampfrichter und ich konnte mir das vorstellen und habe 1992 die Bezirkslizenz gemacht.“

Seitdem hat sich im Ringersport einiges getan: Beispielsweise werden die Sportler nicht mehr nackt, sondern im Trikot gewogen. „Gott sei Dank“, findet die Dormagenerin, die von Anfang an sowohl im Frauen-, als auch im Männerbereich eingesetzt wurde. Denn: „Es gibt gar nicht genug Mädchen- oder Frauenwettkämpfe, dass man sagen könnte, man möchte nicht bei den Männern pfeifen.“

Das Wiegen hatte sie vor der Regeländerung aber anderen überlassen, schließlich sei es auch immer eine Frage der Religion und der Einstellung, wie man mit Nacktheit umgeht. „Ich habe das bei den Männern immer die Mannschaftsführer der Gegner machen lassen und draußen gewartet“, erklärt die heute national bekannte und anerkannte Kampfrichterin.

Selber kämpft die Versicherungskauffrau aber schon lange nicht mehr - Ausbildung und Studium waren ihr nach der Schule wichtiger. „Außerdem hat mir das Pfeifen mehr Spaß gemacht als das Ringen“, so die 29-Jährige. „Und dann kamen auch die Jüngeren nach und wurden immer stärker.“ Ihrer Liebe zum Sport hat der vollständige Wechsel vom aktiven Sportler zum Kampfrichter aber keinen Abbruch getan. Ringen ist für Sonja Kamke nach wie vor eine „wunderschöne Sportart“, Angst vor den sogenannten Blumenkohlohren oder Ringerrohren hatte sie übrigens nie. „Ich habe aber glücklicherweise auch keine bekommen“, sagt die Blondine lachend.

Die Ziele für ihre Kampfrichterlaufbahn hat sie bereits definiert: Neben weiteren internationalen Einsätzen wäre es „ein Traum“, einmal bei Olympia zu pfeifen. „Ich war zuletzt mit der Kadetten-Nationalmannschaft für mehrere Tage in Serbien und das war schon ein tolles Erlebnis“, erzählt Sonja Kamke, die fast jedes Wochenende in ihrer Funktion als Kampfrichterin unterwegs ist. Beeindruckend finden das vor allem ihre Arbeitskollegen, die anfangs allerdings genauso skeptisch waren wie die Ringer selbst.

„Mittlerweile sind sie begeistert, wie ich das alles schaffe.“ Denn nebenbei ist die 29-Jährige auch noch Bezirksreferentin in der Kampfrichterausbildung, hilft sowohl bei der praktischen Schulung auf der Matte mit, als auch bei den Theorieeinheiten. „Da bin ich immer für die Tests zuständig“, erklärt die Dormagenerin, „das heißt vorbereiten, organisieren und auswerten.“

Bis sich ihr Olympia-Traum verwirklichen könnte, wird es aber vermutlich noch etwas dauern. Denn auch wenn sie momentan die einzige deutsche Frau ist, die im internationalen Bereich eingesetzt wird, gibt es genug Konkurrenz aus den anderen Länder. „Ich denke, 2012 oder 2016 könnte ich das erste Mal dabei sein“, hofft Sonja Kamke und verweist auf die Kampfrichter-Altersgrenze von 60 Jahren. „Aber ich bin ja noch jung.“

Quelle: NGZ


Die Neuß-Grevenbroicher Zeitung lohnt sich Tag für Tag - jetzt testen.

 
weitere Artikel
 
Links zu diesem Artikel
 

 
Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung:

       
Anzeige:

AUS DER NACHBARSCHAFT
MEHR

Lokalsport

Primus mit rasantem Finish

Einen Punkt gewonnen oder zwei verloren? Nach dem 6:6 ( 2:3) des Tabellenführers HTC Schwarz-Weiß Neuss im Spitzenspiel der Hallenhockey-Bundesliga gegen den Tabellenzweiten Crefelder HTC war sich selbst SW-Trainer Carsten Fischbach zunächst nicht ... VON Dirk Sitterle  mehr

 
Gegen die am Freitag Abend schwache Kaarster Defensive hatte Delhovens Doppeltorschütze Sebastian Marchewka (Mitte) leichtes Spiel. Hier setzt er sich gegen Heinrich (r.) und Igor Fafenrot durch.

Lokalsport

Glühwein, Reibekuchen und ein Sieg

Glühwein und leckere Reibekuchen gab es schon vor dem Anpfiff in Delhoven, doch für Dirk Hermes begann die offizielle Weihnachtszeit erst nach dem Schlusspfiff: „Jetzt kann das Christkind kommen.“ VON Peter Böttner  mehr

 
 

Lokalsport

Am Ende chancenlos

 
 
 
MEHR DHC RHEINLAND
TSV 1992/93: Jörg Scheuermann, Joachim Sproß, Michael Klemm, Maik Handschke, Norbert Nowak (o. v. l.), Manager Werner Nowak, Betreuer Herbert Genzer, Physio Dirk Stroda, Christian Fitzek, Robert Andersson, Michael Biegler, Hade Schmitz (m. v. l.), Karsten Kohlhaas, Matthias Schmidt, Holger Lidolt, Andreas Thiel, Christopher Klemme, Dieter Springel, Klaus Dyllong (v.l.)

DHC Rheinland

Das beste Team aller Zeiten

Noch eine Woche, dann endet mit dem Heimspiel gegen die SG Bietigheim die Geschichte des Dormagener Bundesliga-Handballs. In einer Serie erinnert die NGZ an herausragende Ereignisse aus dieser Zeit VON Volker Koch  mehr