Neuss (NGZ). Er ist Italiener, 40 Jahre, wiegt 370 Kilogramm, ist 3,55 Meter lang und hat einen liebevollen Verehrer: Der Fiat 500 F, den Besitzer Antonio Casanova hegt und pflegt. Den Zwerg auf vier Rädern hat er von seinem Vater geerbt.
Außen unscheinbar hellbeige, innen alles in schwarzem Leder: Dem Fiat 500 F, den Antonio Casanova von seinem Vater geerbt hat, sieht man sein Alter wahrlich nicht an. Und das hat einen Grund. Knapp 10 000 Euro hat der 52-Jährige in den Wagen gesteckt. Bis jetzt. "Wenn man einmal anfängt, dann findet man immer etwas, das ausgetauscht werden muss", sagt der stolze Besitzer, der noch nie daran gedacht hat, das Altertümchen zu verkaufen. "Er ist doch von meinem Vater."
Doch nur in der Garage herumstehen lassen, wollte er das gute Stück nicht. Und so riss die Restaurierung des "Kleinen" ein großes Loch ins Portemonnaie des Erben: neue Lackierung, neue Sitze, neuer Motor, neuer Auspuff, neue Bremsscheiben, neue getönte Scheiben. Vater Alberto, der 1970 etwa 500 000 Lire (damals rund 500 Mark) auf den Tisch gelegt hatte, wäre sicherlich stolz auf seinen Sohn und den kleinen Turbo-Fiat, der jetzt immerhin 40 Pferdestärken (vorher 18) vorweisen kann – und damit so manchen Wagen auf der Autobahn recht stehen lässt – nun ja, zumindest die Lastwagen.
Der "Cinquecento"
4. Juli 1957 An diesem Tag ließ Fiat das Modell 500 von der Leine, und ein Autokorso von 120 Exemplaren rollte durch Turin. Der kleine Fiat war Sparmodell für die Wirtschaftswunderjahre in Italien.
Fiat 500 Nuova Das 2007-Modell hat die Länge des Originals behalten, nämlich 3,55 Meter, doch das Gewicht hat sich fast verdreifacht. Der "Neue" wiegt immerhin gut 1100 Kilogramm.
140 Stundenkilometer Spitzenleistung schafft das so getunte Modell, für das Casanova sogar sein Motorrad verkaufte.
Nach wie vor hat das Gefährt noch sein italienisches Nummernschild – BL 6 5906. Bl steht für Belluno, Hauptstadt der gleichnamigen Provinz im Norden Italiens, Heimat der Familie Casanova. Im mittlerweile etwas zerfledderten Fahrzeugschein ist der Fiat als das 65 906. Auto der Provinz ausgewiesen. "Aus Belluno kommen die meisten Eismacher Italiens", macht Antonio, der in Reuschenberg eine Eisdiele hat, die Wichtigkeit der hier nicht allzu bekannten Region deutlich. Wenn er nach Hause fährt, setzt er sich allerdings nicht für die gut 1000 Kilometer zwölf oder mehr Stunden hinters Steuer. "Das laute Knattern kann man so lange kaum aushalten", sagt er und wählt lieber die bequeme Variante: mit dem Autozug bis Bozen, und dann noch 200 Kilometer auf die Straße. Sohn Tino teilt die Leidenschaft seines Vaters für den Wagen des Opas keineswegs. Im Gegenteil: Der Zehnjährige möchte lieber nicht, dass der Vater ihn mit diesem merkwürdigen Vehikel, für das Liebhaber mittlerweile 15 000 Euro zahlen würden, von der Schule abholt.
Die Besucher der Classic Days auf Schloss Dyck dagegen wissen das Schätzchen durchaus zu würdigen. Auch in diesem Jahr wird Antonio Casanova wieder da sein. Und dann hat er das große Ziel, einmal bei einem Treffen der Fiat-500-Fahrer in Italien dabei zu sein. Verkaufen wird er das gute Stück keinesfalls, sein Herz hängt einfach zu sehr an dem Gefährt, das der ganze Stolz seines Vaters war, und in dem er schon als Junge Kilometer für Kilometer gesessen hat. Na dann, buon viaggio!
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