Neuss (NGZ). Wie wird das Wetter? Daran hat Birgit Neisser aus der Bäckerei Puppe mit ihren zwölf Filialen großes Interesse. Sie weiß: Bei Sonnenschein wird Erdbeerkuchen gekauft, bei Regen eher Schwarzwälder Kirschtorte. Sie führt Statistiken über den Zusammenhang zwischen Wetter und Umsatz.
Das Wetter bestimmt die Stimmung. Und vor allem den Umsatz. Davon kann Birgit Neisser viel erzählen – und beweisen, wie ein Blick in ihre Statistiken zeigt. Seit Jahren wertet die Mit-Inhaberin der Bäckerei Puppe für alle zwölf Filialen das Wetter und den dazugehörigen Umsatz aus. Sie hat klare Erkenntnisse gewonnen: "Scheint die Sonne, machen wir einfach guten Umsatz. Aber allzu heiß darf es auch nicht sein. "
Metereologen kennen das. Beim Wetterdienst in Offenbach rufen sogar die Bäcker direkt an und wollen wissen, wie das Wetter in den nächsten Tagen wird. Neisser nutzt die Wettervorhersagen im Internet, sie ist auch stark daran interessiert. Denn danach wird gebacken. Einziger Grund: "Wir wollen die Retouren vermeiden." Auf Deutsch: Je besser kalkuliert wird, desto weniger muss am Ende eines schlechten – weil regnerischen – Tages weggeworfen werden. "Bei Regen haben wir Retouren von 25 Prozent."
Das Osterwetter
Der Karfreitag soll mit 13 Grad zwar etwas wärmer werden, Sonne und Wolken wechseln sich aber ab.
Am Samstag setzt sich dann der Regen durch – bei 14 Grad.
Ostersonntag und Ostermontag regnet es den ganzen Tag immer mal wieder.
Die Filialen der Bäckerei Puppe sind Samstag von 6 bis 13 und dann Ostermontag wieder von 8 bis 12 bzw. 11 Uhr geöffnet.
Regnet es an einem Feiertag wie Ostermontag, bleiben die Leute schon mal länger zuhause, schlafen etwas länger, bevor sie zu einem Ausflug oder Besuch aufbrechen. Neisser kennt es von sich und ihrer Familie: "Manchmal reicht uns bei schlechtem Wetter nachmittags dann auch nur ein Toast, wollen wir uns keinen Kuchen holen."
Bei strahlender Sonne aber sieht die Sache ganz anders aus: Da wird Erdbeerkuchen gekauft, ist Stachelbeerbaiser gefragt, gehen die Obstplunder nur so weg – wie sonst nur warme Semmeln.
Das Lieblingswetter von Birgit Neisser und ihren backenden Kollegen ist leichte Bewölkung. "Heiter bis wolkig – das ist das beste. Vor allem sollte es nicht über 24 Grad sein." Neisser sucht sich die Wettervorhersagen jeweils für die folgenden 16 Tage heraus und teilt entsprechendes Personal ein.
Alle Filialen in Neuss, Kaarst, Derendorf, Oberkassel und Stockum haben ihre festen Öffnungszeiten an den Sonn- und Feiertagen. Sie nimmt aber nicht nur das aktuelle Wetter als Basis, sondern auch die Umsätze vom Vorjahr. Für jeden Tag gibt es eine Liste mit den verkauften Brötchen, Teilchen oder Broten – mit dazugehörigem Wetter drauf gemalt.
Im vergangenen Jahr zum Beispiel war das Wetter wie in diesem Jahr, 2008 aber gab's noch Frost. "Das war schlecht für den Umsatz." Gutes Wetter bedeutet für die Bäcker, dass sie mehr backen müssen. Neissers Rechnung: Bei normalem Wetter beliefert sie die Filialen sonntags mit 104 so genannten Dielen á 15 Brötchen. Scheint die Sonne, werden 114 Dielen geliefert, bei strömendem Regen nur 96. Die Spanne bei den Mehrkornbrötchen liegt zwischen 180 und 260 Stück – eben je nach Außentemperatur.
Gutes Wetter heißt: viel Obstkuchen backen. Schlechtes Wetter heißt: Schwarzwälder Kirschtorte, Käsesahne, Schokosahne oder Tusnelda, die berühmten Kirschschnitten, anbieten. "Das alles ist richtiges Schlecht-Wetter-Gebäck."
Aber nicht nur Feiertage wie das Osterwochenende müssen bedacht werden. Jeder verkaufsoffene Sonntag in Düsseldorf, Neuss oder Kaarst wird vorher kalkuliert. Mit einbeziehen muss Birgit Neisser auch das aktuelle Fernsehprogramm: "Wird zum Beispiel eine Königshochzeit mittags übertragen, ist bei uns um die Zeit nichts mehr los – aber vorher wird eingekauft."
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