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Neuss: Acument: Jeder dritte Job weg

VON KLAUS D. SCHUMILAS - zuletzt aktualisiert: 23.11.2009 - 21:30

Neuss (NGZO). Der Standort des Automobilzulieferers bleibt erhalten, doch der Preis ist hoch: 133 Beschäftigte verlieren ihren Arbeitsplatz. Wie das Unternehmen die Krise bewältigen soll.

Info

Acument

Acument ist einer der weltweit größten Anbieter von mechanischen Befestigungssystemen für Automobil-, Schwertransporter sowie für die Luft- und Raumfahrtindustrie. Darüber hinaus fertigt Acument seine Produkte für das Baugewerbe und die Elektroindustrie. Acument ging im August 2006 aus der Befestigungssysteme-Sparte des Mischkonzerns Textron hervor und ist im Besitz des Finanzinvestors Platinum Equity.

Horst Reeses Stimme ist gedrückt: "Das ist kein guter Tag für Neuss." Gestern gab der vorläufige Insolvenzverwalter, Dr. Wolf von der Fecht, bekannt, dass gemeinsam mit der Geschäftsführung des Neusser Unternehmens Acument (früher Bauer & Schaurte) und den Arbeitsnehmervertretern ein umfassendes Restrukturierungsprogramm beschlossen wurde. Für den Standort Neuss an der Further Straße bedeutet dies, dass jeder dritte der 371 Beschäftigen seinen Job verlieren wird. Genau 118, dazu noch einmal 15 von 69 Arbeitsplätzen in der Hauptverwaltung.

Reese, 2. Bevollmächtigter der IG Metall Düsseldorf-Neuss, sagte: "Diese Zahl an Entlassungen war aus Sicht des Insolvenzverwalters notwendig – wir haben die Verantwortung für alle Beschäftigten." Die Auftragslage ist schlecht, dazu droht, ein großer Kunde wegzubrechen. Immerhin: Eine Insolvenz wurde verhindert und mit der Gründung einer Transfergesellschaft ebenso der Rutsch direkt in Sozialleistungen.

Betriebsratsvorsitzender Emanuel Pantelakis war gestern den ganzen Tag über bereits in Gesprächen mit Mitarbeitern eingebunden, die schon zum 1. Dezember das Unternehmen verlassen werden. Er sagte: "Wenn Arbeitsnehmer entlassen werden, kann man nie mit dem Verhandlungsergebnis zufrieden sein. Aber es gab keine Altertnative."

Im August des vergangenen Jahres waren die großen Probleme Acuments öffentlich geworden. Der US-Mutterkonzern Acument Global Technologies hatte damals keinen Käufer für seine deutschen Unternehmensteile gefunden. Die US-Firma stellte für ihre sechs Standorte einen Insolvenzantrag – ein Schock für die Mitarbeiter. Die Betriebsräte hatten alle Szenarien durchgesprochen, eine Insolvenz war nicht dabei. Weil, wie der zum vorläufigen Insolvenzverwalter für alle Standorte bestimmte Düsseldorfer Rechtsanwalt Dr. Wolf von der Fecht erklärte, diese Möglichkeit vom Management nie vorher auch nur angedeutet worden war.

Insolvenzgrund war damals eine drohende Zahlungsunfähigkeit. Schon im Sommer vergangenen Jahres war davon die Rede, nach Möglichkeiten zu suchen, um durch eine Restrukturierung eine wettbewerbsfähige Kostenstruktur zu erreichen. Schon damals hatte von der Fecht im Gespräch mit der NGZ analysiert, dass das "Zusammenwirken der Standort nicht ideal" ist. Als Beispiel nannte er, dass es an den fünf Produktionsstandorten fünf verschiedene Buchhaltungssysteme gebe. Von der Fecht: "Derartige Dinge zu verbessern, bringt schon eine erhebliche Ergebnisverbesserung."

Was jetzt genau geschehen soll:

– Die Standorte sollen künftig besser zusammenarbeiten.

– Sämtliche Logistikprozesse sollen zusammengelegt werden.

– Es wird ein einheitliches IT-System für alle Standorte eingeführt.

– Die künftigen Prozesse werden stärker als bisher auf die Kundenbedürfnisse ausgerichtet.

– Es werden an allen Standorten schrittweise insgesamt bis Ende 2010 429 der derzeit 1715 Stellen abgebaut. Das sind 25 Prozent. Davon alleine 133 in Neuss (35 Prozent).

– Die betroffenen Mitarbeiter werden für ein Jahr in eine Transfergesellschaft übergeleitet.

Von der Fecht: "Mir ist bewusst, dass die Mitarbeiter sehr kurzfristig mit einschneidenden Maßnahmen konfrontiert werden. Mit der Einrichtung der Transfergesellschaft möchten wir jedoch die negativen Auswirkungen so gut es geht abfedern. Eine schnelle Umsetzung des Restrukturierungsplans ist Voraussetzung, um das Unternehmen gestärkt aus der Krise zu führen. Ich bin überzeugt, dass uns dies gelingen wird", sagte der Rechtsanwalt gestern.

Quelle: RP

 
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