Neuss (NGZ). Es sollte ein Gag sein, eine einmalige Aktion. Doch mit dem Plan, zum Halbfinale eine Großleinwand auf den Markt zu stellen, eckte ein Neusser ziemlich an. Auch bei der Stadtverwaltung, die sich hinters Licht geführt sieht.
Die Großleinwand, die kurz vor dem WM-Halbfinale auf dem Markt auftauchte, löste erst Erstaunen, dann Ärger aus. Vielleicht ist Gelächter die nächste Reaktion, denn bei der Genehmigung hat sich die Stadtverwaltung regelrecht überrumpeln lassen. "Man lernt nie aus", kommentierte Franz Kolbecher vom Amt für Verkehrslenkung, spricht von "Frechheit".
Am Mittwochmorgen hatte der Inhaber einer Neusser Eventagentur (Slogan: "Wir überraschen mit Effekten, die Sie noch gar nicht kennen!") im Rathaus angerufen. Dort stellt er sich mit dem Anliegen vor, schildert Jürgen Schmitz vom Ordnungsamt, er wolle "in Absprache mit den Gastronomen am Markt" dort für das Spiel am Abend eine Großleinwand aufbauen. Diese Aussage blieb ungeprüft. "In der Eile ging das nicht", sagt Kolbecher. "Und warum sollte jemand so etwas behaupten, wenn es nicht stimmt?"
Polizei: Drei Anzeigen
Nicht so friedlich wie bei den deutschen Spielen zuvor war am Mittwoch die Stimmung in der Innenstadt. Die Polizei nahm vor Ort zwei Anzeigen wegen Körperverletzung auf, gestern kam Nummer drei (Kieferbruch) hinzu. Größere Gruppierungen waren offenbar aneinandergeraten.
Dass diese Behauptung gelogen war, darauf pochen mit Christian Schoepe (Marktcafé) und Harald Boras (Kleeberg) zwei Markt-Wirte, die auch für ihre Nachbarn "Extrablatt" und "Woyton" sprechen: "Wir waren weder Organisator noch Initiator", stellt Schoepe klar. Und: "Es ist dadurch für uns zu definitiven Nachteilen gekommen." Zum Beispiel nach dem Spiel, als es auf dem Markt zu Schlägereien kam. "Stühle flogen, bengalisches Feuer wurde abgebrannt", sagt Boras, "das ging schon ab". In Richtung des Leinwand-Aufsteller schob er nach: "Für ein bisschen Sicherheit muss der schon Sorge tragen." Security-Kräfte aber gab es nicht.
Gregor Beier, Anwalt des Leinwandbesitzers, sprach am Donnerstagabend von der "fixen Idee" eines Fußballverrückten", einer "einmaligen Aktion". Sein Mandant habe sich in der allgemeinen WM-Begeisterung diesen Gag ausgedacht. Eine Übertragung ohne jeden kommerziellen Hintergedanken, ohne Bewirtung, ohne Werbung. Und ohne Toiletten. So kam es, dass, wie sich Peter Rebig von Neuss-Marketing ärgert, Freithof und Zeughaus "vollgepinkelt wurden".
Weil kein Eintritt genommen und keine abgeschlossene Veranstaltungsfläche definiert wurde, so erklärt Schmitz, hätte es für die Vorführung keiner Genehmigung durch das Ordnungsamt bedurft. "Ein Ergänzungsangebot. Da besteht sogar ein öffentliches Interesse." – "Es war doch nur ein Fernseher", sagt auch Ordnungsamtsleiter Uwe Talke. "Juristisch war das kein Public Viewing und deshalb auch nicht dessen Regelungen unterworfen." Auch Franz Kolbecher kommt zu dem Ergebnis, dass er die Erlaubnis zum Aufstellen einer Leinwand nicht verwehren konnte. Aber noch einmal, wird er sich nicht so verladen lassen. "Wir haben gelernt."
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