Sozialpsychatrisches Zentrum der Diakonie in Neuss: Flexible Hilfen für psychisch Kranke
Sozialpsychatrisches Zentrum der Diakonie in Neuss (NGZ) Nichts ist wie vorher für jemanden, der psychisch krank ist. "Ziele wie eine Familie, ein eigenes Haus oder eine Ausbildung werden unrealistisch", erklärt Gilbert Artischewski, Leiter des Sozialpsychiatrischen Zentrums (SPZ) des Diakonischen Werkes Neuss. Der Psychologe und seine 13 Mitarbeiter der evangelischen Kontakt- und Beratungsstelle kümmern sich um Menschen, die soziale Traumata erlebt oder einen Menschen verloren haben, zu dem sie eine intensive vertrauensvolle Beziehung hatten.
Auch häufige Frustrationen und finanzielle Not sind soziale Faktoren, die mit zu psychischen Erkrankungen wie Depressionen, Psychosen oder Schizophrenie führen können. Nach einer Behandlung in einer Klinik sind die Betroffenen oftmals mit ihrem Alltag überfordert. Da setzt die Arbeit des SPZ am Stadtarchiv an. In einem ersten Gespräch mit dem Kranken oder Angehörigen führt SPZ-Mitarbeiterin Karin Schmitt ein "Clearing" durch: es wird zunächst festgestellt, welcher Hilfe der Klient benötigt. Er kann an drei bis fünf Vormittagen die Tagesstätte besuchen, Beratungsgespräche und Begleitungen in Anspruch nehmen.
Wenn eine intensivere Fürsorge erforderlich ist, bietet das Diakonische Werk einen betreuten Wohnplatz an oder stellt einen gesetzlichen Betreuer zur Seite. In einer Art Vertrag schreiben Mitarbeiter und Klienten gemeinsam Ziele und Methoden der Hilfeleistungen sowie Indikatoren fest, an denen mindestens alle sechs Monate die erzielten Fortschritte überprüft werden. Das sozialpsychiatrische Angebot strebt eine psychische Stabilisierung, die soziale Wiedereingliederung und eigenverantwortliche Versorgung des Klienten an.
Bereits in einem 1976 in der Hymgasse eröffneten Büro des Diakonischen Werkes gab es Freizeitangebote für psychisch erkrankte Menschen. Im Stockwerk darüber wurde in einer kleinen Wohngemeinschaft das erste "Betreute Wohnen" eingerichtet. Heute stehen in ganz Neuss verteilt 55 Plätze in Einzelwohnungen und Wohneinheiten für zwei bis sieben Menschen zur Verfügung. Zu Beginn, vor zehn Jahren, hatte die Tagesstätte im Hof-Café gerade einmal fünf Besucher, heute kommen 21 psychisch kranke Menschen regelmäßig in die im Herz-Jesu-Altenheim angemieteten Räume. Die Männer und Frauen treffen sich dort zur Arbeits- und Beschäftigungtherapie, treiben Sport, kochen mittags und backen den Kuchen für das Café.
Sergio L. zum Beispiel ist seit drei Jahren dabei. Der 43-jährige Schweißer fertigt nach der Vorlage eines Künstlers Vögel aus Schrott. Neben handwerklichen stehen kreative Arbeiten auf dem Plan. Ergotherapeutin Elisabeth Geuer erläutert: "Wir wählen die Beschäftigung je nach Krankheitsbild aus. Jede Arbeit fördert eine andere Fähigkeit, Buchbinden beispielsweise die Konzentration."
Auch alltägliche Handgriffe wie der Umgang mit der Waschmaschine können hier wieder neu erlernt werden. Marian K. lobt die "aufbauende Wirkung" der Tagesstätte: "Wir werden hier wirklich motiviert. Keiner muss traurig oder apathisch herumsitzen." Dank des Sozialpsychiatrischen Zentrums musste er nicht länger im Alexius-Krankenhaus bleiben. Ohne Förderung durch die öffentliche Hand wäre die Arbeit der evangelischen Einrichtung nicht möglich: 54 Prozent der laufenden Kosten werden durch Zuschüsse vom Land und vom Kreis Neuss bezahlt.
Aufgrund von Kürzungen der Landesmittel stehen im Haushalt 2003 des Fachbereichs Sozialpsychiatrie Einsparungen in Höhe von zehn Prozent an. Gilbert Artischewski ist fest entschlossen, das Defizit ohne Entlassungen zu kompensieren. Er ist froh über jede Unterstützung von seiten der Kommune wie der Kirchengemeinden: "So lange diese Arbeit unterstützt wird, lohnt sie sich und macht Spaß." Cordula Schmid


















