Neuss: Gröhe: CDU bleibt ökumenisch
Neuss (NGZ) Der Neusser Hermann Gröhe managt seit Herbst als Generalsekretär die Bundes-CDU. Die Freude über Amt und 100-Tage-Bilanz trübt Kritik aus dem Heimat-Kreisverband. Willy Wimmer, Ex-MdB aus Jüchen, stört die Harmonie.
Der "Leichlinger Kreis"
Leichlingen im Rheinisch-Bergischen Kreis ist Namenspate für eine einflussreiche Gruppe von CDU-Politikern in Berlin. Kanzlerin Angela Merkel stützt sich auf viele Mitglieder dieses in den 1980er Jahren vom CDU-Europapolitiker Herbert Reul gegründeten Netzwerkes. Dem Leichlinger Kreis werden u. a. Norbert Röttgen, Hermann Gröhe, Ronald Pofalla und Peter Hintze zugerechnet.
Rhein-Kreis Schnittmengen gab es viele. Willy Wimmer (65) war Vorsitzender des CDU-Bezirks Niederrhein, Hermann Gröhe (48) CDU-Chef im Rhein-Kreis. Sie gehörten gemeinsam 15 Jahre der CDU/CSU-Bundestagsfraktion an, gemeinsam traten sie im Wahlkampf auf. Jetzt der Bruch? Willy Wimmer schießt vom politischen Alterssitz in Jüchen Botschaften ab, die seinem einstigen Weggefährten aus Neuss weh tun müssen. Denn während Gröhe in Berlin die CDU im nordrhein-westfälischen Vorwahlkampf auf Erfolgskurs zu trimmen sucht, sorgt Wimmer an der heimatlichen Basis für Zündstoff. Gröhe mag Wimmers Äußerungen nicht kommentieren, aber sie ärgern den praktizierenden Christen mehr als er zugibt.
Es geht um das C im Namen von Deutschlands mitgliederstärksten Partei. Präziser formuliert: Es geht darum, wie viele katholische Elemente im C der CDU noch enthalten sind. Absender der Kritik ist Willy Wimmer. Der hatte in einem Interview mit der Katholischen Nachrichtenagentur der Kanzlerin und CDU-Vorsitzenden Angela Merkel vorgeworfen, gemeinsam mit ihren Vertrauten Hermann Gröhe, Ronald Pofalla und Peter Hintze "das eigentliche und rein evangelische Machtzentrum" der Partei in Berlin zu bilden – und stellt den Zusammenhang mit Merkels Kritik an Papst Benedikt XVI. vom vergangenen Jahr her.
Droht der Union nun der konfessionelle Spaltpilz? Hier die katholischen Rheinländer, die sich nicht mehr in der CDU-Politik wiederfinden? Dort evangelische Rheinländer an den Schalthebeln der Berliner Machtzentrale? Verkommt Adenauers historische Leistung, das rein katholische Zentrum in eine christlich-demokratische Union zu weiten, zur Makulatur? Gefährden konfessionelle Zuordnungen die Einheit der C-Partei? Man könnte es meinen. Ein "Arbeitskreis engagierter Katholiken" (AEK) in der CDU ist gegründet. Den lehnt aber auch Wimmer kategorisch ab.
Gröhe reagiert, wie der Generalsekretär reagieren muss: gelassen – zumindest nach außen. Er will den Kritiker aus dem eigenen Kreisverband nicht unnötig aufwerten. Stattdessen sucht Gröhe den Spaltpilz zu zertreten, noch ehe er sich breit machen kann: "Die CDU ist seit ihrer Gründung ein überaus erfolgreiches ökumenisches Projekt." Das habe auch der CDU-Bundesvorstand unterstrichen, in dem er auf seiner Klausurtagung Mitte Januar mit dem Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch und der Landesbischöfin Margot Käßmann die Spitzen der beiden großen christlichen Konfessionen zum Gedankenaustausch eingeladen habe. Hermann Gröhe: "Die Verwurzelung unserer Politik in christlichen Werten immer wieder zu verdeutlichen, ist mir ein wichtiges persönliches Anliegen."


















