Es war nass. Es war kalt. Es war matschig. Oder wie Ulrike Maisch mit einem Lächeln auf den Lippen sagte: „Ein typischer Crosslauf eben.“ Der Energie-Cross in Neukirchen stand am Wochenende mal wieder auf dem Programm. Nicht nur für die Marathon-Europameisterin von 2006, auch für viele weitere Spitzenläufer aus ganz Europa Grund genug, dem Ruf „ihres“ Adi Rosenbaums zu folgen und ein Teil des 16. Neukirchener Crosslaufs zu sein.
So konnte der Sportwart der SG Neukirchen/Hülchrath später stolz verkünden: „Hier hat sich wieder einmal die absolute Spitzenklasse versammelt. So einen hochbesetzten Crosslauf wird man in ganz Deutschland nicht noch einmal finden.“ In der Tat, das Teilnehmerfeld hatte es wieder einmal in sich, war gespickt mit Landes- und Europameistern, Weltmeisterschafts- und Olympiateilnehmern. Wieder einmal ein Verdienst des unermüdlichen Einsatzes von Rosenbaum und seinen rund 35 Helfern, die den Läufern nicht nur eine „perfekte und anspruchsvolle Strecke“ (Steffen Uliczka, Sieger der Herren-Konkurrenz) präsentierten, sondern auch sonst „jeden Wunsch von den Lippen ablasen“, wie die später viertplatzierte Maisch zu Protokoll gab.
Doch wie schafft es ein kleiner Dorfverein jedes Jahr aufs Neue, diese Fülle an internationalen Spitzensportlern in seine 3 000-Seelen-Gemeinde zu locken? „Alles über persönliche Kontakte“, erklärte Rosenbaum. So hätten er und seine Mitstreiter im Laufe der Jahre ein dichtes Netzwerk rund um die einzelnen Nationaltrainer gespannt, mit dessen Hilfe immer mehr Läufer den Weg nach Neukirchen fänden. Ob aus England, Irland oder der Schweiz, ob aus Ungarn, Belgien oder den Niederlanden - die Athleten verwandelten den Neukirchener Sportplatz in ein internationales Gebiet, „die gelebte Europäische Union“, wie ein Zuschauer witzelte.
Unter den Topathleten war auch die Siegerin des Cross der Asse: Barbara Maveau aus Belgien. Gerade mal 21 Jahre ist die alt, doch am Samstag bereits zum vierten Mal dabei. Und das, obwohl parallel in ihrer Heimat die Regionallmeisterschaften anstanden. Während der Großteil ihrer belgischen Konkurrentinnen in der Heimat blieb, war für sie schon vor Wochen klar: „Ich fahre nach Deutschland. Ich mag die Strecke und die tolle Veranstaltung.“
Mit ähnlichen Adjektiven konnte man hinterher auch ihre Leistung beschreiben. Schon in der ersten der drei Runden hatte sie sich abgesetzt, um das Rennen von der Spitze aus zu diktierten. So ließ sie sich auch nicht nervös machen, als die beiden deutschen Läuferinnen Mareike Schrulle (ASV Köln) und Mira Glocker (LAV Tübingen) in der Schlussrunde immer näher kamen. „Ich habe mich ein Mal kurz umgedreht“, beschrieb die Belgierin die letzten Meter, „und dann einfach alles gegeben. Zum Glück hatte ich noch genügend Reserven beim Sprint.“ Vier Sekunden betrug ihr Vorsprung am Ende, als sie nach 19:04 Minuten als Erste die Ziellinie übertrat.
Derlei Spannung kam beim anschließenden Herren-Lauf nicht auf. Zu dominant war Steffen Uliczka in Abwesenheit des erkrankten Vorjahressiegers und Deutschen Crossmeisters Stephan Hohl. Fünf Runden lang führte er das Feld an, vier Runden lang wuchs sein Vorsprung. Und obwohl Uliczka „am Ende etwas Tempo rausgenommen“ hatte und der Kampf um Rang zwei im Sprint zwischen dem Belgier Dries Busselot und dem Serben Mirko Petrovic endete, betrug der Vorsprung am Ende noch acht Sekunden. 28:45 Minuten hatte der Mann von der SG TSV Kronshagen/Kieler TB für die 8 500 Meter gebraucht und war hochzufrieden: „Ich habe mich von Anfang an gut gefühlt. Das Problem war nur, dass ich die Kontrahenten nicht einschätzen konnte.“ So entschied er sich, das Rennen ganz für sich alleine zu laufen und hatte damit Erfolg. Nicht der erste Glücksgriff für den Norddeutschen im Rhein-Kreis, wo er vor vier Jahren in Neukirchen seine Freundin kennen lernt. Die heißt Svenja Killius, war ebenfalls wieder mit von der Partie und landete am Ende auf Rang 24.
Info Weitere Fotos im Internet unter www.ngz-online.de
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