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Special: Am Computer gebaut

VON HELGA BITTNER - zuletzt aktualisiert: 19.12.2007 - 21:30

Special (NGZ). Neuss Wenn sich jetzt noch Reste finden ließen, wäre die Sensation perfekt: Etwa 85 Meter dürfte die Brücke lang gewesen sein, die sich einst über die Erft spannte und das heutige Grimlinghausen mit dem römischen Castrum Novaesium verband. Etwa 20 bis 30 Meter von der heutigen Brücke flussabwärts entfernt hat das vermutlich einzig steinerne Bauwerk dieser Art in der ganzen Region gestanden, aus zehn Bögen bestehend, von denen jeder eine Spannweite von sechs Metern hat.

Flussaufwärts 20 bis 30 Meter von der heutigen Erftbrücke entfernt hatten die Römer ihre Brücke gebaut. Sie wurde von neun Pfeilern getragen und war etwa vier Meter breit. Die Neigung der Rampen betrug zehn bis zwölf Prozent.  Foto: NGZ
Flussaufwärts 20 bis 30 Meter von der heutigen Erftbrücke entfernt hatten die Römer ihre Brücke gebaut. Sie wurde von neun Pfeilern getragen und war etwa vier Meter breit. Die Neigung der Rampen betrug zehn bis zwölf Prozent. Foto: NGZ

Tausende von Soldaten dürften auf dieser Brücke marschiert sein, die nach den Forschungen des Archäologe Dr. Carl Pause vom Clemens-Sels-Museum und des Vermessungsdiplomingenieurs Martin Sitz vom Neusser Amt für Liegenschaften und Vermessung direkten Weges zum Tor des Soldatenlagers in Gnadental führte.

Ein Szenario, das um so lebendiger wird, weil Stitz die Berechnungen und archivischen Ausgrabungsergebnisse über die römische Brücke in eine Computeranimation umgesetzt hat, die plastisch zeigt, wie das Bauwerk sich in die damalige Landschaft eingefügte. Über die Brücke verlief einst die römische Fernstraße von Köln nach Xanten; sie war gewissermaßen die Fortsetzung der heutigen Straße „Am Römerlager“. 1586, während des Truchsessischen Krieges, wurde sie zerstört.

Info

Im Internet 

Karten und Schriftstücke aus dem Stadtarchiv Neuss, dem Kreisarchiv Zons und dem Hauptstaatsarchiv Düsseldorf halfen Dr. Carl Pause und Martin Stitz bei ihren Recherchen. Die Computeranimation ist auf der Internetseite der Stadt Neuss abzurufen (www.neuss.de/downloads/roemerbruecke.wmv) und wird auch im Clemens-Sels-Museum zu sehen sein.

Zwei Aquarelle und eine Karte sowie die schriftlichen Beschreibungen das Castrum-Ausgräbers Constantin Koenen haben Pause und Stitz auf die Spur gebracht. Im Stadtarchiv hat der Archäologe Zeichnungen aus dem 17. Jahrhundert gefunden, die Ruinenreste und auch den von Koenen beschriebenen Obelisken als Grenzstein aufwiesen. „Er hat genau am Fuß der Brückenrampe gestanden“, sagt Pause. Für Stitz’ Berechungen wurde der Obelisk zum wesentlichen Punkt beim Aufmessen des gesamten Areals. Was sich im Nachhinein wie eine recht einfache Geschichte anhört, war eine äußerst kleinteilige und schwierige Angelegenheit.

„Es gab viele Ungenauigkeiten“, erzählt Sitz, „aber ich habe mich auf Punkte konzentriert, die damals schon da waren und heute immer noch existieren“. Dabei konnte er sich auch auf einen Katasterplan von 1858 stützen, rekonstruierte die Bauweise der Brücke anhand von Beispielen und Berechnungen: „Wir wissen ja, wie die Römer Brücken bauten“, sagt er, hat dafür die einzig gut erhaltene in Trier in Augenschein genommen.

Wenngleich Pause und Stitz nicht mit absoluter Sicherheit über das Äußere des Bauwerks urteilen können, so wissen sie doch genau, dass es aus Steinen errichtet wurde und über eine imposante Größe verfügte: „Das ging auch gar nicht anders“, meint Pause, „denn das römische Lager in Neuss gehörte zweifellos zu den bedeutendsten“.

Die Hoffnung, eines Tages noch Reste der Brücke zu finden, sei jedoch verschwindend gering. Ein Bogensteinsegment hat Stitz in einer Garage gefunden, verbaut in einer Mauer wie vermutlich die meisten steinernen Reste aus römischer Zeit: „Die Bauwerke wurden wie Steinbrüche genutzt“, sagt Pause. Die letzten nennenswerten Ruinen hat offensichtlich Koenen 1887 gesehen; bei Niedrigwasser der Erft, wie er laut Pause beschrieb.

Inzwischen hat die Erft ihren Lauf jedoch verändert. In römischen Zeiten schlängelte sich der Fluss direkt auf den heutigen Sporthafen zu; deswegen sind sich Pause und Stitz auch sicher, dass dort auch der römische Hafen angelegt war: „Bei einem Lager dieser Größe hat man die Transportwege so kurz wie möglich gehalten.“

Quelle: NGZ

 
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