Neuss (NGZ). Ein Vierteljahrhundert lang schon gibt das Berufsförderungszentrum Schlicherum Menschen eine Chance, bei denen nicht alles im Leben glatt gelaufen ist. 200 Teilnehmer jährlich bereiten sich im BFZ auf das Berufsleben vor.
Das Pappmaché-Nashorn, Gemeinschaftsarbeit eines früheren Werkstattjahres, begrüßt die Besucher. Im Frisiersalon gönnt sich eine junge Frau eine Maniküre; die Schülerinnen des Hauswirtschaftsbereichs bieten Obstkuchen an und versorgen die Gäste mit Getränken, während sich Jungen in der Holzwerkstatt an Nagelbrett und übergroßen Knobelspielen versuchen: Es ist "Mitmachtag" in der Nebenstelle Further Straße des Berufsförderungszentrums Schlicherum (BFZ Schlicherum).
Gerade haben 30 junge Leute ihre Zeugnisse bekommen, und es kam Feierlichkeit auf: Sie haben den Hauptschulabschluss in der Tasche – nachträglich am BFZ Schlicherum erworben, das gerade 25-jähriges Bestehen begeht.
BFZ Schlicherum
Gründung Der Berufsförderungszentrum wurde am 29. Oktober 1985 als Privatinitiative gegründet, um arbeitslosen Jugendlichen Berufsvorbereitung oder Berufsausbildung zu bieten.
Erst-Vorstand Angelika Quiring-Perl, Hermann-Josef Dusend, Monsignore Karl Franssen und Thomas Nickel, der im Jubiläumsjahr Vorsitzender ist, sowie Stellvertreter Georg Schmitz.
"Das wird es so nicht mehr geben", bedauert Michael Stork, Geschäftsführer des Trägervereins, inmitten des fröhlichen Treibens, "künftig werden wir keine Hauptschulabschlusskurse, sondern nur noch berufsvorbereitende Maßnahmen der Bundesagentur für Arbeit anbieten können." Flexibilität, so scheint es, ist eine der gefragtesten Eigenschaften in seiner Position: "Wir können normalerweise höchstens sechs Monate im Voraus planen, müssen immer wieder auf aktuelle Maßnahmen reagieren", sagt er. Und ist doch froh, dass das BFZ seinen 25. Geburtstag feiern kann: "Ende 2004 wäre unsere wechselvolle Geschichte beinahe beendet gewesen, weil sich die Vergabeverfahren für die ausgeschriebene Maßnahmen verändert hatte und die regionale Anbindung eines kleinen lokalen Trägers, wie wir es sind, nicht mehr zählte", erinnert er sich, "doch die Gründung der Arge war unser Rettungsanker, und inzwischen sind wir breiter aufgestellt."
Zehn Maßnahmen bietet das BFZ aktuell. Sie werden jedes Jahr an den drei Standorten – Schlicherum, am Burggraben und an der Further Straße – von rund 200 Teilnehmern durchlaufen. Es sind junge Menschen bei denen bisher nicht alles glatt lief, die eine Krise zu bewältigen hatten oder Sprachschwierigkeiten haben. Hier können sie sich auf das Berufsleben vorbereiten. Überdies haben bislang 154 junge Leute auf dem "dritten Weg" erfolgreich eine Berufsausbildung zum Fachlageristen abgeschlossen.
Was aber haben Rennfahrer Niki Lauda und der russische Komponist Sergej Prokofjew gemeinsam? Beide haben Namensvettern, die an Fördermaßnahmen im BFZ teilgenommen haben – mit Erfolg: Der 19-jährige Sergej ist glücklich, dass er einen Ausbildungsplatz sicher hat. Er beginnt in einem Handwerksbetrieb seine Tischlerlehre.
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