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Neuss: "Capella Quirina" begeistert mit Bach

VON HANSGEORG MARZINKOWSKI - zuletzt aktualisiert: 02.01.2013

Neuss (NGZ). Silvesterkonzert unter Leitung von Joachim Neugart: "Messe h-Moll" von Johann Sebastian Bach im Quirinusmünster.

Der Kammerchor "Capella Quirina Neuss" unter der Leitung von Joachim Neugart im Münster. Foto: Andreas Woitschützke
Der Kammerchor "Capella Quirina Neuss" unter der Leitung von Joachim Neugart im Münster. Foto: Andreas Woitschützke

Silvesterkonzerte finden zum Teil seit Jahrhunderten in Musikmetropolen wie Dresden, Berlin, Salzburg statt. 1995 hat Münsterkantor Joachim Neugart diesen musikalischen Jahresausklang auch in Neuss etabliert, damals erfreuten sich 200 Zuhörer an Musik für Orgel und Trompete.

Längst hat sich das Zuhörerinteresse bei bis zu 500 Besuchern eingependelt, beim letzten Silvesterkonzert am späten Montagabend war der sprichwörtlich "letzte Platz" nicht mehr zu bekommen. Wie zum Jahresende 2004 führte der Kammerchor "Capella Quirina Neuss" unter der Leitung von Joachim Neugart die "Messe h-Moll" von Johann Sebastian Bach auf.

Die Komposition

Wie Bachs Werk zu seinem Namen kam

Erfunden Die Messe h-Moll von Johann Sebastian Bach wird auch als "Hohe Messe" bezeichnet. Diese Wertung gaben Liebhaber der klassischen Musik dem Werk im 19. Jahrhundert.

Der Grund Die Komposition eignet sich zur Aufführung an hohen kirchlichen Festen. Die Tonart h-Moll steht am Anfang und in zentralen Teilen. Jubelchöre sind in Dur.

Diese "catholische" Messe gilt als höchste Offenbarung des Bachschen Geistes. An der genialen Gesamtkonzeption hat der Chor den größten Anteil. Dass Joachim Neugart den machtvollen "Kyrie"-Ausruf von im vorderen Drittel des Münsters verteilten Stimmen singen ließ, war allenfalls ein Klangeffekt. Spätestens aber bei der ersten fünfstimmigen "Kyrie"-Fuge entfaltete der Kammerchor vereint vor dem Hauptaltar die dem Werk innewohnende einmalige Wirkung.

Sehr ausgeglichene Männerstimmen klangen auch im Pianissimo wie eine Stimme, ein klarer Alt blieb selbst im Doppelchor fundamental hörbar, der meist zweigeteilte Sopran behielt auch in den Höhen Strahlkraft. So konnten die Jubelchöre aus "Gloria" und "Credo" mitreißende Größe entfalten. Zugleich erzielte auch das ersterbende Piano beim "begraben wurde" ungeheure Wirkung.

Das Barockorchester "Concert Royal" Köln war einmal mehr auf seinem historischen Instrumentarium kongenialer Partner. Es bleibt schon erstaunlich, dass es Joachim Neugart, der exakt gestern vor 25 Jahren seinen Dienst als Münsterkantor antrat, gelingt, bis eine Stunde vor Neujahr hochkarätige Musiker an Neuss zu binden.

Das gilt auch für die Solisten. Souverän Cezar Dima (Tenor) und Sabine Schneider (Sopran), die wegen ihrer vergleichsweise kleinen Solopartie fast die gesamte Messe im Chorsopran mitsang. Gotthold Schwarz (Bassbariton) ließ sich glücklicherweise von der Vitalität des Chorbasses anstecken und fand in seiner zweiten von Holzbläsern wunderschön umrankten Arie zu ausdrucksstarkem Vortrag. Dank ihrer umfangreichen Partie konnte die junge Elvira Bill (Alt) mit ihrer expressiven Stimmführung stark beeindrucken.

Ihre "Agnus Dei"-Arie wurde dabei zum ergreifenden Höhepunkt. Mit dem feierlichen Gebet "Dona nobis pacem" beschließt der Chor diese "bewunderungswürdigste Messkomposition der Barockepoche" (Professor Wilhelm Schepping im ausgezeichneten Programm). Maria Bönsch aus Gnadental fasste die Begeisterung der Zuhörer so zusammen: "Mit diesem denkbar innigsten Friedenswunsch kann das neue Jahr nun gut beginnen."

Quelle: NGZ
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