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Neuss: Als St. Quirin zu klein wurde

VON DR. MAX TAUCH - zuletzt aktualisiert: 05.11.2009 - 21:30

Neuss (NGZO). Am Samstag jährt sich zum 100. Mal der Tag der Grundsteinlegung für die Kirche Heilige Dreikönige. Die Gemeinde feiert dies mit Festmesse und Konzert. Das Jubiläum selbst wird 2011 zur Kirchweih vor 100 Jahren geplant.

Markantes Gebäude: Die Kirche Heilige Dreikönige, deren Bau vor 100 Jahren begann, gab einem ganzen Ortsteil den Namen.  Foto:  A. Woitschützke
Markantes Gebäude: Die Kirche Heilige Dreikönige, deren Bau vor 100 Jahren begann, gab einem ganzen Ortsteil den Namen. Foto: A. Woitschützke

Wer sich, von Westen kommend, über die Aachener Autobahn der Stadt Neuss nähert, erblickt einen ungewöhnlichen Kirchturm. Mehrfach abgestuft, erhebt sich die haubenartige Turmspitze über die Dächer der umliegenden Häuser. Weithin sichtbar leuchtet als Abschluss ein großes schmiedeeisernes Kreuz mit darauf sitzendem Hahn in den Himmel und über den Stadtteil, dem die Kirche den Namen gab: das Dreikönigenviertel. Morgen vor 100 Jahren wurde der Grundstein zu diesem Kirchenbau gelegt.

Das mittelalterliche Neuss verfügte über eine Vielzahl von Kapellen und Kirchen, zumeist in Verbindung mit den in der Stadt seit Jahr- hunderten bestehenden Klöstern. Sie wurden alle überragt von der hohen, 1741 nach einem Blitzschlag abgebrannten Turmspitze der Stifts- und gleichzeitigen Pfarrkirche St. Quirin. Die Säkularisation 1802 bewirkte die Aufhebung der Klöster und beließ den Neussern lediglich das Quirinusmünster. Waren anfänglich noch für alle Katholiken der Stadt Seelsorge und Gottesdienst durch die Geistlichen der Münsterpfarre ausreichend gewährleistet, so zeigte sich im Laufe des 19. Jahrhunderts immer mehr die Notwendigkeit für die Schaffung neuer Pfarrbezirke.

Info

Fest im Jahr 2011

An den 100. Jahrestag der Grundsteinlegung für die Kirche Heilige Dreikönige erinnert die Gemeinde am Samstag, 7. November, mit einer Festmesse. Diese beginnt um 19 Uhr und wird vom Chor mitgestaltet. Es folgt ab 20.15 Uhr ein Jubiläumskonzert mit dem Marienchor und dem Dreikönigenchor sowie weiteren Solisten. Auf dem Programm stehen das Te Deum von Wolfgang Amadeus Mozart, die 7. Sinfonie von Franz Schubert und die Jubelmesse von Carl Maria von Weber. Eintritt frei Eine Jubiläumsfeier bereitet die Gemeinde nach Angaben von Andrea Wahlen, der stellvertretenden Vorsitzenden des Kirchenvorstandes, für das Jahr 2011 vor. Dann jährt sich die Kirchweihe zum 100. Mal. Ein Arbeitskreis wurde gegründet, der dieses Fest vorbereitet. Und bis zu diesem Termin wird auch eine Festschrift erarbeitet.

Die Überlegung, parallel zu der im Norden entstehenden Mariengemeinde auch in den jenseits des Nordkanals gelegenen Neubaugebieten eine Kirche zu errichten, erhielt Auftrieb, als dem Kirchenvorstand von St. Quirin 1905 testamentarisch ein Barvermögen zufiel mit der Auf lage, die Summe für den Bau einer neuen Kirche zu verwenden. Die Realisierung wurde 1906 dadurch erleichtert, dass die Familie Thywissen ein Grundstück für den Bau anbot und die sechs Geschwister Thywissen zugleich eine Schenkung machten, die im Sinne des Projektes Verwendung finden sollte.

Ein Jahr später beschloss der Kirchenvorstand von St. Quirin die Ausschreibung eines Wettbewerbs. Die Kölner Architekten Heinrich Krings und Eduard Endler sowie der Neusser Architekt Alois Schlösser wurden zur Einreichung von Entwürfen eingeladen. Die Planvorgabe forderte einen großen, freistehenden Kirchenraum und nach Möglichkeit einen Bau weder im nachempfundenen romanischen noch gotischen Stil. Eduard Endler (1860-1932), Mitarbeiter des von Kassel nach Köln übergesiedelten Architekten Heinrich Wiethase, war der Gewinner.

Die Jury zeigte sich nicht nur beeindruckt von der klaren und übersichtlichen Gliederung des geplanten Gesamtbauwerks einschließlich des Pastorats, sondern auch von der ungewöhnlichen Anordnung und Gestaltung des 55 Meter hohen Glockenturms.

Am 7. November 1909, morgen vor 100 Jahren, legte der Kölner Kardinal und Erzbischof Dr. Antonius Fischer – zu dieser Zeit bereits sechs Jahre im Amt – den Grundstein. Er hatte der Absicht eines neuen Kirchenbaus in Neuss wohlwollend gegenüber gestanden, unterstützte er doch die Arbeit des im benachbarten Mönchengladbach gegründeten "Volksvereins für das katholische Deutschland" auf sozialpolitischem und volkserzieherischem Gebiet.

Der Bau schritt zügig voran. Am 1. April 1911 konnten die Leser der NGZ ihrem Blatt die Nachricht entnehmen: "Lustig im Winde flatternd, weit hinausragend über die höchsten Dächer und Giebel, weht auf dem Turm der Dreikönigen-Kirche seit einigen Tagen eine Flagge, die frohe Botschaft verkündend, dass das Mauerwerk des Turmes nunmehr auch vollendet ist." Und im weiteren Verlauf der Meldung berichtet der Chronist: "Überall regen sich fleißige Hände, so auch im Innern der Kirche, wo man die mit der Anfertigung des Gewölbes beschäftigten Arbeiter bis in die späten Abendstunden tätig findet. Wird nun demnächst der innere Verputz und der Bodenbelag, ferner die Fenster-Verglasung in Angriff genommen, so wird die Kirche ihrem lange ersehnten Zweck bald übergeben werden können."

Sechs Monate später, am 31. Oktober 1911, war es dann so weit. Anstelle des kurz zuvor verstorbenen Oberpfarrers von St. Quirin, Peter Josef Harff, benedizierte der bisherige erste Kaplan an St. Quirin und seit dem 28. September 1911 zum Rektor an der Dreikönigenkirche ernannte Joseph Geller das fertiggestellte Gotteshaus. Mit Wirkung vom 1. November 1911, dem Allerheiligenfest, wurde der Seelsorgebezirk Heilige Dreikönige von St. Quirin abgetrennt und zum Rektorat erhoben. Erst am 4. Juli 1915 erfolgte die feierliche Konsekration des Gotteshauses durch den Kölner Weihbischof Josef Müller, nachdem das Rektorat zum 1. Oktober 1914 zur Pfarre erhoben worden war und in Anton Langenbach den ersten Pfarrer erhalten hatte.

Quelle: RP

 
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