Neuss (NGZ). Rosellen „Ich gehe ins Atelier und beginne mit etwas völlig Nebensächlichem, ordne ein paar Zettel, sortiere Fotos, wasche Pinsel aus. Auf der Staffelei steht die Leinwand, weiß, bedrohlich. Ich nehme sie herunter, nehme eine kleinere oder größere. Ich gucke weg, gucke wieder hin.“
Termine
Raiffeisenstraße 8, bis 30. Mai. Besichtigung nur nach telefonischer Anmeldung unter 0 21 37 / 95 50
Ganz genau hingeguckt hat die Malerin Crischa Siegel offensichtlich, als sie auf Teneriffa war. So genau, dass sie die mediterranen Farben, das Licht, die Leichtigkeit und die klaren architektonischen Formen aufgesaugt hat und auf der Leinwand zu Kompositionen vereinigte, die beim Betrachter nur einen Wunsch wecken: Nichts wie weg und ab in den Süden!
Dabei sind die Bilder der Kölnerin, die unter dem Titel „Südliche Architekturen“ im Foyer von Janssen-Cilag ausgestellt sind, alles andere als Idyllen. Nichts Grünes, kein menschliches Wesen, kein Tier, kein Gegenstand wie Mülleimer oder Fahrräder findet sich da. Hier und da Spuren, die von Leben zeugen: die Schatten von flatternden Wäschestücken zum Beispiel. Ansonsten: nur Hauswände, Treppen, Mauern. Selbst das Meer ist völlig unbewegt. Eine einzige blaue Masse mit einem schnurgeraden Horizont. Die Malerin hält sich an Cezanne, der gesagt hat, dass alles in der Welt eine geometrische Form sein kann, „der Tisch ein Quadrat, die Tasse ein Zylinder, der Apfel eine Kugel“.
Und so schafft Crischa Siegel aus den real existierenden Häusern und Mauerecken geometrische Farbbfelder, die zwar die Vorlagen nicht negieren, aber sie neu interpretieren. Der Schatten einer Hauswand oder eines Treppengeländers kann auch Teil der Architektur sein; die Perspektive verändern sich.
„Farben, das Wichtigste, ich stelle sie zusammen, rühre Pigmente an. Die Farbkonsistenz muss fest sein, griffig, materialig“ beschreibt die Künstlerin, die von der Kuratorin von Janssen-Cilag, Andrea Welb, bei einem Ausstellungsbesuch in Köln entdeckt wurde, ihr Vorgehen und enthüllt damit wohl auch das Geheimnis ihrer Malerei, die ungeheuer plastisch daherkommt. In der Foyer-Ausstellung wird das besonders an zwei Bildern deutlich, die zum einen die ersten Großformate Siegels sind und zum anderen extra für den Raum geschaffen wurden: „Rosa Wand“ und „Gelbe Linie in La Orotava“.
Während die rosa Wand auf den ersten Blick unübersehbar ist, weil sie den Großteil des Raums einnimmt und zudem mit ihrer pastosen Oberfläche die Rauheit des Putzes suggeriert, fällt die gelbe Linie auf dem zweiten Bild erst gar nicht auf. In der Realität markiert sie auf dem Straße aufgemalt ein Parkverbot, aber in Siegels rückt sie in den Hintergrund. Zuerst nämlich gehen die Augen lieber auf der Hauswand spazieren, entdecken dabei Farben Unebenheiten, Schmutzspuren auf dem Mauerwerk.
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