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Neuss: Das „Feld-Haus“ steht

VON HELGA BITTNER - zuletzt aktualisiert: 26.10.2007 - 21:30

Neuss (NGZ). Hombroich Wenn das kein gutes Zeichen ist: Ein kleiner Marienkäfer schwirrt durch den Raum; ein Glücksbringer, der es bislang schon gut gemeint hat mit dem Projekt, das an diesem Tag so viele Menschen feiern wollen, und das er offensichtlich immer noch nicht verlassen will.

Die Kopie einer Glückwunschkarte von 1799 mit einer Richtfestszene ist das erste, was Dr. Irmgard Feldhaus (Mitte) in den Zylinder für die nachgeholte Grundsteinlegung hineinsteckt - ein Beutelchen mit Notgroschen das letzte.  Foto: Andreas Woitschützke
Die Kopie einer Glückwunschkarte von 1799 mit einer Richtfestszene ist das erste, was Dr. Irmgard Feldhaus (Mitte) in den Zylinder für die nachgeholte Grundsteinlegung hineinsteckt - ein Beutelchen mit Notgroschen das letzte. Foto: Andreas Woitschützke

So ungewöhnlich wie das Zustandekommen des Vorhabens ist indes auch der Anlass, der so viele Menschen aus Neuss und Umgebung angezogen hat - unter anderem auch NRW-Kulturstaatssekretär Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff -, dass die Kirkeby-Kapelle fast aus allen Nähten platzt.

Mit Grundsteinlegung und Richtfest zugleich wird nämlich zum ersten Mal das neue Museum für die Sammlung populärer Druckgrafik von Dr. Irmgard Feldhaus auf der Raketenstation öffentlich präsentiert.

Möglich wurde es nur dank so vieler glücklicher Fügungen - angefangen beim Abendessen im Hause des Architekten Rudolf Küppers mit Irmgard Feldhaus, Dr. Volker Kahmen und dem Ehepaar Petzold von der Stiftung Insel Hombroich, bei dem die Idee geboren wurde, und endend bei der Unterstützung der Stadt Neuss, des Landes und des Clemens-Sels-Museum (CSM), das das neue Haus betreiben wird.

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Die Sammlung

Die Sammlung von Dr. Irmgard Feldhaus ist vor allem wegen ihrer Komplexität so bedeutend. Sie umfasst unter anderem Wandbilddrucke, Lithographien, Öldrucke, Bilderbogen, Tapetenbilder, Schulhefte, Glückwunschkarten und -briefe, Poesiealben, Bilderbücher, Krippenbilder, Theaterkulissen. Das „Feld-Haus“ wird nicht nur Ausstellungsraum sein, sondern auch ein Archiv aufnehmen.

Grundlage all dessen war indes der große Wunsch von Irmgard Feldhaus, ihre Sammlung erstens zusammenzuhalten und sie zweitens gut aufgehoben zu wissen.

Dafür schenkte sie die über 5000 Exponate nicht nur der Stadt Neuss, sondern sicherte mit einem eigenen finanziellen Beitrag überhaupt ab, dass aus den Plänen des Architekten Per Kirkeby auf der Raketenstation nun das „Feld-Haus“ gewachsen ist.

Der Name des neuen Museums passt gleich in mehrfacher Hinsicht. In ihm steckt ein bisschen was von der wunderbaren Selbstironie der Mäzenin; er nimmt die Bezeichnungen der anderen Hombroich-Museen „Rosa Haus“ und „Fontana-Haus“ auf, und er symbolisiert den Standort inmitten von noch bewirtschafteten Feldern auf dem Kirkeby-Feld genannten Areal.

Kein Wunder also, dass an diesem Tag allesamt rundum glücklich sind. Die jetzige CSM-Chefin Dr. Gisela Götte dankt der früheren CSM-Chefin (und Gründungsdirektorin) Feldhaus mit nicht weniger Gefühl als die stellvertretende Bürgermeisterin Angelika Quiring-Perl.

Beide stellen in ihren Reden die Großzügigkeit der Schenkerin mit warmen Worten heraus - so, dass die Hochgelobte die eigene Rede mit einem eher abwehrenden „Quel Hommage!“ beginnt - und zeigen sich gleichermaßen beglückt über das Zusammenrücken des städtischen Clemens-Sels-Museum und der Stiftung Hombroich.

Der 87-Jährigen Irmgard Feldhaus gehen die Worte ihrer Vorrednerinnen offensichtlich nahe - aber sie wäre nicht sie, wenn sie nicht offen und trocken zugeben könnte: „Mir zittert die Stimme.“ Sie, die dem Kulturraum Hombroich seit jeher verbunden ist, freut sich sichtlich darüber, dass das CSM „nun einen Fuß auf der Raketenstation“ hat, gibt indes schon zu, dass die Dependance auch eine Belastung sei.

Mit den trockenen Worten „Das wär’s“ beendet sie dann lächelnd ihre kurze Rede und schreitet zur Tat: Die aktuelle Tageszeitungen, die Kopie eines Sammlungsstück - eine Neujahrskarte von 1799 mit einer Richtfestszene -, die Baupläne, aber auch ein kleiner Beutel mit Euromünzen verschwinden im Zylinder - letzterer nicht ohne Kommentar: „Dat jute Geld...“ Kulturdezernentin Dr. Christiane Zangs schließlich obliegt die, das Gefäß im Boden des „Feld-Hauses“ zu versenken.

Quelle: NGZ


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