Neuss (NGZ). In Holzbüttgen wurde der Schützenkönig nicht proklamiert, weil er nicht in "geordneten Verhältnissen" lebt. Wer darf denn auf den Vogel schießen? Bezirksbundesmeister empfiehlt "klare Formulierungen" in den Satzungen.
Die Schützenvereine, insbesondere die katholisch geprägten Bruderschaften, sollten ihre Satzungen prüfen und – wenn nötig – anpassen. Mit dieser Empfehlung reagierte Andreas Kaiser auf den "König für einen Tag" in Holzbüttgen.
Der Norfer, Bundesmeister für den Bezirk Neuss im Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften, verweist dabei auf das 1997 verabschiedete Grundsatzpapier, wonach auch Geschiedene Bundeskönig werden können: "Alles weitere wird auf Bruderschaftsebene geregelt."
Die Holzbüttgener St.-Sebastianus-Schützen stehen derzeit ohne König da. Der erfolgreiche Schütze war am Dienstag zunächst nicht proklamiert worden und verzichtete anschließend auf das Amt. Der Grund: Er lebt von seiner Frau getrennt. Das Scheidungsverfahren läuft. Es soll eine neue Partnerin geben.
Leitmotive
Glaube, Sitte, Heimat – das sind die Ideale des Bundes der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften. Glaube steht für die Verbindung mit der christlichen Kirche, Sitte für einen vernünftigen Umgang miteinander sowie das Aufrechterhalten von Traditionen und Heimat für die Liebe zur und die Pflege der Heimat.
Die Satzung verlange aber, so der Vorstand, dass Königsbewerber in "geordneten Verhältnissen" leben müssen. Diese Formulierung ist nach Auffassung von Bezirksbundesmeister Kaiser im heutigen Sprachgebrauch "kaum noch vorhanden". Er leitet daraus die Forderung ab, Satzungen klar zu formulieren und den Interpretationsspielraum gering zu halten.
Aus katholischer Sicht sind "geordnete Verhältnisse" klar geregelt. Diese Meinung vertritt Michael Offer, Präses des Bezirksverbandes Neuss der Historischen: "Es gibt aus katholischer Sicht zwei Möglichkeiten: entweder unverheiratet und allein lebend oder verheiratet."
Auch Offer sieht, dass sich die Bruderschaften geöffnet haben: "Sie bewegen sich aber weiterhin auf katholischem Fundament." Er warne davor, mit einer Bundessatzung alles zu erschlagen: "So werden wir den besonderen Situationen der Bruderschaften vor Ort nicht gerecht."
Rückendeckung erhalten die Holzbüttgener Verantwortlichen aus Grefrath. Volker Meierhöfer, Geschäftsführer der St. Sebastianus-Schützenbruderschaft, erklärte gegenüber der NGZ: "Wir hätten auch Nein gesagt."
Thomas Nickel führt als Präsident der Neusser Schützen einen weltlichen Verein, darum kommentiert er die Vorgänge in Holzbüttgen nicht. Für ihn ist aber klar: "Wer als Schütze in Verantwortung will, der muss sich prüfen, ob er gesellschaftlich so gefestigt ist, dass er den Verein repräsentieren kann."
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