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Neuss: Biogas gibt Bauern Zukunft

VON CHRISTOPH KLEINAU - zuletzt aktualisiert: 03.03.2010 - 21:33

Neuss (NGZ). Herbert Königs und Christian Nellen haben die Verstromung von Biogas eingestellt. Ohne ein Konzept zur Wärmenutzung war ihr Kraftwerk nicht wirtschaftlich. Jetzt speisen sie als Stadtwerke-Partner ihr Biogas ins Netz ein.

Heinz Runde, Christian Königs, Herbert Nellen und Jörg Geerlings (v.li) präsentieren die neue Biogasanlage.   Foto:    woi
Heinz Runde, Christian Königs, Herbert Nellen und Jörg Geerlings (v.li) präsentieren die neue Biogasanlage. Foto: woi

Herbert Königs und Christian Nellen wollten immer nur eines: als Landwirte mit ihren Betrieben überleben. Weil Viehzucht (die Tierhaltung gaben sie schon vor Jahren auf) und Ackerbau aber kaum noch ihren Mann ernähren, stellten sie 2007 auf Stromerzeugung aus Biogas um. Das Modell trug zwei Jahre, am Samstag aber schalteten sie ihre Blockheizkraftwerke ab. Ihre Zukunft heißt nun Bio-Gas im Erdgasnetz, und ihr Partner Stadtwerke Neuss (SWN). Und das für mindestens zehn Jahre.

Am Mittwoch nahmen die SWN und die "Königs + Nellen Pflanzenenergie GmbH" auf dem Schelmrather Hof der Familie Königs eine Aufbereitungs- und Einspeiseanlage in Betrieb. Über sie kommt das Biogas, das Bakterien in zwei Gäranlagen auf dem Hof bei der Zersetzung von jährlich 10 000 Tonnen Maissilage erzeugen, in das Erdgasnetz. Nachdem es auf Erdgasqualität gebracht wurde. "Dazu muss das Kohlendioxid entfernt werden", sagt Königs, der sich in den 18 Monaten, die Planung und Bau der Anlage gedauert haben, zu einem Biogas-Experten Biogas entwickelt hat.

Info

Kein eigenes Kraftwerk

Mit der Kooperation mit den Biogas-Bauern beerdigen die Stadtwerke die Pläne für ein eigenes Biogas-Kraftwerk am Hafen. Bei Verkauf der alten Firmenzentrale hatte das Unternehmen für diesen Zweck ein Grundstück behalten. Was aus der Flächen nun wird, ist offen.

Gemeinsam haben er und Christian Nellen noch einmal eine Million Euro in die Anlage investiert, die Stadtwerke sind mt 400 000 Euro dabei. In den zehn Jahren, auf die die Kooperation ausgelegt ist, wollen die Bauern ihre Investition reingeholt haben. "Das klappt", sagt Nellen. "Es muss."

Die Verstromung ihres Bio-Gases haben die Landwirte aufgegeben, weil sich auch mit Hilfe der Stadtwerke kein Konzept für die Nutzung der Abwärme aus den Kraftwerken entwickeln ließ. Es fand sich in der Nachbarschaft, die das Biogas-Projekt anfangs zum Teil sehr kritisch sahen, kein Abnehmer. Damit wurde nur knapp die Hälfte der Energie ausgeschöpft. Zu wenig für einen wirtschaftlichen Betrieb. Die Biogas-Einspeisung verspricht eine Energieeffizienz von 75 Prozent.

Mit dem Gas aus Hoisten könnten bis zu 700 Haushalte geheizt werden, erklärte Wolfgang Lenhart, Leiter der SWN-Technikabteilung, die jährliche Einspeisemenge von bis zu 14 Millionen Kilowattstunden Biogas. Aber Abnehmer in diesem System sind andere: Die Stadtwerke, die mit dem Biogas aus dem Netz die Blockheizkraftwerke in den Bädern befeuern, und die Plangemühle im Hafen, die in eigener Anlage nicht nur Strom, sondern auch Wärme und Dampf erzeugt.

Weiter expandieren kann die Auflage auf dem Schelmrather Hof nicht. "Wir haben die maximale Betriebsgröße erreicht", sagt Königs. Ihn beschäftigt eine andere "Expansion" viel mehr. Sollte die Wohnbebauung bis auf 100 Meter an die Anlage heranwachsen, wie von der Stadt als Option vorgestellt, befürchtet er neuen Ärger mit Nachbarn. Das Thema glaubte er eigentlich ausgestanden.

Quelle: NGZ


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