Neuss (NGZO). Im Tanz, in der Kunst und in der Musik ist auf der Basis unterschiedlicher Kulturen schon immer Neues erwachsen. Wie sich das Prinzip auch auf eine neue Stadtgesellschaft anwenden lässt, ist Thema einer Tagung im Zeughaus.
Tagung
Die Tagung im Zeughaus findet am Montag, 16. November, von 14 bis 19 Uhr statt. Anmeldungen sind per E-Mail an kulturamt@stadt.neuss.de oder unter Telefon 02131/ 904118 möglich. Mehr Informationen zu der Tagung im Internet unter www.neuss.de/kultur/szene
Einen besseren Zeitpunkt für das Thema hätte man kaum finden können. Überall in den Stadtteilen ziehen Kinder verschiedener Nationalitäten und Glaubensrichtungen mit Sankt Martin durch die Straßen, klappern gripschend die Häuser ab und singen die klassischen Lieder. Und wenn dann ein in Neusser Platt gesungenes Martinslied die kleinen Sänger grübeln lässt, ob sie es mit der englischen oder türkischen Sprache zu tun haben, ist fast schon erreicht, was sich Kulturamtsleiter Harald Müller und seine Chefin, Dezernentin Dr. Christiane Zangs, für die Zukunft erhoffen: Transkulturalität. Ein sperriger Begriff vielleicht, der aber nur beschreibt, was heute auf viele Nationen zutrifft. Denn Einwanderer brachten immer schon ihre eigenen kulturellen Gepflogenheiten und Errungenschaften mit, die über die Jahre in die Kultur der neuen Heimat einflossen und schließlich deren vertrauter Bestandteil für jedes Mitglied der Gesellschaft wurden.
Dass Kulturen sich nicht nur begegnen, sondern vermischen, ist für Müller die Basis für ein Konzept zur künftigen transkulturellen Arbeit in Neuss. Deren ersten großen Baustein soll eine Tagung liefern, die Experten aus Theorie und Praxis im Zeughaus versammelt. Ihr Titel "Kultur und Bildung als Schlüssel zu einer transkulturellen Stadtgesellschaft" gibt dabei die Richtung vor. Im Fokus haben alle Teilnehmer vor allem die junge Generation, die in Kindergarten und Schule mit Kindern aus Migrationsfamilien, mit fremden Sprachen und Gebräuchen aufwachsen.
"Wenn Menschen von Kindesbeinen an erfahren, dass sich in fremden Kulturen so vieles entdecken lässt, gibt es die Chance, dass daraus etwas Neues entsteht", sagen Müller und Zangs. Sie möchten erreichen, dass "Kultur als Bildungspotenzial allen Menschen zugänglich gemacht wird". Die beiden erhoffen sich von den Vorträgen der Professoren Reinhold Görling aus Düsseldorf und Wolf-D. Bukow aus Köln ebenso Anregungen wie aus der anschließenden Diskussion, die von kurzen Statements – etwa von Zangs – eingeleitet wird. "Denn wir sind noch auf der Suche, wie wir das Thema am besten angehen können", geben sie zu. Moderiert wird die Veranstaltung von der Journalistin Ciler Firtina, die sich nicht nur in ihrer Heimatstadt Köln intensiv mit dem Migrationsthema beschäftigt.
Und um nicht nur in der Theorie zu bleiben, ist auch Hamdi Berdid eingeladen. Der Neusser HipHop-Choreograph und Dozent der Alten Post hat schließlich mit seinem Tanztheater "Musterkanaken" die Transkulturalität aufs schönste umgesetzt. Alle seine Tänzer kommen aus Migrationsfamilien, sind inzwischen Deutsche und haben im Tanz eine ebenso universelle wie persönliche Sprache gefunden und erzählen darüber ihre eigene Geschichte.
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