Neuss (NGZ). Tierschutzorganisationen wie die Katzennothilfe Kitty kämpfen gegen eine ungehemmte Vermehrung frei lebender Katzen. Größtes Problem: die Freigänger. Deshalb soll Haltern eine Kastrationspflicht auferlegt werden.
Neuss/Bettikum Der Vorstoß kommt von den Tierschutzvereinen. Sie fordern, dass nach Paderborner und Düsseldorfer Vorbild ausnahmslos alle Katzenhalter in Neuss verpflichtet werden, ihre Tiere ab dem sechsten Lebensmonat kastrieren und auch kennzeichnen zu lassen. Ein entsprechender Antrag des gerade erst gegründeten Vereins Katzennothilfe Kitty wurde an die Politik gerichtet. Er hat die Rückendeckung des Kreisveterinäramtes, für das Amtstierarzt Dr. Gerhard Fischer betont: "Das ist der richtige Weg." Und er korrespondiert mit den Vorstellungen des Tierschutzvereins Katzenhilfe, der das Tierheim in Bettikum führt, diese Idee auf alle Kommunen des Rhein-Kreises auszuweiten.
Die Kreisverwaltung spricht von einer "unkontrollierten Vermehrung" der Freigängerkatzen – und die Tierheime liefern den Beleg dafür. In Rommerskirchen-Oekhoven wurden im Vorjahr 716 Fundkatzen aufgenommen, in Tierheim in Bettikum 426. "Rekordzahlen", wie Uta Wegener als Vorsitzende des Tierschutzvereins Katzenhilfe betont.
Hintergrund
Warum kastrieren? Immer mehr Katzen heißt auch: Immer mehr Krankheiten und oft elende Lebensumstände. Zu viele wild lebende Katzen erhöhen als Beutegreifer zudem den Druck auf andere Tierarten, die Probleme haben, ihre Brut groß zu ziehen.
Was sagt der Tierschutz? Das Kastrationsgebot verstößt nicht gegen tierschutzrechtliche Bestimmungen. Im Gegenteil, hält die Stadt Paderborn fest, die als erste dieses Gebot erließ.
Gegen diese Katzenvermehrung stemmen sich die Tierschutzvereine. Die Katzennothilfe Kitty etwa unterhält vier Futterplätze im Stadtgebiet und hat so ein Auge auf Freigängerkatzen. Die werden eingefangen, kastriert und – wo eine Vermittlung möglich ist – mit Vertrag an Pflegestellen abgegeben.
Dieser Einsatz bringt den zehn Mitglieder zählenden Verein Kitty an seine Grenzen, wie Ulrike Förster betont. Denn der Katzenschutzbund Düsseldorf, der bislang die Kastration der Katzen bezahlte, will sich aus Neuss zurückziehen. Und um diese Eingriffe aber auch das Futter bezahlen zu können, reicht das Spendenaufkommen bei weitem nicht, sagt Förster. Ähnlich geht es dem Tierschutzverein Katzenhilfe, der als Betreiber eines Tierheimes immerhin Anspruch auf Kostenerstattung durch die Kommune hat. Das deckt zumindest die Lohnkosten, sagt Wegener.
Trotz der Anstrengungen der ehrenamtlichen Tierschutzvereine ist die unkontrollierte Vermehrung der Katzen und ein damit einhergehendes Katzenelend so allein nicht einzudämmen. Denn der Bestand verwilderter oder nur locker über Futterangebote an den Menschen gewohnter Katzen ergänzt sich ständig aus den vorhandenen Freigängerkatzen, die sich mit diesen paaren. "Die nachproduzierten Katzen werden einfach ausgesetzt oder nicht ordentlich versorgt und führen zu einer weiteren Vermehrung des Tierelends", sagt Fischer.
Deshalb setzt das "Paderborner Modell" bei den Katzenhaltern an. "Wir können nur empfehlen", sagt Fischer. Politisch beschließen muss über ein solches Gebot die jeweiligen Kommune als Ordnungsbehörde. In Paderborn ist das erfolgt, auch wenn die Kontrolle schwer ist. Gleichwohl biete es vor allem den Tierschutzvereinen Vorteile. "Wir haben das Recht, Kastrationen vom Halter einzufordern", so Wegener. Und der Verein darf auf alle Katzen an einer Futterstelle zugreifen.
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