Neuss (NGZ). Neuss Es glänzte. Nicht nur, weil es zu den schönsten Stillleben gehört, die Heinrich Nauen je gemalt hat, sondern weil es mit Firnis überzogen war. Nicht ungewöhnlich bei Gemälden, die mit dem transparenten Bindemittel schließlich vor äußeren Einflüssen geschützt werden sollen. Aber bei der „Rhododendronblüte in gelber Vase“ lag der Fall anders.
„Heinrich Nauen hat den Firnis nie gewollt“, sagt Dr. Uta Husmeier-Schirlitz. Die Kunstwissenschaftlerin ist im Clemens-Sels-Museum (CSM) für die Kunst des 19. und 21. Jahrhundert zuständig und weiß sich in diesem Punkt auch mit dem Sohn Nauens einig.
Dass der Firnis mit dem Glanzeffekt dennoch irgendwann auf dem um 1919 entstandenen und seit 1954 im Besitz des CSM befindlichen Ölgemälde aufgetragen wurde, hat ein simple Erklärung: „Das entsprach mal dem Zeitgeschmack“, sagt die Expertin. Fast allen Expressionisten, so hat sie von einem Düsseldorfer Galeristen gehört, „ist bis vor wenigen Jahren das Unglück des späten Firnis widerfahren“. Nauens Ölgemälde jedoch ist wieder in seinen ursprünglichen Zustand versetzt worden. Ohne Firnis und mit Farben, die jetzt viel voller wirken und wieder so aussehen, wie der Maler sie sich gedacht hatte.
Dank eines Zuschusses des Landes NRW in Höhe von 18 000 Euro konnte das Museum insgesamt vier Bilder aus seiner ständigen Ausstellung restaurieren lassen: neben dem Nauen-Bild noch jeweils ein Gemälde von Rogier van der Weyden, Edward Burne-Jones und James Ensor.
Das Stillleben ist das erste Bild, das aus der Werkstatt der Restauratorin Dr. Hiltrud Schinzel zurückgekommen ist. Fast drei Monate hatte sie es in ihren Händen und in kleinen Arbeitsschritten nicht nur den Firnis abgetragen, sondern auch die Farben behandelt.
Retuschen wurden entfernt, Schadstellen ausgebessert und das Bild in seiner Gesamtheit gefestigt. „Weiß gemischte Farben reagieren auf Klimaschwankungen mit Brüchen“, erklärt Husmeier-Schirlitz, „was schließlich zum Verlust der Farbe führen kann“. Um solcherlei zu vermeiden, wird das Bild mit Gelatine oder anderen Bindemitteln gefestigt.
Mit dem Erfolg, dass das Nauen-Gemälde seinen alten Ausdruck wiederbekommen hat, viel lebendiger wirkt und nun „lange Zeit wieder hängen darf“. Im Herbst wechselt es jedoch noch einmal den Platz und wird an das Bonner August-Macke-Museum ausgeliehen.
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