Neuss (NGZ). Neuss Auf beiden Seiten der Hammer Landstraße waren an der Ecke Willy-Brandt-Straße die Radwege wegen einer Baustelle gesperrt. „So radfahrerfreundlich ist die Stadt Neuss“, kommentierte Dr. Hans Herbert Elend das Gesehene. „Der größte Alptraum ist ja, wenn man von Mc-Donalds über die Kruppstraße nach Derikum fährt; oder die Radwege rund um Uedesheim“, fasst Renate Weiler ihre Eindrücke zusammen.
Zwei Leserzuschriften aus der jüngeren Vergangenheit - ein Thema: Fahrradfahren in Neuss. Ein Thema, dem die Politik keine herausragende Aufmerksamkeit schenkt. Erst auf Drängen der Grünen etablierte sie wieder einen Unterausschuss Radverkehr, der in eineinhalb Jahren gerade zwei Mal getagt hat und erst im November wieder tagen wird. Fahrradfreundlich?
Anfang der 1990er Jahre wollte Neuss das noch werden, fiel aber mit seiner Bewerbung bei der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Städte und Gemeinden in NRW durch. Nach der Eröffnung der Fahrradstation am Bahnhof im Jahre 2003 bekam das Thema neuen Schub, ohne konkret zu werden. „Inzwischen ist Neuss umzingelt von fahrradfreundlichen Gemeinden“, weiß Heribert Adamsky vom ADFC Neuss.
Neben Dormagen, Rommerskirchen und dem Rhein-Kreis Neuss haben auch Städte wie Krefeld und seit kurzem sogar Düsseldorf die strengen Kriterien der Arbeitsgemeinschaft erfüllt. Zum Beispiel, in dem sie der Radverkehrsförderung Priorität beimaßen, die entsprechende Infrastruktur ausbauten oder die Nahmobilität fördern. Darunter versteht die Arbeitsgemeinschaft mehr als eine Stadt der kurzen Wege, definiert Qualitätsstandards und fragt etwa, ob man sich mit dem Rad überall sicher und barrierefrei bewegen kann. Fuß- und Radwege von parkenden Autos freizuhalten ist dabei ein Punkt - und schon da kann Michael Klinkicht (Bündnis 90/Die Grünen) mit seiner Kritik ansetzen.
NGZ-Ortstermin - Das fahrradfreundliche Neuss
Spritpreise auf Rekordniveau und Probleme etwa bei der Parkplatzsuche - Autofahren macht immer mehr Menschen immer weniger Freude. Auswirkungen auf das Kleinklima der Städte wie auch das Welt-Klima kommen hinzu, lassen den Ruf nach Alternativen immer lauter werden. Eine davon: Das Fahrrad, das nach Ansicht vieler Experten gerade auf kurzen Strecken konkurrenzlos ist. Funktioniert das auch in Neuss?
Das ist die Frage beim zwölften NGZ-Ortstermin am Donnerstag, 5. Juni, wenn
das fahrradfreundliche Neuss erkundet werden soll. Treffpunkt ist um 18 Uhr
vor dem Rathaus am Markt. Nach einer kleinen Exkursion wird ab 18.45 Uhr auf
der Rennbahn an der Wetthalle bei Würstchen und Bier mit Experten vertiefend
diskutiert. Wer dabei sein möchte melde sich bitte unter Telefon 02131/404-249,
Fax: 02131/404-249 oder E-Mail kleinau@ngz-online.de an (bitte mit dem Hinweis, ob Sie mitfahren oder zur Rennbahn nachkommen wollen).
Er rechnet der Verwaltung vor, dass in den vergangenen Jahren lediglich der Radweg Friedrichstraße gebaut wurde - und das nur, um das Thema Feinstaub in den Griff zu bekommen. Radfahrer als Instrument der Verkehrsberuhigung. „Paradox“, sagt Klinkicht, der überzeugt ist: „Da die Stadt ansonsten wenig Bemühen zeigt, sehe ich auf Sicht keine Chance.“
Karl Heinz Baum (CDU), Vorsitzender des Unterausschuss Radverkehr, hält von einer Bewerbung wenig, wenn man nicht vorher etwa beim Thema Radwege-Lückenschluss weiter vorangekommen ist. „Man könnte das Thema sicher wieder ansprechen.“ Faktisch ist es so, dass das Verkehrskonzept auch Aussagen zum Radverkehr macht. Allein bei den Lücken im Radwegenetz werden 39 Baustellen benannt, ohne dass eine Prioritätenliste zum Radwegebau angelegt wurde.
Das erfolge immer im Zusammenhang mit anderen Vorhaben, erklärt CDU-Fraktionschef Heinz Sahnen und nennt als Beispiel die Erschließung für das neue Fiege-Logistikzentrum Am Blankenwasser. Wird diese Zuwegung in diesem Jahr gebaut, werden die Löcher im Radwegenetz um einen Kilometer kürzer. Sahnen weiß aber auch: „Die Radwegsituation um Neuss ist hervorragend. Aber bei innerstädtischen Verbindungen - wenn man etwa von Erfttal zum Bahnhof will - gibt es ein Problem.“
Fünf Jahre Radstation
Fahrradstationen sind eine entscheidende Schnittstelle für die
umweltfreundliche Mobilitätskette Fahrrad - Bus - Bahn“: Landesverkehrsminister Oliver Wittke brach im Ausschuss für Bauen und Verkehr in der Vorwoche eine
Lanze für diese besonderen Servicecenter, von denen es landesweit 60 Stück gibt.
Sie helfen dem Land, seinen Ruf als „Radfahrerland Nummer 1 in Deutschland“
zu untermauern. Fast auf den Tag fünf Jahre vor dem Bericht des Ministers wurde die Radstation am Neusser Bahnhof eröffnet, die seitdem von der Caritas betrieben wird. Neben 559 Stellplätzen für Räder, die in drei Schichten bewacht werden, bietet die Einrichtung auch einen kleinen Reparaturservice und Rädervermietung an.
„Wir organisieren auch zunehmend Betriebsausflüge mit dem Rad“, zählt Michael Zahn weiter auf, der Leiter der Einrichtung, die neben zwei Festangestellten derzeit 40 Menschen beschäftigt, die über unterschiedlichste Qualifizierungsmaßnahmen zur Caritas kommen - und jeweils nur neun Monate bleiben dürfen. Ein kostendeckender Betrieb sei so nicht möglich, sagt Zahn, zumal die Radstation den Händlern keine Konkurrenz machen wolle. Der Minister hatte „einen wirtschaftlichen, kostendeckenden
Betrieb“ gefordert und betont, dass die elf privat geführten Stationen wirtschaftlich erfolgreicher seien die gemeinnützigen.
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