Neuss (NGZ). Sonderlich auffällig sind die betroffenen Kinder oft nicht. Im Gegenteil: Viele kümmern sich liebevoll um kleinere Geschwister, nehmen sehr sensibel die Stimmungen der Erwachsenen wahr und übernehmen schon früh Verantwortung für sich und andere. "Es gibt keine sicheren Erkennungszeichen dafür, dass ein Kind von der Sucht eines oder beider Elternteile betroffen ist," sagt Bärbel Rosengart, Leiterin der Caritas-Beratungsstelle "Kids im Zentrum", die Kinder aus suchtbelasteten Familien berät und begleitet: "Manche sind ein bisschen verwahrlost oder schlecht ernährt, manche sind verhaltensauffällig, aber das kann immer auch völlig andere Gründe haben."
Jedes sechste Kind in der Bundesrepublik lebt in einer Familie, in der die Sucht der Eltern das Leben bestimmt, insgesamt sind es rund 2,7 Millionen Kinder und Jugendliche. Ihnen bietet "Kids im Zentrum", ("KiZ") Hilfe und Beratung, Gespräche und Gruppen, in denen sie vor allem erleben, dass sie nicht alleine sind: "Es dauert oft Monate bis die Kinder anfangen, darüber zu sprechen, was sie belastet. Aber bei uns müssen sie auch gar nicht sprechen. Es ist schon gut, wenn sie hören, dass es andere gibt, denen es auch so geht, und dass sie nicht schuld sind an der Suchterkrankung ihrer Eltern."
Schon diese Erkenntnis ist oft eine erste, wichtige Entlastung für die Kinder, die bei KiZ allmählich lernen können, wieder Kinder zu sein, eigene Ziele in den Blick zu nehmen und die viel zu früh übernommene Verantwortung für Familie und Geschwister abzugeben. "Eines haben diese Kinder alle gemeinsam, nämlich dass sie ungeheuer wachsam sind, weil sie immer wieder erleben, dass Stimmungen kippen und Dinge aus dem Ruder laufen", resümiert Bärbel Rosengart. "Alle, die mit Kindern zu tun haben, sollten einen Blick für die spezifische Situation dieser Kinder und für ihre Probleme entwickeln," wünscht sie sich.
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