Feuilleton (NGZ). Neuss Der schrille Pomp eines Halloween-Spektakels liegt über der Skid Row, eine Straße der gescheiterten Existenzen. Mitten drin: „Der kleine Horrorladen“, ein eher defizitäres Blumengeschäft unter der Leitung von Mister Mushnik. Sein Laden ist der Schauplatz des gleichnamigen Musicals von Alan Menken und Howard Ashman, das Alte Post und Musikschule bei den aktuellen Neusser Musikwochen zeigen. Das Stück feierte am Wochenende unter der Regie von Sven Post eine bemerkenswerte Premiere im Globe.
Der „Little Shop of Horrors“, wie das Stück im Original aus dem Jahr 1982 heißt, macht es Künstlern wie Publikum vergleichsweise leicht, einen Zugang zum Werk zu finden. Wer sich von allerlei Kunstblut, abgetrennten Gliedmaßen und einer monströsen, fleischfressenden Pflanze nicht abschrecken lässt, der freut sich über ein makaberes Bühnenfeuerwerk und rocklastigen Orchestersound.
Dabei ist die Inszenierung gleich in mehrfacher Hinsicht etwas Besonderes. Zum einen ist da festzuhalten, dass Darsteller und Musiker ihr Handwerk größtenteils richtig gut verstehen. Und zum anderen gehen das Gruselmusical über die blutgierige Pflanze und der ungewöhnliche Ort, das Globe-Theater, eine höchst fruchtbare Symbiose ein. Die Shakespeare-Bühne und die phantastische Geschichte von Seymour Krelbourn und seiner kuriosen Pflanze bescheren einen zauberhaften Abend.
Eine unwiderstehliche Performance bietet dabei Karima Rösgen in der Rolle der Audrey. Ihre Figur, im amüsanten Wechsel aus devoter Selbstverachtung und naivem Streben nach Spießigkeit angesiedelt, verlangt Wandlungsfähigkeit und eine klare, in einigen Passagen aber auch dreckige Stimme. Rösgen bewältigt den Spagat mit spielerischer Leichtigkeit. Wenn sie von kleinen, gehäkelten Gardinen auf dem Gästeklo träumt, um gleich drauf von ihrem sadistischen Freund, Zahnarzt Orin, in die heimische Folterkammer geprügelt zu werden, dann ist dies zwar extrem schräg, aber auch extrem unterhaltsam.
Auch Edwin Schulz gebührt großes Lob. Er spielt bei der Premiere den Seymour und steht vor der Herausforderung, einem regelrechten Antihelden das gewisse Etwas zu verleihen. Mit Erfolg: Schulz verfügt über eben jenen bemitleidenswert, unschuldigen Gesichtsausdruck, den die Figur erfordert. Dazu kommt eine zwar noch ausbaufähige, aber vor dem Hintergrund der bandlastigen Stücke durchaus passende Stimmqualität.
All die kleinen Spielereien der Inszenierung, wie etwa das kleine Puppentheater am Bühnenrand, das als zeitliche Rückblende fungierte, wären jedoch nichts ohne Audrey II: Die fleischfressende Pflanze, die Seymour erstanden und nach seiner angebeteten Audrey benannt hat, wächst nicht nur ins Gigantische, sondern spricht und mordet. Axel Nass und Claudia Ehrentraut haben dafür eine fantastische Requisite geschaffen, ferngesteuert und beweglich. Annette Glietsch verleiht dem grünen Ungetüm eine soulige Stimme und gehört damit ebenfalls zu den herauszuhebenden Akteuren.
Info Hammer Landstraße, nächste Vorstellungen: Freitag, Samstag, 7. , 8. September, jeweils 20 Uhr, Karten (ab 7,50 Euro) bei der Tourist-Info unter Telefon 0 21 31 / 27 32 42
Die neuesten Nachrichten und Berichte aus Politik, Wirtschaft, Panorama, Sport, Kultur, Gesellschaft, Wissenschaft, Multimedia, Auto,
Reise und Beruf - im Archiv auch gratis recherchierbar. Dazu die besten Bilder, Live-Ticker, Kolumnen und Hintergrundberichte.