Neuss (NGZ). Neuss Weite Teile der Hafenindustrie meterhoch überflutet. Entlang des Nordkanals - bis his hinauf zur Straße Buschhausen - 640 000 Quadratmeter unter Wasser. Straßen, Gärten, Häuser. An der Stadthalle steht das Wasser des Nordkanals, das nicht mehr abfließen kann, 1,75 Meter hoch auf der Selikumer Straße.
Ein Szenario. Bilder wie aus dem überfluteten Dresden. Solche Bilder aber soll es aus Neuss nicht geben. Um dieses Ziel zu erreichen, muss der enge Durchlass des Erftkanals, der den Hafen an den Rhein anbindet, bei Hochwasser geschlossen werden. Er ist die weiche Stelle im Schutzwall der Innenstadt.
Über die Frage, wie dieses Loch verstopft werden kann, wurde im Rathaus lange gebrütet. Am Dienstag nun stellte Tiefbauamtsleiter Joachim Schoenbeck dem gemeinsam mit dem Umweltausschuss tagenden Planungsausschuss eine Lösung vor, die wartungsarm ist, wenig Know-How für den Betrieb voraussetzt - und preiswert ist.
Ein Sperrwerk soll errichtet werden, das im Durchfluss zwischen Mündung und Hafenbecken V zwischen die Hochufer eingepasst und im Fall einer Flutwelle - sobald der Verkehr auf dem Rhein eingestellt werden muss - mit einer 50 Meter langen „Klappe“ wie mit einem Korken verschlossen wird.
Diese „Klappe“ ist, wie Planungsdezernent Stefan Pfitzer erläuterte, geeignet, mehrere „Fliegen“ auf einmal zu schlagen. Erstens sichert der Hochwasserschutz für den Hafen nicht nur Vermögenswerte in Millionenhöhe, sondern reduziert auch das Risiko, dass wassergefährliche Güter, die jährlich in einer Größenordnung von mehreren hunderttausend Tonnen im Hafen umgeschlagen werden, mit dem Hochwasser in den Rhein gelangen.
Zweitens kann ein zum Rhein abgedichteter Hafen wohl die Wasser noch einstauen, die ihm etwa über Nordkanal zugeführt werden. Das entbindet die Stadtentwässerung von der Pflicht, die Regenwasseranschlüsse entlang des Nordkanals mit Schiebern vor einem Rückstau aus dem Kanal zu schützen und mit Hebepumpen frei zu halten.
Ein Millionending, das vielleicht den Bau einer Hebepumpe am Sperrwerk verschmerzen lässt, sollte das Hafenbecken doch nicht groß genug dimensioniert sein. Dieser Punkt ist einer von vielen noch offenen und gutachterlich zu klärenden Detail. Allein diese Punkte aber machen das Sperrwerk aus Sicht der Verwaltung rentierlich.
Weitere Aspekte kommen hinzu, denn die Widerlager des Sperrwerkes sollen auch eine Hubbrücke tragen, über die die Neusser Eisenbahn einen Gleisstrang führt, auf dem sie Züge zum Übergabebahnhof ans DB-Streckennetz rangieren kann. Das macht die Bahn von dem Notgleis an der Batteriestraße unabhängig - und der Verwaltung den Rücken frei, diese Flächen zu überplanen, die Stadt dichter ans Hafenbecken I zu bringen.
Ein Vorteil, wie der Ausschuss erkannte, auch wenn der nicht in Euro zu bilanzieren ist. Das gelingt nur im Fall Case-Gelände, das in einem hochwassersicheren Hafen nicht bis auf die Höhe aufgeschüttet werden muss, die auch bei dem so genannten Bemessungshochwasser (12,41 Meter am Neusser Pegel) trockene Füße garantiert.
Ein weiterer Vorteil des Bauwerkes: Parallel zur Eisenbahn könnte ein Radweg über den Kanal geführt werden, so dass Radler westlich der Ölgangsinsel rheinnah Richtung Düsseldorf fahren können. Gesamtkosten alles in allem: 15 Millionen Euro.
Einen Nachteil hat die Planung aber doch. Weil sich der Rhein nicht mehr im Hafen breit machen kann, mussErsatzstauraum für 2,4 Millionen Kubikmeter Wasser her. Das soll - im schlimmsten Fall - der Rheinpark zwischen Fringsbrücke, Scheibendamm, B 1 und Rheindeich sein.
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