Neuss (NGZ). Rund 400 Gäste haben sich angesagt, um am Sonntag bei der Eröffnung des neuen Museums mit populärer Druckgrafik auf der Raketenstation dabei zu sein. Pünktlich zum 90. Geburtstag der Mäzenatin Irmgard Feldhaus, die der Stadt die Sammlung geschenkt hat.
Mit Blick auf die Fülle der Exponate (5000 Stück) und die unendlichen Möglichkeiten, die sie für Ausstellungen bieten, scheint die Folgerung nur logisch: "Das Haus ist zu klein, es muss erweitert werden." Ein frommer Wunsch angesichts der Tatsache, dass "das Haus" noch ganz neu ist und erst am Sonntag eröffnet wird, aber einmütig – wenn auch mit einem Lachen – geäußert von zwei Menschen, die es wissen müssen.
Der Volkskundler und stellvertretende Leiter des Clemens-Sels-Museum, Thomas Ludewig, hat schließlich den Umzug der Kisten und Kästen mit Hunderten von kleinen und großen Bildern überwacht, und Irmgard Feldhaus weiß nur zu gut, was sie darin über all die Jahre zusammengetragen hat.
Eröffnung
Das Feld-Haus ist das einzige Museum in der Bundesrepublik, das ausschließlich populäre Druckgrafik zeigt. Es ist ab kommenden Sonntag geöffnet (13 bis 17 Uhr) und danach jeweils samstags und sonntags von 12 bis 17 Uhr. Der Eintritt kostet zwei Euro. Führungen gibt es auf Anfrage unter 02131-904141.
In ihrem Keller und in ihrer Wohnung war gelagert, was jetzt in der neuen Dependance des Sels-Museum untergebracht ist. Die erste Nachkriegsdirektorin des Clemens-Sels-Museum hat dem Museum und damit der Stadt ihre Sammlung populärer Druckgrafik des 19. Jahrhunderts geschenkt und zudem dafür gesorgt, dass sie in einem von Per Kirkeby erbauten Gebäude auf der Raketenstation gezeigt werden kann.
Passend zur Umgebung in Hombroich und zum Namen der Mäzenatin (obwohl von ihr nicht als Wunsch geäußert) wird es Feld-Haus heißen. Da scheint es auch nur natürlich, dass die erste Ausstellung allein der großzügigen Schenkerin gewidmet ist. Ihr persönlicher Blick hat die Ausstellung bestimmt, die in zwei Räumen aufteilt ist und mit 400 Exponaten einen ersten Eindruck gibt.
Kunstvolle Freundschaftsbillets, Bilderbogen als Vorläufer der Comics, Andachtsbilder, Devotionalien zum deutschen Kaiser, Poesiealben, Fächer, Stollwerck-Sammelalben, Flugblätter mit Geschichten und Bildern, die einst die Bedeutung einer Zeitung hatten – es gibt so viel zum Schauen und Staunen, dass der kulturhistorische Aspekt fast in den Hintergrund gerät.
Aber das Museum will auch diesen vermitteln, zeigen, dass der Bilderhunger der Menschen eine ganze Industrie getragen hat: "Was hier so liebevoll gezeigt wird", sagt die Museumschefin Uta Husmeier-Schirlitz lächelnd, "war zu seiner Zeit Massenware". Aber in einer Qualität und Vielfalt, wie sie heute kaum vorstellbar ist. Und dass das Schenken etwa von filigran gestaltetet Freundschaftsbillets auch Ausdruck eines gesellschaftlichen Wandels ist, kann Thomas Ludewig erklären: "Man besann sich im 19. Jahrhundert wieder auf die menschlichen Beziehungen."
Ein bis zwei Wechselausstellungen soll es künftig geben; zudem wird die Sammlung von Wissenschaftlern erforscht.
Die neuesten Nachrichten und Berichte aus Politik, Wirtschaft, Panorama, Sport, Kultur, Gesellschaft, Wissenschaft, Multimedia, Auto,
Reise und Beruf - im Archiv auch gratis recherchierbar. Dazu die besten Bilder, Live-Ticker, Kolumnen und Hintergrundberichte.