Neuss: Ein Besuch im Weihnachtsland
Neuss (NGZ) Nordstadt „Achtung! Es können Engel vom Himmel fallen!“ Die Gefahr war nicht gering, schließlich schwebten die Wesen hoch über den Köpfen der Menschen, und wenn das eine oder andere das Schicksal ereilte, in irdische Gefilde herab sinken zu müssen, wurde - nein, nicht die (Jakobs)Leiter - eine schnöde Stange herbeigeholt.
Damit der Haken an deren Spitze die Schlaufe an Engels Körper auch wirklich erwischte, brauchte es auf Menschenseite möglichst eine Körpergröße von 1,80 Meter, mindestens aber eine ruhige Hand und viel Fingerspitzengefühl.
Doch von einem Engel-Sturz ist glücklicherweise nichts bekannt geworden; auch Aufschiebunfälle unter den Menschen wurden nicht verzeichnet - dabei hätten sie bei einer Wahrscheinlichkeitsrechnung wohl die höchste Zahl eingenommen. Die Gemeinnützigen Werkstätten Neuss (GWN) hatten ihren Leuchtenhof in der Morgensternsheide wieder in ein wunderschönes Weihnachtsland verwandelt - und die Besucher schoben sich rudelweise durch die Halle.
Am Samstag, so musste Betriebsleiter Klaus Hempel zwar feststellen, waren es nicht so viele wie im Vorjahr („Regen ist immer schlecht für uns“), aber am Sonntag strömten die Menschen im Familienverband oder einzeln ununterbrochen, so dass er zuversichtlich ist, am Ende wieder auf die erwarteten und gewohnten rund 4000 Besucher zu kommen.
Viele von ihnen sind offenbar Stammgäste; wissen, dass die Auswahl an Gestecken und Dekoartikeln für die heimischen vier Wände in ihrem handwerklichen Niveau ebenso überzeugend ist wie die Ausstellungsarchitektur der GWN-Crew.
Da wird nichts dem Zufall überlassen: Das Glasdach wird mit einem weißem Himmel abgehängt; Arbeitsecken verschwinden hinter dicht gewebter Gaze; Stellwände sind stimmungsvoll gestrichen; die Regale haben die Form von Tannenbäumen; der Laufweg auf dem Boden ist mit feinem Sand ausgestreut und seine Ränder sind mit Rindenmulch markiert. Im Kamin scheint ein lustiges Feuerchen zu prasseln - dank kleiner Lämpchen unter gelbem Krepppapier und pyramidenförmig aufgestellten Ästen.
Schon im März beginnt unter der Gruppenleiterin Maria Davids - einer gelernten Gärtnerin und Floristin, die auch den Titel „Art Director“ verdient hätte - die Planung der Adventsausstellung; die heiße Arbeitsphase setzt im November ein, denn etwa 2000 Gestecke müssen im gekühlten Treibhaus auf Lager sein, wenn der Startschuss für die Ausstellung fällt.
Rund 70 gehandicapte Mitarbeiter der GWN, dazu 20 hauptamtliche und 80 ehrenamtliche Helfer sind letztlich mit der Veranstaltung beschäftigt, die laut Hempel „eine schwarze Null“ liefert, aber vor allem dazu dient, die behinderten Mitarbeiter in ihrer handwerklichen Fähigkeit wie auch im Selbstwertgefühl zu stärken. Beides gelinge von Jahr zu Jahr mehr, sagten Hempel und Davids zufrieden. Die Qualität der Arbeiten und die fröhliche Stimmung geben ihnen Recht.


















