Neuss (NGZ). Rhein-Kreis Neuss Mediziner besitzen Humor, eigenwilligen mitunter. Martin Schulte-Mattler gehört auf jeden Fall dazu. Der Neusser Orthopäde, als letzter der vier Referenten beim „NGZ-Gesundheitstag“ vorgesehen, kam ein wenig spät. Was nicht allein an seinen OP-Terminen lag: „Ich wusste gar nicht, dass Ihr hier alles großflächig abgesperrt habt“, begrüßte der Hüftspezialist seine Vorgänger am Rednerpult.
Was wie großflächige Absperrung aussah, waren in Wirklichkeit die fahrbaren Untersätze all jener Besucher, die zum gestrigen vierten „NGZ-Gesundheitstag“ in die Neusser medicoreha gekommen waren. So viele, dass Hausherr Dieter Welsink und NGZ-Redakteurin Ruth Wiedner nur ein gemeinsames Wort für die Resonanz fanden: „Überwältigend.“ Der einzige Schönheitsfehler: Nicht alle fanden Platz im mit mehr als 300 Besuchern überfüllten Vortragsraum - noch einmal halb so viele mussten sich mit praktischen Vorführungen und Verbraucherausstellung begnügen.
„Wir werden uns für die nächste Auflage etwas einfallen lassen“, versprachen Wiedner und Welsink unisono Abhilfe. Die vier informativen, gleichwohl auch für medizinische Laien bestens verständlichen Vorträge sollen nun einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden - mehr dazu in der morgigen Ausgabe.
Mechanische Arthrose
Mechanische Arthrose entsteht durch Verschleiß der Gelenke, ausgelöst
durch den natürlichen Alterungsprozess. Weitere Risikofaktoren sind: Fehlbelastung, Überlastung, Verletzung (etwa des Knie- oder Sprunggelenks) und Übergewicht. Dadurch wird die Belastungsfähigkeit des Gelenkknorpels überschritten.
Eigentlich war die große Resonanz nicht so verwunderlich, sieht man die Zahlen, die Dr. Wolfgang Lemken seinem Referat voranschickte: Mehr als fünfzig Prozent der Über-Dreißigjährigen leiden in Deutschland unter Gelenkschmerzen, „Frauen häufiger als Männer.“ Heilen lässt sich die „oftmals über ganze Generationen einer Familie hinweg greifende“ Krankheit nicht. Auch „völlige Beschwerdefreiheit“ verwies der Neusser Orthopäde ins Reich der Illusion: „Doch es gibt vieles, um die Schmerzen zu lindern und die Lebensqualität zu erhalten.“ Letztere wird, einer nicht-repräsentativen Umfrage unter den Zuhörer zufolge, gleichgesetzt mit „Schmerzfreiheit, Beweglichkeit und Gesundheit.“
Schmerzmindernd können - in aufsteigender Reihenfolge - Medikamente, Cortison-Spritzen, eine Punktierung des betroffenen Gelenks und als ultima ratio eine Operation wirken. Wie die im Bereich der Hüfte verlaufen kann, schilderte am Ende Martin Schulte-Mattler. Und räumte dabei mit dem Vorurteil auf, „zu warten, bis es gar nicht mehr anders geht.“ Die Prothesentechnik sei inzwischen so weit fortgeschritten, dass auch Jüngere vor diesem Schritt nicht zurückschrecken sollten - „wenn sie es wollen und es medizinisch angezeigt erscheint.“
Damit es gar nicht so weit kommt, helfen zwei der natürlichsten Dinge der Welt: Bewegung und eine ausgewogene Ernährung. Doch auch hier erteilte Ernährungsberaterin Corinna Fenneken übertriebenen Erwartungen oder Hoffnungen eine Absage: „Es gibt keine Arthrose-Diät.“ Wohl aber viele Tipps, wie man die nötigen Vitamine und Spurenelemente mit den täglichen Mahlzeiten zu sich nehmen kann - mehr dazu in der morgigen Ausgabe. Wichtig bei allem, ob Essen oder Fithalten, sei es durch Wandern, Radfahren oder Schwimmen,ist für Welsink eines: „Kontinuität ’reinbringen.“
NGZ und medicoreha werden dies in Sachen Gesundheitstage beherzigen - der nächste wird in einem halben Jahr kommen, dann auch für (noch) mehr Interessierte.
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