Von Volker Koch
Man braucht kein Pessimist zu sein, um festzustellen, dass die Chancen auf den elften Titel für den TC Blau-Weiss Neuss gleich Null sind: Nach der gestrigen 1:8-Niederlage im ersten Endspiel um die Deutsche Tennis-Mannschaftsmeisterschaft gegen Etuf Essen geht es im morgigen Rückspiel nur noch darum, das Gesicht zu wahren.
Gratulation an den Sieger, dazu hatten die Neusser Tennisprofis gestern reichlich Gelegenheit angesichts der Tatsache, dass sie nur einen einzigen Punkt holten. Hier beglückwünscht Jacobo Diaz (links) den Essener Magnus Gustafsson zu dessen 6:1, 6:4-Erfolg. NGZ-Foto: -woi
Und das ist das erklärte Ziel der blau-weissen Mannschaftsleitung: "Das war bitter heute, aber leider nicht zu ändern", bilanzierte Teamchef Lutz Steinhöfel gestern Abend kurz vor 19 Uhr, als ein angesichts des klaren Ergebnisses erstaunlich langer, für die Neusser deprimierender Tennis-Nachmittag vor knapp 2000 Zuschauern an der Jahnstraße zu Ende gegangen war, und versprach: "Am Sonntag werden wir in Essen versuchen, besser auszusehen".
Ähnlich sieht es Cheftrainer Marc Raffel: "Vincenzo Santopadre ist auf dem Weg nach Neuss, wir rechnen auch mit Luis Horna, so dass wir im Rückspiel eine stärkere Mannschaft aufbieten können als heute. Unser Ziel muss sein, uns in Essen so teuer wie möglich zu verkaufen". Das taten die, die gestern auf dem Platz standen, sicher auch, nur: Angesichts der spielerischen Überlegenheit des Titelverteidigers, dessen Nummer sechs, Sebastian Prieto, als 186. der ATP-Weltrangliste 70 Plätze besser postiert war als die Neusser Nummer vier, reichte alles Bemühen nicht.
Zumal die Gastgeber mit dem Handikap fertig werden mussten, einen Punkt gleich kampflos quittieren zu müssen: Guillermo Canas war eigens aus Buenos Aires eingeflogen worden, um wegen seiner Gipsmanschette am linken Handgelenk sein Spiel gegen Christian Ruud "abzuschenken". "Es tut mir in der Seele weh, dass ausgerechnet wir so etwas tun müssen, aber es ging nicht anders", rechtfertigte BW-Leistungsreferent Elu Hansmann die Maßnahme, "ohne ihn hätten wir nur mit fünf Spielern da gestanden.
Und es spricht für den Teamgeist von Guillermo, dass er sich überhaupt auf so etwas eingelassen hat". - "Das ist nicht gut für die Bundesliga insgesamt, " kritisierte Etuf-Teamchef Eric Jelen, fand aber angesichts des 8:1-Endergebnisses versöhnlichere Worte: "Es hätte auch enger ausgehen können, zwischenzeitlich sah es ja danach aus". Denn trotz eines 5:1-Zwischenstandes nach den Einzeln kam in den Doppeln noch einmal so etwas wie Spannung auf, schien sich Blau-Weiss plötzlich die Möglichkeit zu eröffnen, noch bis auf 4:5 heranzukommen.
Denn Diaz/Ventura und Martelli/Winnink hatten ihre ersten Sätze jeweils gewonnen, Browne/Arnold das Spitzendoppel gegen Gustafsson/Ruud nur im Tie-Break verloren, dafür aber den zweiten Satz schnell mit 6:2 für sich entschieden. Doch es reichte nicht, "weil sich unsere Spieler noch einmal richtig 'reingehangen und konzentriert haben", kommentierte Jelen das Happy-End aus Sicht der Essener, die schließlich alle drei Doppel im dritten Satz für sich entscheiden konnten. "Hier wurden ja schon Stimmen laut, wir sollten es knapper machen, damit für Sonntag noch etwas Spannung da ist, aber so etwas machen wir nicht", trat der Ex-Daviscup-Spieler Gerüchten über eine "Stallregie" entgegen.
Jelen ist überzeugt: "Unsere Zuschauer kommen auch nach dem 8:1, denn sie wollen sehen, wie wir Meister werden und mit uns feiern. Und wenn die Neusser tatsächlich eine stärkere Mannschaft auf die Beine gestellt bekommen als heute, dann wird es auch noch interessante Spiele geben". Wobei noch nicht sicher ist, ob und in welcher Verfassung Federico Browne morgen ins Geschehen eingreifen kann: Der Argentinier gewann nach 5:3-Führung gegen Mikael Tillström kein einziges Spiel mehr und klagte hinterher über starke Magenschmerzen, die ihn auch im Doppel sichtlich behinderten.
Es hätten ruhig ein paar Zuschauer mehr sein können als die knapp zweitausend Besucher, die zum gestrigen ersten Endspiel um die Deutsche Tennis-Mannschaftsmeisterschaft zwischen Blau-Weiss Neuss und Etuf Essen an die Jahnstraße gekommen waren. Doch angesichts der Anti-Werbung, die tags zuvor im Lokalfunk über den Äther gegangen war, durfte wohl auch nicht viel mehr erwartet werden. Eine richtige "Endspiel-Stimmung" kam gestern überhaupt erst in den Doppeln auf, als es noch einmal spannend wurde.
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