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Neuss: Ab in die Baugrube

VON HELGA BITTNER - zuletzt aktualisiert: 30.12.2007 - 22:09

Neuss (NGZ). Neuss Wenn das keine Steilvorlage ist: Da wird ein Hauptstraßenzug monatelang zur Baustelle, aber noch vor der Fertigstellung kurzfristig und provisorisch wieder zugemacht, damit schützenfestliche Traditionen gepflegt werden können. Danach dürfen die Bauarbeiter weder ran. . .

 Foto: NGZ-Online
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Lange bevor jedweder Rechnungshof solcherlei Umgang mit Steuergeldern prüft, stellen die Stunker vom Theater am Schlachthof (TaS) den Pranger auf.

Und entwickeln dafür ein ganz eigenes Szenario: Sie lassen den Kämmerer in die Baugrube hineinmarschieren, schicken Politiker wie Bush, Schröder und Putin hinterher, sicherheitshalber auch „alle Sabbelzwerge und Politeierschaukler bei uns in Neuss“ samt „Schnarchnasen der Großen Koalition“ und machen dann den Deckel drauf. „Darüber können die nur froh sein!“ Warum? Weil die Schaulustigen drum herum sonst „vor Ekel rein brechen“ könnten. . .

Foto: NGZ-ONline

An dieser Stelle wächst sich der „Fluch der Kamelle“ wahrlich zum Bannstrahl aus. Nicht umsonst leiten Sabine Wiegand, Holger Girbig und Halil Yavuz dieses mit „Aufreger“ betitelte Kapitel der Stunk-Sitzung des TaS in der Wetthalle auch mit den Worten „Jetzt ist Schluss mit lustig!“ ein.

Da überschreitet der Stunk die Grenze von der geistreichen Comedy zum Kabarett und zeigt, was er eben auch sein muss: sarkastisch und politisch. Bis dahin aber (und danach auch wieder) ist der Abend auf Lachen programmiert. So mancher Witz kommt jedoch eher harmlos daher. Die Spitzen gegen Neusser Befindlichkeiten etwa treffen zwar den Punkt, aber waren schon mal schmerzhafter.

Foto: NGZ-Online

Und dennoch: Was Martin Maier-Bode und Jens Neutag als Texter, das achtköpfige Ensemble auf der Bühne und das Team hinter den Kulissen mit der 14. Auflage des Neusser Stunk auf die Beine gestellt haben, garantiert einmal mehr ein Karnevals-Erlebnis der besonderen Art.

Inklusive eines Besuchs auf der Sozen-Alm - eine herrliche Parodie auf die Zustände in der SPD rund um den „Becköhi“, „Geißenpeer“ und die „Biene Stein-Maja“ -, des Genusses von wunderbaren Song-Umdichtungen („Neuss je t’aime“ oder der Bossa Nova „Schuld war’n nur die 68er“) und Fernsehparodien (Volkstümliche Schlagerparade) sowie der Begegnung mit skurrilen Typen (Rettungssanitäter, Proll-Mutter).

Foto: NGZ-Online

Für Auge (Kostüme: Britta Bremer) und Ohr (hervorragend: dee band) zudem kongenial umgesetzt und von einer deutlich besseren Bühnentechnik unterstützt.

Das mit Jens Kipper, Ilva Melchior, Carolin Stähler und Hilal Yavuz runderneuerte Ensemble, dessen solides Fundament indes die altgedienten Stunker Sabine Wiegand, Harry Heib, Holger Girbig und Jens Spörckmann sind, hat einen viel versprechenden Einstand gegeben.

So mancher von ihnen - etwa Jens Kipper - könnte sich auf Dauer gar als Zugpferd des Stunk erweisen. Ein solches kann die Veranstaltung spätestens dann gebrauchen, wenn Jupp und Pitter („zusammen sind wir Jupiter“) von der Bühne verschwinden.

Harry Heib und Holger Girbig wollen mit dem aktuellen Stunk nämlich die zwölfjährige Karriere ihres Duos beenden. Selber schuld, wenn sie dann eine Zugabe nach der anderen geben müssen. . .

Quelle: NGZ


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