Der HTC SW Neuss hat den Befreiungsschlag im Kampf um den Klassenerhalt in der Hallenhockey-Bundesliga verpasst. Nach schwacher Leistung unterlag Schwarz-Weiß dem Schlusslicht Rheydter SV daheim mit 4:7.
Chance für Rheydter SV
Bereits morgen Abend (19.30 Uhr) könnte Rheydt mit einem Heimsieg über Krefeld punktemäßig mit Neuss gleichziehen. Der Tabellenführer hatte am Samstag ohne seine bei der Champions Trophy aktiven Nationalspieler Linus Butt und Oskar Deecke in Düsseldorf mit 4:9 verloren.
Clever ist anders! Bei der 4:7-Heimpleite (Halbzeit 0:2) gegen den bis dahin punktlosen Tabellenletzten Rheydter SV machte Gastgeber HTC SW Neuss so ziemlich alles falsch, was in diesem Match falsch zu machen war und muss damit plötzlich wieder um den Klassenerhalt in der Hallenhockey-Bundesliga West zittern.
Die eigentlich in allen Belangen unterlegenen Gäste hatten im für sie überlebenswichtigen Duell den im Fußball schon fast vergessenen Catenaccio feinster italienischer Prägung aus der Mottenkiste hervorgekramt. Ein taktisches Mittel, das selbst ihrem Coach André Schiefer recht unangenehm aufstieß: "Natürlich wäre ein offener Schlagabtausch für die Zuschauer interessanter gewesen, aber den hätten wir ganz bestimmt verloren." Die 6:11-Hinspielschlappe hatte ihn nämlich gelehrt, "dass Neuss hinten schwächer ist als vorne." Also machte der Aufsteiger die Schotten dicht, unterband auf diese Weise die Anspiele ins Zentrum auf Goalgetter Sebastian Draguhn.
Diese Spielweise ging jedoch nur deshalb auf, weil sich die Schwarz-Weißen im Auslassen selbst hundertprozentiger Torchancen gegenseitig überboten. Allein im ersten Abschnitt landete der Ball zwei Mal am Gebälk, setzte Sebastian Draguhn einen Siebenmeter neben das Tor. Dazu zeigte Polens Nationalkeeper Marcin Pobuta im Kasten des RSV eine famose Leistung. Seine Vorderleute begnügten sich mit gelegentlichen Attacken – und hatten damit Erfolg: Zwei Mal setzte sich Torjäger Matthias Gräber auf der rechten Außenbahn durch und düpierte HTC-Schlussmann Martin Wagner mit Schüssen aus spitzem Winkel (10./29.).
An diesem Bild änderte sich auch nach dem Seitenwechsel nichts. Gräber markierte per Konter das 3:0 (32.) für Rheydt und unmittelbar nach dem 1:3 (34.) von Steven Dühr bestrafte André Otten den geradezu naiven Auftritt der Gastgeber mit dem 4:1 (35.) für den Neuling. Genauso ging es weiter: Zahnlose Neusser, deren Angriffsspiel die zunehmende Ratlosigkeit dokumentierte, vergaben ihre wenigen, aber hochkarätigen Gelegenheiten fahrlässig – auch Gregor Steins patzte beim Siebenmeter –, die Rheydter konterten sich nach Herzenslust zum Sieg: Der Ex-Neusser Uli Klaus traf zum 5:1 (49.) und 6:2 (52.), Gräber steuerte den Treffer zum 7:3 (58.) bei.
Die Tore von Thomas Draguhn (2:5/50.), Sebastian Draguhn (3:6/ 56.) und Philipp Weide (4:7/60.) vermochte die Laune ihres Trainer Andy Bauch nicht mehr zu heben: "Ich bin deshalb frustriert, weil wir uns zu dämlich angestellt haben."
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