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Neuss: Der Held vom Reuschenberger See

VON PETER BÖTTNER - zuletzt aktualisiert: 08.02.2010 - 11:06

Neuss (NGZ). Einen Tag nachdem drei Kinder auf einem zugefrorenen See in höchste Gefahr gerieten, berichtet Feuerwehrmann Pascal Dahmen von dem dramatischen Einsatz. Der 30-Jährige zog einen Jungen (9) aus dem eisigen Wasser.

Als Pascal Dahmen wieder festen Boden unter seinen Füßen hat, sackt der Neusser Feuerwehrmann am Ufer des Reuschenberger Sees in sich zusammen. „Das Adrenalin war schlagartig weg. Und plötzlich kam die Kälte, die Erschöpfung, das Gefühlschaos“, beschreibt der 30-Jährige seinen Moment der Schwäche. Sekunden zuvor war Dahmen noch über sich hinausgewachsen in einem Drama, das er auch im Rückblick noch nicht wirklich erfassen kann.

Feuerwehrmann Pascal Dahmen war an der Rettung der beiden Jungen aus dem eisigen Reuschenberger See beteiligt.  Foto: Jürgen Laaser
Feuerwehrmann Pascal Dahmen war an der Rettung der beiden Jungen aus dem eisigen Reuschenberger See beteiligt. Foto: Jürgen Laaser

Als es darauf ankommt, funktionieren Pascal Dahmen und seine Kameraden von der Feuerwehr jedoch wie ein Uhrwerk. Der blaue Fahrradhelm des neunjährigen Jungen, der sich mit seinen Freunden auf das tückische Eis des Baggersees im Neusser Süden gewagt hatte, leuchtet unter der Wasseroberfläche und weist den Rettern den Weg. „Wir haben zugepackt, den Jungen ins Boot gehievt, sofort mit den Reanimationsmaßnahmen begonnen“, erinnert sich Dahmen an die dramatischen Ereignisse.

Der Junge ist ohne Bewusstsein, der Körper nach den langen Minuten im eiskalten Wasser extrem unterkühlt. Bis zur Übergabe des Neunjährigen an den Notarzt kämpft Pascal Dahmen mit seinem Kollegen um das Leben des Kindes. Doch die Herzmassage und Beatmung bleiben zunächst ohne Erfolg. „In solchen Momenten läuft alles automatisch ab, da ist kein Platz für Gedanken oder Gefühle. Man sieht das Opfer, erkennt die Situation und handelt einfach“, sagt der Feuerwehrmann.

Zu diesem Zeitpunkt ist Pascal Dahmen bereits bis auf die Haut nass. Er gehört zum Trupp 2 der Neusser Feuerwache, die um 16.40 Uhr den Notruf vom Baggersee erhält. „Drei Kinder auf dem Eis – zwei sind eingebrochen“, fasst Dahmen die knappen Informationen zusammen. Als er mit seinen Kollegen am Reuschenberger See ankommt, kann er die Köpfe der beiden Jungen im Eis aus der Ferne erahnen. „Die waren fast 40 Meter vom Ufer entfernt.“

Während Trupp 1 die wattierten Überlebensanzüge überstreift und über das Eis auf die Jungen zurobbt, besteigt Trupp 2 mit Pascal Dahmen ein Schlauchboot. Doch das nur drei Zentimeter dicke Eis gibt nach, die Männer landen selbst im eiskalten Wasser – wenige Meter weiter stecken auch die Taucher in der Eisdecke fest.

Ohne fremde Hilfe kämpft sich Trupp 2 ins Schlauchboot zurück und wird schließlich vom Rettungshubschrauber an einem Seil zur Einbruchsstelle gezogen. „Unterwegs haben wir noch die Kollegen in den Tauchanzügen aufgenommen, wir hatten ja nur unsere Dienstuniform an“, berichtet der 30-Jährige. Die Taucher kommen jedoch nicht mehr zu Einsatz. Der Neunjährige treibt kurz unterhalb der Wasseroberfläche, Pascal Dahmen erkennt die Chance, ihn zu retten: Er zieht das Kind am Helm aus dem See.

Erst am Tag danach hat der Feuerwehrmann Zeit, das Erlebte zu reflektieren. Zurück im heimischen Erkelenz stimmt die Erinnerung den Familienvater nachdenklich: „Das war mein erster Einsatz im Eis. Und es ist erschreckend zu sehen, wie hilflos die Einzelperson ohne professionelles Gerät, ohne Unterstützung von außen wäre.“ Pascal Dahmen hat selbst zwei Kinder – sieben und zehn Jahre alt. „Obwohl ich wüsste, dass es wahrscheinlich aussichtslos ist, würde ich natürlich wieder auf das Eis springen“, versichert der Feuerwehrmann.

Als Held fühlt sich Pascal Dahmen nicht. „Der Junge kämpft noch um sein Leben, letztlich habe ich nur meine Pflicht erfüllt.“ Immer wieder informiert er sich an seinem freien Tag bei Kollegen über den Zustand des Kindes. „Ich hoffe, dass sich der Einsatz gelohnt hat – und der Kleine es schafft.“

Quelle: NGZ

 
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